Der Hauptnachrichtendienst warnte vor einem möglichen Vorstoß der Russischen Föderation in die Regionen Kiew und Tschernihiw nach der erneuten Mobilmachung

Generalstab der Streitkräfte der Ukraine

Nach Einschätzung des ukrainischen Geheimdienstes wird Russland nach einer neuen Mobilisierungswelle in der Lage sein, eine Angriffsgruppe in Richtung Norden aufzustellen.

Russland könnte Anfang 2027 einen neuen Vorstoß im Norden der Ukraine vorbereiten, sollte es in diesem Herbst eine neue Mobilisierungswelle durchführen. Nach Einschätzung des ukrainischen Geheimdienstes wäre das russische Kommando in einem solchen Szenario in der Lage, bis etwa Februar eine Angriffsgruppe aufzustellen. Dies erklärte der stellvertretende Leiter des Hauptnachrichtendienstes des ukrainischen Verteidigungsministeriums, Generalmajor Vadim Skibitsky, in einem Interview mit RBC-Ukraine.

Was nach der Mobilmachung geschehen könnte

Laut Skibizky hängt die Wahrscheinlichkeit eines neuen Offensivvorstoßes in erster Linie davon ab, ob sich Russland zu einer zusätzlichen Mobilmachung entschließen wird und wie viele Menschen es dafür einbeziehen kann.

Er verwies auf die Erfahrungen Russlands aus dem Jahr 2022: Die Teilmobilmachung begann in der zweiten Oktoberhälfte, und die ausgebildeten Einheiten trafen bereits im Dezember und Januar an der Front ein. Darauf basierend könnte Russland im Falle einer erneuten Mobilmachung bis Februar 2027 eine ausreichend große Angriffsgruppe aufstellen.

Skibitsky schloss nicht aus, dass eine solche Truppengruppe für Offensivoperationen aus nördlicher Richtung eingesetzt werden könnte, insbesondere in Richtung der Oblasten Kiew und Tschernihiw. Dabei merkte er an, dass das russische Kommando möglicherweise symbolische Daten berücksichtigen könnte.

Bislang gibt es keine Anzeichen für die Vorbereitung eines Vorstoßes

Gleichzeitig stellt der ukrainische Nachrichtendienst derzeit keine der für eine solche Operation erforderlichen Voraussetzungen fest. Laut Skibitzky gibt es derzeit keine nachrichtendienstlichen Anzeichen dafür, dass Russland bereits einen Vorstoß aus dem Norden vorbereitet, und es fehlt auch an der entsprechenden Truppenstärke. Daher handelt es sich hier um ein mögliches Szenario im Falle einer veränderten Lage und nicht um einen bestätigten Plan der russischen Armee.

Zudem haben die russischen Streitkräfte Probleme bei der Besetzung einzelner Einheiten. Insbesondere verläuft laut Angaben des Hauptnachrichtendienstes (GUR) die Rekrutierung von Soldaten für die russischen Drohneneinheiten deutlich schlechter als geplant.

Bis zur Durchführung einer möglichen Mobilmachung wird die russische Führung nach Ansicht des ukrainischen Geheimdienstes bestrebt sein, Erfolge an jenen Frontabschnitten zu demonstrieren, an denen sie Vorstöße erzielen kann.

Die kritische Infrastruktur bleibt weiterhin bedroht

Gleichzeitig wird Russland weiterhin Angriffe auf Einrichtungen des Rüstungskomplexes, der militärischen Infrastruktur, der Energiewirtschaft, der Logistik sowie auf Tankstellen fliegen. Besonders anfällig werden laut Skibitsky im Winter das Energiesystem und die Heizungsversorgung sein. Ebenfalls bedroht sind die Gasinfrastruktur, Gasförderanlagen in den Oblasten Poltawa und Charkiw sowie das Wasserversorgungssystem.

Ein weiteres potenzielles Ziel sind Brücken und andere wichtige Elemente der Verkehrsinfrastruktur. Der Hauptnachrichtendienst (GUR) weist darauf hin, dass russische Truppen bereits systematisch einzelne Brücken in den frontnahen Regionen angreifen.