Die altägyptische Pest stellte sich als Mythos heraus
Wissenschaftler haben die "große Plage" von Akhetaton in Frage gestellt.
Eine neue wissenschaftliche Arbeit hat einen langjährigen historischen Mythos über eine mysteriöse Epidemie widerlegt, die angeblich das Sterben der Bevölkerung und die Aufgabe der Hauptstadt von Pharao Ehnaton verursachte. Die Archäologinnen Gretchen Dabbs und Anna Stevens kamen nach der Analyse von Ausgrabungsdaten zu dem Schluss, dass die "Pest von Ehnaton" möglicherweise gar nicht existiert hat. Die Ergebnisse der Studie werden im American Journal of Archaeology veröffentlicht, berichtet Phys.org.
Woher stammt der Mythos der Epidemie
Die Stadt Echnaton (das moderne Amarna) wurde von Pharao Echnaton erbaut - einem Herrscher der XVIII. Dynastie, der das traditionelle Götterpantheon aufgab und den Kult einer einzigen Gottheit einführte - die Sonnenscheibe Aton. Die Hauptstadt bestand nur etwa 20 Jahre und wurde bald nach dem Tod des Pharaos aufgegeben. Aus diesem Grund spekulieren viele Gelehrte seit Jahrzehnten, dass die Ursache eine Epidemie gewesen sein könnte.
Die Argumente der Befürworter der "Pestversion" stützten sich ausschließlich auf Textquellen - Gebete der Hethiter über die Überschwemmung ihres Landes durch die Seuche und Briefe aus Amarna, in denen von Seuchenausbrüchen in benachbarten Regionen des Nahen Ostens die Rede war. Kein einziger antiker Text sprach jedoch direkt von einem Ausbruch der Krankheit in Akhetaton selbst.
Was die Ausgrabungen zutage brachten
Um die alte Hypothese zu überprüfen, untersuchten die Wissenschaftler:
die Demographie und den Zustand der Skelette aus den vier Friedhöfen der Stadt (mehr als 11.000 Bestattungen);
spuren von Krankheiten und Traumata auf den Überresten;
bestattungspraktiken und Sterblichkeitsraten.
Wichtigste Ergebnisse:
| Anzeichen einer Epidemie | Achaetaton Daten | Zusammenfassung |
|---|---|---|
| Chaotische Massenbestattungen | nicht gefunden | epidemie unwahrscheinlich |
| Spuren von Infektionen auf Knochen | vereinzelte Fälle von Tuberkulose | keine Hinweise auf eine Massenerkrankung |
| Plötzlicher Anstieg der Sterblichkeit | unentdeckt | die Bevölkerung starb mit einer für die damalige Zeit normalen Rate |
| Panik oder beschleunigte Beerdigungen | abwesend | bestattungen sind geordnet, mit Inventaren |
Obwohl auf einigen Friedhöfen "Doppel-" und "Gruppenbestattungen" gefunden wurden, führen Forscher diese eher auf kulturelle Praktiken als auf Massensterben zurück. Die wichtigsten Anzeichen an den Skeletten - Überarbeitung, Stress, schlechte Ernährung - deuten auf harte Lebensbedingungen hin, aber nicht auf die Pest.
Warum die Stadt doch verschwand
Die Forscher glauben, dass die Gründe für die Aufgabe der Hauptstadt politischer und religiöser Natur waren. Nach Ehnatons Tod wurden seine religiösen Reformen abgeschafft und die Stadt wurde schrittweise und geordnet aufgegeben - im Gegensatz zur Version einer plötzlichen Katastrophe.
Warum sich der Mythos so lange hielt
Nach Ansicht der Autoren des Papiers lag die Version der Pest "schön" auf dem mystischen Bild der Amarna-Ära, und sie wurde jahrelang ohne direkte Daten wiederholt.
"Dies ist einer der Fälle, in denen eine scheinbar logische Erklärung zu einer 'Tatsache' wird, nur weil sie immer wieder wiederholt wird", so die Forscher.
Die Studie ergab: Es wurden keine archäologischen Beweise für die Epidemie in Akhetaton gefunden und das Geheimnis der Stadt wird nicht durch die Medizin, sondern durch die Politik des alten Ägyptens erklärt.