Wissenschaftler haben herausgefunden, welche Schlangen Menschen als beängstigend, schön und abstoßend empfinden

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Mehrere Schlangen unterschiedlicher Form und Färbung in natürlicher Umgebung
Editoriale KI-Illustration der Vielfalt des Aussehens von Schlangen
21:00, 02.10.2026

377 Teilnehmer aus Brasilien und Portugal bewerteten 92 Fotos von Schlangen und ähnlichen fußlosen Reptilien. Vipern und einige Bohnen wurden häufiger mit Angst und Erregung in Verbindung gebracht, schlanke, schlangenähnliche Tiere hingegen mit positiveren Eindrücken und kleine, grabende Arten mit Ekel. Die Reaktionen hingen nicht nur vom Aussehen ab, sondern auch von den individuellen Erfahrungen.



Die Angst vor einer Schlange hängt nicht nur davon ab, wie gefährlich sie tatsächlich ist. Die Körperform und andere visuelle Merkmale des Tieres beeinflussen, ob Menschen es als beängstigend, abstoßend oder im Gegenteil als anziehend empfinden.

Zu diesem Ergebnis kamen Forscher der Universität Aveiro und der Universität Brasília. Die Arbeit wurde in den „Proceedings of the Royal Society B“ veröffentlicht. Die Autoren untersuchten nicht mehr die Fähigkeit des Menschen, eine Schlange schnell zu erkennen, sondern die emotionale Bewertung des Tieres, nachdem es ins Blickfeld geraten war.

Details

An der Online-Studie nahmen 377 Einwohner Brasiliens und Portugals im Alter von 18 bis 74 Jahren teil. Ihnen wurden 92 Fotos verschiedener Schlangen gezeigt. In die Auswahl wurden bewusst auch einige langgestreckte, beinlose Reptilien aufgenommen, die äußerlich Schlangen sehr ähnlich sehen, biologisch jedoch nicht zu dieser Gattung gehören.

Die Fotos stammten aus dem Projekt „Reptiles of Ecuador“ und wurden vor einem neutralen weißen Hintergrund gezeigt, damit die Umgebung die Bewertungen so wenig wie möglich beeinflusste.

Für jedes Bild bewerteten die Teilnehmer Angst, Ekel, Schönheit, emotionale Färbung, Erregungsgrad und die vermutete Größe des Tieres. Die Forscher befragten die Teilnehmer zudem zu ihrer allgemeinen Angst vor Schlangen, früheren Begegnungen mit ihnen und ihren Erfahrungen in der Natur.

Nach der Auswertung der Bewertungen ergaben sich drei deutlich voneinander unterscheidbare Bildgruppen. Die erste war vor allem mit Angst verbunden, die zweite mit positiven Eindrücken und die dritte mit Ekel.

Vipern und einige Boa-Arten wurden häufiger der Gruppe zugeordnet, die mit stärkerer Angst und Erregung verbunden war. Eine Reihe schlanker Vertreter der Familien Colubridae und Dipsadidae wurde positiver wahrgenommen. Kleine grabende Schlangen und einige schlangenähnliche, beinlose Reptilien lösten häufiger Ekel aus.

Dabei stimmten die emotionalen Bewertungen nicht direkt mit der tatsächlichen Gefährlichkeit der Art überein. Nach der Interpretation der Autoren können äußere Merkmale als eine Art visuelle Heuristik zur Bedrohungserkennung fungieren: Der Mensch schätzt die potenzielle Gefahr schnell anhand des Aussehens des Tieres ein, selbst wenn er nichts über dessen Giftigkeit weiß.

Die Reaktion lässt sich jedoch nicht allein durch die Morphologie erklären. Die Intensität der Angst stand zudem im Zusammenhang mit früheren Begegnungen mit Schlangen und dem allgemeinen Ausmaß der Angst vor ihnen. Ein häufigerer Aufenthalt in der Natur korrelierte mit einer geringeren selbst eingeschätzten Angst.

Warum dies wichtig ist

Die Studie zeigt, dass die menschliche Reaktion auf Schlangen nicht auf eine universelle, angeborene Angst reduziert werden kann. Die Wahrnehmung ergibt sich aus dem Zusammenspiel der visuellen Merkmale des Tieres und der individuellen Erfahrung des Menschen.

Angst und Ekel erwiesen sich dabei als unterschiedliche Reaktionen. Ein Tier, das gefährlich oder unangenehm erscheint, wird nicht zwangsläufig als unattraktiv wahrgenommen. Umgekehrt schließt die ästhetische Anziehungskraft einer Schlange das Gefühl der Bedrohung nicht aus.

Die Autoren sind der Ansicht, dass ein solches Bewertungssystem aus evolutionärer Sicht nützlich gewesen sein könnte: Bei einem potenziell hohen Fehlerpreis ist es sicherer, ein harmloses Tier für gefährlich zu halten, als eine echte Bedrohung nicht zu erkennen. Dies ist jedoch eine Interpretation der Ergebnisse und kein direkter Beweis für den evolutionären Ursprung dieser Reaktion.

Es gibt noch weitere Einschränkungen. Die Studie wurde ausschließlich online unter Teilnehmern aus zwei Ländern durchgeführt, und die Bewertungen basierten auf Fotos und nicht auf Begegnungen mit lebenden Tieren. Zudem handelt es sich bei dem festgestellten Zusammenhang zwischen Naturkontakt und geringerer Angst um eine Korrelation: Die Studie belegt nicht, dass gerade der Aufenthalt in der Natur die Angst vor Schlangen verringert.

Im nächsten Schritt wollen die Forscher den Einfluss von Körperform, Schuppen, Textur und Muster separat untersuchen und mithilfe von Augenbewegungsmessungen sowie EEG-Aufzeichnungen ermitteln, in welcher Phase der visuellen Wahrnehmung die emotionale Reaktion entsteht.

Quelle

Phys.org: „Snakes’ appearances linked to how scary or appealing people find them“, 30. September 2026.

Luiz Biondi et al. „From fascination to fear and disgust: cross-cultural assessment of emotional and aesthetic responses to snake imagery“, Proceedings of the Royal Society B, 2026. DOI: 10.1098/rspb.2026.1328.

Mykola Potyka

Mykola Potyka verfügt über ein breites Spektrum an Kenntnissen und Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen. Mykola schreibt auf interessante Weise über Dinge, die ihn interessieren.

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