Die Alterung der Bevölkerung könnte die globale Süßwasserentnahme bis 2050 um 15-31% reduzieren
Vor dem Hintergrund der zunehmenden Süßwasserknappheit könnte die Demografie eine unerwartete Rolle spielen.
Eineneue Studie in der Zeitschrift Water Resources Research kommt zu dem Schluss, dass die Alterung der Bevölkerung - sinkende Geburtenraten und steigende Lebenserwartung - den künftigen Wasserbedarf deutlich senken kann. Die Autoren schätzen, dass allein aufgrund der demografischen Entwicklung die globale Wasserentnahme bis 2050 um 15-31 Prozent sinken könnte (je nach Weltszenario).
Die Autoren stellen fest, dass die meisten Prognosen des Wasserbedarfs traditionell auf Bevölkerung, Wirtschaftswachstum und Klimarisiken beruhen, aber selten die Altersstruktur separat berücksichtigen. In der Zwischenzeit haben Analysen von Paneldaten für 168 Länder für den Zeitraum 1987-2018 eine starke statistische Beziehung gezeigt: Je höher der Anteil der älteren Menschen, desto geringer die gesamte Wasserentnahme.
In Zahlen ausgedrückt sieht der Effekt so aus: Ein Anstieg des Anteils der Bevölkerung über einem bestimmten Alter um 1% ist im Durchschnitt mit einem Rückgang der gesamten Wasserentnahme um etwa 2,17% verbunden (Koeffizientenschätzung β ≈ -0,0217). Die Forscher testeten das Muster weiter an räumlichen (Raster-)Daten für 2000-2010 und projizierten dann den Beitrag des "Alterungsfaktors" zu künftigen Veränderungen der Wassernutzung unter den Szenarien SSP1-SSP5.
Das Papier unterstreicht: Die Alterung an sich bedeutet nicht, dass man "Wasser spart", als ob jemand den Hahn zugedreht hätte. Vielmehr ändern sich die Verbrauchsgewohnheiten und die Struktur der Wirtschaft: Ältere Menschen gehen im Durchschnitt weniger wasserintensiven Tätigkeiten nach und konsumieren Güter und Dienstleistungen anders, was sich in der Nachfrage von Haushalten, Industrie und Landwirtschaft niederschlägt.
Die Studie verkennt jedoch nicht die Schwere des Wasserproblems: Wasserstress und -knappheit sind weltweit verbreitet, und der Klimawandel erhöht die Instabilität des Wasserkreislaufs. Die Autoren schlagen vor, die "demografische Linse" als weiteres Planungsinstrument zu nutzen, um die künftige Belastung der Wasserinfrastruktur besser einzuschätzen und Fehler bei Investitionen in Reservoirs, Aufbereitungsanlagen und Verteilungssysteme zu vermeiden.