Depressionen bei Jugendlichen: Wissenschaftler haben herausgefunden, wann sie am einfachsten zu behandeln sind
Je früher Sie mit der Bekämpfung von Depressionen beginnen, desto höher sind die Erfolgschancen.
Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der Universität Edinburgh: Ihren Daten zufolge sind Depressionen im Jugendalter leichter zu behandeln als bei Erwachsenen. Das liegt daran, dass die Symptome bei Jugendlichen noch "mobil" und noch nicht in der Psyche verankert sind.
Lesen Sie mehr: Poppy Z. Grimes et al, Network temperature as a metric of stability in depression symptoms across adolescence, Nature Mental Health (2025). DOI: 10.1038/s44220-025-00415-5
Die Studie ist in Nature Mental Health veröffentlicht. Die Forscher analysierten Daten von mehr als 35.000 Jugendlichen und fanden heraus , dass die Symptome von Depressionen (z.B. Müdigkeit, Apathie, Traurigkeit) bei jungen Menschen instabil sind - und das ist gut so. Anders als bei Erwachsenen, bei denen solche Zustände oft feststehen und sich zu einer chronischen Form entwickeln, verändern sie sich bei Teenagern immer noch.
Wie ist das zu erklären?
Forscher haben die Psyche von Teenagern mit Molekülen der Materie verglichen: je höher die "Temperatur", desto aktiver die Bewegung der Teilchen. Ähnlich verhält es sich mit den Symptomen bei Teenagern: Sie sind "beweglich", verändern sich und sind daher leichter zu behandeln.
Mit zunehmendem Alter, so sagen Experten, nimmt dieser "Temperatur"-Effekt ab - die Symptome verfestigen sich, und die Depression wird stabiler.
Warum ist die Teenagerzeit so wichtig?
Erstens kommt es zu einer hormonellen Umstellung.
Zweitens befindet sich das Gehirn noch in der Entwicklung.
Drittens reagieren Teenager akut auf ihr soziales Umfeld: Schule, Familie, Freunde, Druck von außen.
Überraschenderweise stabilisieren sich die Symptome bei Jungen schneller als bei Mädchen. Bei Mädchen hingegen "springen" die Emotionen und Zustände länger - was etwas mehr Zeit für Unterstützung und Korrekturen lässt.
Die Schlussfolgerung ist einfach: Ein frühzeitiges Eingreifen und ein individueller Ansatz für die psychische Gesundheit von Jugendlichen können eine Schlüsselrolle dabei spielen, zu verhindern, dass Depressionen auf das Erwachsenenalter übergreifen.
Die Studie könnte auch erklären, warum die Depression mancher Erwachsener behandlungsresistent zu sein scheint - ihre Symptome sind "fest verdrahtet" und kaum noch zu ändern.
Die Autoren betonen: Es ist noch mehr Forschung nötig, aber es ist bereits klar - die Jugend ist ein Zeitfenster für genaue und rechtzeitige Hilfe.
Studienautorin Poppy Grimes, Doktorandin an der Universität von Edinburgh, sagte:
"Dies ist das erste Mal, dass wir ein solches Analysemodell verwendet haben, um zu untersuchen, wie die Symptome interagieren und sich im Laufe der Zeit entwickeln. Dies ist eine neue Art, die Psyche von Jugendlichen und möglicherweise auch Angstzustände, PTBS und andere Erkrankungen zu untersuchen."