In Brasilien wurde ein Reptil entdeckt, das bereits vor dem Auftauchen der Dinosaurier lebte
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In Brasilien wurde eine neue Reptilienart beschrieben, die vor etwa 240 Millionen Jahren lebte – einige Millionen Jahre vor dem Auftreten der ersten bekannten Dinosaurier. Das Tier erhielt den Namen Silescelida acristata.
Die Entdeckung wurde durch ein Fossilienfragment ermöglicht, das seit über 20 Jahren als verloren galt. Darauf war die Museumsnummer erhalten geblieben, wodurch festgestellt werden konnte, wo genau die übrigen Knochen gefunden worden waren.
Das urzeitliche Reptil war kein direkter Vorfahr der Dinosaurier oder Krokodile. Es gehörte jedoch zu einem der frühen Zweige der Archosaurier – einer großen Gruppe, aus der später die Archosaurier hervorgingen, darunter Dinosaurier, Vögel und Krokodile.
Details
Die Fossilien wurden in der Nähe der Gemeinde Dona-Francisca im brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul entdeckt. Sie stammen aus Gesteinsschichten der mittleren Trias, die zum Geopark Quarta-Colônia gehören, der in das UNESCO-Weltnetzwerk der Geoparks aufgenommen wurde.
Das Skelett ist nur teilweise erhalten geblieben. Den Paläontologen standen das linke Schulterblatt, ein Teil der rechten Beckenhälfte und ein fast vollständiger linker Oberschenkelknochen mit einer Länge von etwa 17 Zentimetern zur Verfügung. Alle Elemente wurden zusammen gefunden und passten von der Größe her zueinander, weshalb die Forscher zu dem Schluss kamen, dass sie zu einem einzigen Tier gehörten.
Der Rekonstruktion zufolge war Silescelida acristata ein vergleichsweise kleines und schlankes Reptil, das sich auf vier Beinen fortbewegte. Von der Größe her könnte es mit einem kleinen Alligator vergleichbar gewesen sein. Vermutlich jagte das Tier kleinere Beutetiere, doch diese Schlussfolgerung basiert auf einem Vergleich mit verwandten Arten: Der Schädel und die Zähne des neuen Reptils sind nicht erhalten geblieben.
Als besonders wichtig erwies sich der Oberschenkelknochen. Seine Struktur deutet darauf hin, dass die Beine des Tieres nicht streng seitlich am Rumpf angeordnet waren, wie bei vielen frühen Reptilien, sondern teilweise nach unten gerichtet waren. Eine solche halb aufgerichtete Haltung der Gliedmaßen könnte die Fortbewegung effizienter gemacht haben.
Die Autoren verglichen die Knochen mit denen anderer Reptilien aus dem Trias und nahmen die neue Art in eine umfangreiche Datenbank auf, die 287 Tiergruppen und 919 anatomische Merkmale umfasst. Mehrere Analysevarianten ordneten Silescelida acristata durchweg den frühen Eukrokopoden zu – den Archosaurier-ähnlichen Reptilien, die sich in ihrem Körperbau dem allgemeinen Körperplan der Archosaurier annäherten.
Die genaue Einordnung der Art im Evolutionsbaum ist bislang umstritten. In einigen Berechnungen wurde sie innerhalb der Familie der Euparkeriidae eingeordnet, in anderen hingegen neben dieser. Daher bezeichnen die Forscher das Tier lediglich als möglichen Vertreter dieser Familie.
Ein Fossil, das 20 Jahre lang verschollen war
Die Geschichte der Entdeckung erstreckte sich über Jahrzehnte. Ein Teil des Oberschenkelknochens, auf dem sich die Museumsnummer des Exemplars befand, ging versehentlich verloren. Ohne diesen Teil konnten die Paläontologen den Fundort und die Umstände des Fundes nicht bestätigen, weshalb eine vollständige Beschreibung des Tieres unmöglich war.
Das Fragment wurde bei der Untersuchung der Sammlung der Päpstlichen Katholischen Universität von Rio Grande do Sul wiederentdeckt. Danach konnten die Wissenschaftler die Teile des Fossils zusammenfügen, dessen Herkunft bestimmen und eine neue Gattung sowie eine neue Art beschreiben.
Diese Geschichte spiegelt sich im Namen des Tieres wider. Das Wort „Silescelida“ setzt sich aus dem lateinischen Wort für „Stille“ und dem griechischen Wort für „Hinterbein“ zusammen. Der Artname „acristata“ lässt sich mit „ohne Kamm“ übersetzen und verweist auf das Fehlen eines charakteristischen knöchernen Vorsprungs am Oberschenkel.
Warum dies wichtig ist
Die neue Art lebte in einer Zeit, in der sich die terrestrischen Ökosysteme nach dem massiven Perm-Massensterben, das sich vor etwa 252 Millionen Jahren ereignete, noch immer erholten. Es handelte sich um die größte Katastrophe dieser Art in der Erdgeschichte: Sie machte zahlreiche ökologische Nischen frei und veränderte die weitere Evolution der Tiere.
In der Trias breiteten sich die Archosaurier rasch aus und entwickelten neue Körperformen. Später führte ein Zweig der Archosaurier zu den Krokodilen, ein anderer zu den Pterosauriern, Dinosauriern und den heutigen Vögeln.
Silescelida acristata ermöglicht es, einen Einblick in eine frühere Phase dieser Geschichte zu gewinnen, als den Archosauriern verwandte Reptilien sich noch durch vielfältige Körperbauformen und Fortbewegungsweisen auszeichneten. Der Fund zeigt zudem, dass solche Tiere weiter verbreitet waren, als es die bisherige Fossilienkunde vermuten ließ.
Es ist jedoch noch zu früh, um endgültige Schlussfolgerungen zu ziehen. Das Skelett besteht lediglich aus wenigen Knochen, und die Einordnung der neuen Art variiert je nach Analysemethode. Daher präzisiert der Fund zwar das Bild der Evolution der Archosaurier, gibt jedoch keinen Aufschluss über einen konkreten gemeinsamen Vorfahren von Dinosauriern und Krokodilen.
Hintergrund
Vermutete Vertreter der Familie der Euparkeriidae waren bisher vorwiegend aus Funden in Afrika, Asien und Europa bekannt. Die neue Art ist der erste frühe Eukrokopode, der in Trias-Ablagerungen Brasiliens entdeckt wurde, und der erste mögliche Vertreter der Euparkeriidae in Südamerika.
Rio Grande do Sul gilt als eine der wichtigsten Regionen für die Erforschung der Trias. In den dortigen Gesteinsschichten sind Überreste früher Dinosaurier, ihrer Verwandten sowie von Raubreptilien erhalten geblieben, die die Erde vor Beginn des Zeitalters der Dinosaurier bevölkerten.
Quelle
Die Studie wurde von Maurício S. Garcia, Gabriela M. Serqueira, Francesco Battista und ihren Kollegen durchgeführt. Die Arbeit„A new eucrocopodan archosauriform from the Middle Triassic of southern Brazil and the phylogeny of Euparkeriidae“wurde im Jahr 2026 in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.
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