Archäologen haben einen Ritter mit einer schweren Schädeldeformierung gefunden - und herausgefunden, wie er lebte und starb

Kulturerbe (2025). DOI: 10.3390/itage8100414

Er hat die Kindheit vielleicht nicht überlebt, aber er wurde ein Ritter

Spanische Archäologen und Mediziner haben eine seltene und einzigartige Entdeckung bekannt gegeben: Bei einem mittelalterlichen Ritter des Ordens von Calatrava, der vor mehr als 600 Jahren in der Schlacht gefallen ist, wurde das Crouzon-Syndrom diagnostiziert - eine seltene genetische Störung, die eine schwere Deformation des Schädels verursacht.

Die ungewöhnlichen menschlichen Überreste wurden bei Ausgrabungen in der Burg von Sorita de los Canes (Provinz Guadalajara) entdeckt. Neben einem typischen Skelett eines erwachsenen Mannes fanden die Archäologen einen Schädel von extrem länglicher Form - 23 Zentimeter lang und nur 12 Zentimeter breit-, der sofort die Aufmerksamkeit der Forscher auf sich zog.

Um zu verstehen, wer dieser Mann war und wie er es schaffte, das Erwachsenenalter zu erreichen, wurde das Skelett in das Labor der Anthropologin Carme Rissek von der Universität Rovira i Virgili gebracht. Die Ergebnisse der Studie sind in der Zeitschrift Heritage veröffentlicht.

Die morphologische Analyse ergab, dass die Überreste zu einem etwa 50 Jahre alten Mann gehören, der zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert lebte. Die körperlichen Spuren an den Knochen - insbesondere am rechten Arm und an den Beinen - stimmten mit ähnlichen Merkmalen bei anderen Rittern des Calatrava-Ordens überein und deuteten auf regelmäßiges Reiten und Waffenbesitz hin.

Das wichtigste Indiz für einen Kampftod waren die Verletzungen: eine durchdringende Wunde an der Schläfe, ein Schlag auf den Hinterkopf und eine schwere Prellung am linken Schienbein. Alle Verletzungen wurden bei lebendigem Leib zugefügt und zeigten keine Anzeichen von Heilung, was typisch für tödliche Wunden im Kampf ist.

Das größte Rätsel jedoch war der Schädel selbst. Seine Form deutete auf eine schwere Form der Kraniosynostose hin, eine Erkrankung, bei der die Schädelnähte in der Kindheit vorzeitig verschmelzen und das Wachstum des Kopfes beeinträchtigen. Solche Fälle sind bei Erwachsenen extrem selten, noch viel weniger bei Berufskriegern.

Zusätzliche Schäden am Kiefer und fehlende Zähne auf der rechten Seite wiesen auf schwere Kauprobleme hin. Die Forscher vermuten, dass einige der Zähne absichtlich entfernt worden sein könnten, um das Essen zu erleichtern.

Durch eine Differentialdiagnose schloss das Team andere Syndrome mit verkürzter Lebenserwartung oder Skelettschäden aus und kam zu der wahrscheinlichsten Schlussfolgerung: Crouzon-Syndrom. Diese seltene Erbkrankheit beeinträchtigt normalerweise weder die Intelligenz noch die Langlebigkeit, was erklärt, warum dieser Mann ein Ritter werden und ein hohes Alter erreichen konnte.

Laut Karme Rissek war dieser Mann trotz seiner körperlichen Einschränkungen ein vollwertiges Mitglied des militärischen Ordens: Er ritt Pferde, kämpfte und starb, wie die Überreste zeigen, auf dem Schlachtfeld auf gleicher Augenhöhe mit anderen.

Die Forscher betonen, dass dieser Fall in der Archäologie einzigartig ist und einen seltenen Einblick in die Art und Weise bietet, wie Menschen mit schweren angeborenen Krankheiten im Mittelalter leben und am militärischen Leben teilnehmen konnten.