Drei Gründe, warum junge Menschen anfällig für Verschwörungstheorien sind

Verschwörungstheorien sind seit langem Teil des modernen Lebens und verbreiten sich dank der sozialen Medien und politischer Krisen aktiv.

Ereignisse wie der Brexit, die US-Wahl und die COVID-19-Pandemie haben nur verdeutlicht, wie schnell solche Ideen in das öffentliche Bewusstsein eindringen. Die Folgen können gravierend sein: Der Glaube an Verschwörungen untergräbt das Vertrauen in Institutionen und demokratische Prozesse und führt manchmal zu radikalen Aktionen, wie The Conversation berichtet.

Eine aktuelle Studie von Jean-Nicolas Bordeleau und Daniel Stockemer (Universität Ottawa), die in der Zeitschrift Political Psychology veröffentlicht wurde, gibt eine unerwartet klare Antwort auf die Frage, wer am ehesten an Verschwörungstheorien glaubt. Eine Analyse von fast 200 wissenschaftlichen Arbeiten und einer internationalen Umfrage unter mehr als 6.000 Personen in sechs Ländern ergab, dass junge Menschen unter 35 Jahren eher an solche Ideen glauben als ältere Generationen. Das Alter erwies sich als wichtigerer Faktor als Bildung, Einkommen oder Geschlecht.

Warum sind junge Menschen anfällig für Verschwörungstheorien?

  1. Politische Entfremdung

Die Studie ergab, dass sich junge Menschen oft von dem politischen System, das von älteren Generationen kontrolliert wird, entfremdet fühlen. Das Fehlen junger Gesichter in der Politik führt zu Frustration und dem Gefühl, dass die Demokratie nicht für sie funktioniert. Vor diesem Hintergrund werden Verschwörungstheorien zu einer einfachen und überzeugenden Erklärung: Das System ist nicht nur ineffektiv - es wird von verborgenen Kräften gesteuert.

  1. Aktivistischer Stil der Beteiligung

Junge Menschen wählen zunehmend unkonventionelle Wege, um am öffentlichen Leben teilzunehmen: Proteste, Boykotte, Online-Kampagnen. Diese Umgebungen, vor allem im Internet, werden zum Nährboden für die Verbreitung von Verschwörungen, da sie von der "Wir-gegen-die"-Rhetorik beherrscht werden. Dieses Muster schürt leicht das Misstrauen gegenüber offiziellen Quellen und Behörden.

  1. Geringes Selbstwertgefühl

Das Niveau des Selbstwertgefühls spielt eine ebenso wichtige Rolle. Junge Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl suchen eher nach externen Ursachen für ihre Probleme und glauben eher an Verschwörungen. Für sie werden solche Erklärungen zu einer Möglichkeit, mit Gefühlen der Hilflosigkeit umzugehen. Psychologen stellen fest, dass das Selbstwertgefühl mit dem Alter zunimmt und in jungen Jahren am stärksten gefährdet ist.

Was ist zu tun?

Die Autoren der Studie sind sich sicher: Es reicht nicht aus, falsche Theorien zu widerlegen. Es ist notwendig, das Problem an der Wurzel zu packen.

  • Es ist wichtig, die Demokratie inklusiver und repräsentativer zu gestalten, damit junge Menschen ihre Stimme und ihre Perspektive in ihr sehen. Ein Beispiel dafür ist die Wahl von Senatorin Charlotte Walker im Alter von 21 Jahren, die jungen Wählern Hoffnung auf Veränderung gegeben hat.

  • Jugendlicher Aktivismus sollte nicht unterdrückt werden, sondern mit kritischem Denken und Medienkompetenz ausgestattet werden, um zwischen Wahrheit und Manipulation zu unterscheiden.

  • Ein Fokus auf die psychische Gesundheit ist ebenfalls wichtig: Unterstützung und Arbeit am Selbstwertgefühl können jungen Menschen helfen, sich selbstbewusster zu fühlen und weniger abhängig von einfachen verschwörerischen "Erklärungen" für Probleme.