Kinder trugen Milch und Käseformen – noch Jahrhunderte später waren die Spuren davon in ihren Knochen zu erkennen
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Historische Dokumente belegen, dass Kinder in den Niederlanden des 17. bis 19. Jahrhunderts bereits in jungen Jahren mit der Arbeit beginnen mussten. Auf ländlichen Bauernhöfen trugen sie Milchkannen und schwere Käseformen und verrichteten sonstige körperliche Arbeit.
Nun haben Wissenschaftler mögliche Folgen einer solchen Belastung direkt in den Knochen entdeckt. Bei Kindern und jungen Menschen aus einer Gemeinde, in der schwere landwirtschaftliche Arbeit besonders verbreitet war, traten deutlich häufiger Veränderungen an der Wirbelsäule auf, die üblicherweise mit langanhaltender mechanischer Belastung in Verbindung gebracht werden.
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Die Forscher untersuchten die Überreste von 143 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von etwa 4 bis 25 Jahren, die zwischen 1650 und 1850 in den Niederlanden lebten.
Sie verglichen drei Gemeinschaften. Im ländlichen Middenbemster arbeiteten Kinder auf Milchviehbetrieben. In Arnheim stand die Kinderarbeit vorwiegend im Zusammenhang mit der Textilproduktion. Die dritte Gruppe bildeten die wohlhabenderen Einwohner von Delft, für die schwere körperliche Arbeit in der Kindheit weniger typisch war.
An den Wirbelsäulen suchten sie nach Anzeichen von Gelenkverschleiß, Knochenwucherungen und Schmorl-Knoten – Veränderungen, bei denen das Gewebe der Bandscheibe in den Wirbelkörper eindringt.
Die ausgeprägtesten Schäden wurden bei den Einwohnern von Middenbemster festgestellt, insbesondere im Brustwirbelbereich. Historische Quellen belegen, dass die Kinder vor Ort bereits ab einem Alter von etwa neun Jahren Milchkannen und Käseformen tragen mussten.
Interessanterweise wiesen die Bewohner des Industriestadts Arnheim weniger Wirbelsäulenschäden auf als erwartet. Die Autoren vermuten, dass das stundenlange Spinnen und Weben zwar kräftezehrend war, jedoch eine andere Belastung darstellte als das regelmäßige Heben und Tragen schwerer Lasten.
Allerdings kennen die Wissenschaftler den Beruf der einzelnen Personen aus den Grabstätten nicht. Daher lässt sich nicht mit Sicherheit behaupten, dass jede festgestellte Schädigung eindeutig auf Kinderarbeit zurückzuführen ist. Die Studie zeigt einen statistischen Zusammenhang zwischen der Art der Arbeit in den Gemeinschaften und dem Zustand der Wirbelsäule.
Warum dies wichtig ist
Über das Ausmaß der Kinderarbeit in Europa ist aus Volkszählungen, Dokumenten und Zeugnissen von Zeitgenossen bekannt. Weitaus schwieriger ist es zu verstehen, welche Auswirkungen stundenlange Arbeit auf den heranwachsenden Organismus hatte.
Die Knochen ermöglichen es, Folgen zu erkennen, die in schriftlichen Quellen kaum dokumentiert wurden. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass nicht nur die Anzahl der Arbeitsstunden, sondern auch die Art der körperlichen Belastung eine Rolle gespielt haben könnte.
Die Autoren behaupten nicht, dass die festgestellten Veränderungen zwangsläufig zu chronischen Schmerzen oder Behinderungen führten. Einige Anzeichen von Verschleiß traten jedoch bereits in sehr jungem Alter auf, als sich die Wirbelsäule noch in der Entwicklung befand.
Quelle
Autoren: Alex Tutwiler, Rachel Schats.
Zeitschrift: International Journal of Paleopathology, 2026.
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