Das letzte Exemplar dieses Raubtiers ist vor 90 Jahren ausgestorben – nun haben Wissenschaftler herausgefunden, wie es jagte
- Startseite
- Wissenschaft
- Das letzte Exemplar dieses Raubtiers ist vor 90 Jahren ausgestorben – nun haben Wissenschaftler herausgefunden, wie es jagte


Der Tasmanische Tiger wurde jahrzehntelang als das Beuteltier-Äquivalent des Wolfs dargestellt – als großes Raubtier, das in der Lage war, Schafe und andere große Beutetiere anzugreifen. Gerade dieser Ruf war einer der Gründe für seine massenhafte Ausrottung.
Eine neue Untersuchung der Schädel des Beutelwolfs (Thylacinus cynocephalus) zeichnet ein anderes Bild. Trotz seines riesigen Kopfes waren seine Kiefer vermutlich nicht darauf ausgelegt, ein großes Tier über einen längeren Zeitraum festzuhalten, sondern auf einen schnellen und kräftigen „schnappenden“ Biss bei kleiner und beweglicher Beute.
Details
Forscher der Flinders University und der University of Melbourne analysierten die Struktur der erhaltenen Schädel des Beuteltigers und verglichen diese mit denen heutiger Raubtiere.
Ungewöhnlich erwies sich die Kombination der Merkmale selbst. Der Thylacin wog im Durchschnitt etwa halb so viel wie ein Grauwolf, doch sein Schädel konnte fast ebenso groß sein. Dabei war die Schnauze lang und vergleichsweise schlank – keineswegs so massiv wie bei Raubtieren, die große, sich wehrende Beute packen und festhalten müssen.
Nach Berechnungen der Wissenschaftler ermöglichte der lange Kiefer, dass sich dessen Spitze beim Biss mit hoher Geschwindigkeit bewegen konnte. Der große und tiefe Schädel wiederum war in der Lage, die dabei entstehende Belastung auszuhalten.
Eine solche Konstruktion eignet sich eher für den schnellen Zugriff auf ein kleines, flinkes Tier, wie beispielsweise ein Bandikut, als für den Kampf mit einem Schaf.
Die Autoren ziehen sogar eine funktionelle Parallele zu bestimmten Krokodilen und Raubfischen, die ihre langen Kiefer für schnelle Schläge einsetzen. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Thylacin wie ein Krokodil jagte – die Ähnlichkeit betrifft lediglich die Mechanik des Bisses.
Wissenschaftler können diese Rekonstruktion nicht direkt überprüfen: Das letzte sicher bekannte Thylacin starb 1936 im Zoo von Hobart.
Zu diesem Zeitpunkt war die Art bereits praktisch ausgerottet. Europäische Siedler beschuldigten die Tilacine, Schafe angegriffen zu haben, und die tasmanischen Behörden zahlten seit Ende des 19. Jahrhunderts Kopfgelder für getötete Tiere. Die intensive Verfolgung gilt als Hauptgrund für das Aussterben der Art. Eine zusätzliche Rolle könnten der Rückgang der Lebensräume, der Rückgang der Beutetiere, Krankheiten und die Konkurrenz durch Hunde gespielt haben, obwohl der Beitrag jedes einzelnen dieser Faktoren weiterhin umstritten ist.
Warum dies wichtig ist
Die neue Studie beweist nicht, dass Tilacine niemals Schafe angegriffen haben. Sie zeigt etwas anderes: Ihr Schädel scheint nicht darauf spezialisiert zu sein, regelmäßig große Beutetiere zu fangen und festzuhalten, wie dies bei Wölfen der Fall ist.
Dies ist insbesondere angesichts der Geschichte des Artensterbens bemerkenswert. Das Bild des gefährlichen „Schafmörders“ wurde als Rechtfertigung für die Verfolgung der Tiere herangezogen, obwohl das tatsächliche Ausmaß der Schäden für die Viehzucht umstritten blieb.
Die Studie verdeutlicht zudem die Grenzen der berühmten Ähnlichkeit des Thylacines mit dem Wolf. Diese Tiere waren evolutionär sehr weit voneinander entfernt: Das Thylacin war ein Beuteltier. Äußerlich nahmen sie unabhängig voneinander eine ähnliche Gestalt an, doch hinter der ähnlichen Silhouette verbargen sich unterschiedliche Jagdmechanismen.
Die Vorstellung von kleiner Beute ist nicht neu: Frühere biomechanische Untersuchungen hatten bereits darauf hingedeutet, dass der Schädel des Thylacine für den Kampf gegen große Tiere ungeeignet war. Die neue Studie präzisiert den möglichen Mechanismus – der große Kopf und die langen Kiefer könnten einen besonders schnellen und kräftigen Biss ermöglicht haben.
Quelle
Studie:„Skull morphology of the extinct Tasmanian tiger suggests unique biting style“.
Autoren: Vera Weisbecker, Andrew J. Pask, Axel H. Newton, Douglass S. Rovinsky.
Zeitschrift: Nature Communications, 2026.
- Zwergwaschbären wurden dabei beobachtet, wie sie Papierkugeln bastelten
- Die Amsel erwies sich als der schönste Sänger unter 123 Vogelarten
- Die Adler, die fast immer alleine jagen, fraßen überraschenderweise neun Stunden lang eine tote Ziege
- In der ägyptischen Wüste wurde ein etwa 80 Millionen Jahre alter „Haifischfriedhof“ entdeckt
- Ihr Hund beobachtet sogar, wie Sie blinzeln
Maria Grynevych, Projektmanagerin, Journalistin, Mitautorin des Reiseführers Heilige Berge der Dnjepr-Region, Vortragskurs: Kultische Topographie der mittleren Dnjepr-Region.












