Frauen erkennen Anzeichen von Krankheiten im Gesicht besser als Männer - Studie
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Frauen besser in der Lage sind, Anzeichen von Krankheiten an ihren Gesichtern zu erkennen.
Menschen erkennen oft intuitiv, wenn jemand unwohl aussieht - an blasser Haut, hängenden Augenlidern oder müdem Gesichtsausdruck. Eine neue Studie , die in der Zeitschrift Evolution and Human Behaviour veröffentlicht wurde, hat ergeben, dass Frauen diese subtilen nonverbalen Signale von Krankheit im Durchschnitt besser erkennen als Männer.
Wie die Studie durchgeführt wurde
Im Gegensatz zu früheren Studien, bei denen bearbeitete Fotos oder künstlich "kranke" Gesichter verwendet wurden, beschlossen die Wissenschaftler in der neuen Studie zu testen, ob die Menschen in der Lage sind, natürliche Anzeichen von Krankheiten zu erkennen.
An dem Experiment nahmen 280 Studenten teil - zu gleichen Teilen Männer und Frauen. Die Teilnehmer wurden gebeten, 24 Fotos zu bewerten: 12 Personen wurden sowohl in gesundem Zustand als auch während einer Krankheit aufgenommen.
Sie wurden auf sechs Dimensionen bewertet, die sich auf die Wahrnehmung des menschlichen Zustands beziehen, darunter Gefühle von Sicherheit, Gesundheit, Freundlichkeit, Wachsamkeit, soziales Engagement und Positivität. Alle Merkmale wurden auf einer Neun-Punkte-Skala bewertet.
Frauen erwiesen sich als sensibler
Die Analysen zeigten, dass Frauen im Durchschnitt genauer zwischen kranken und gesunden Gesichtern unterscheiden konnten. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern war zwar gering, aber statistisch signifikant und während der gesamten Studie stabil.
Die Wissenschaftler fassten alle Parameter zu einem Indikator zusammen - die Wahrnehmung von "Lethargie" oder Krankheit. Bei diesem integralen Attribut zeigten Frauen eine höhere Erkennungsgenauigkeit.
Mögliche evolutionäre Ursachen
Die Autoren der Studie ziehen zwei Haupthypothesen zur Erklärung der erzielten Ergebnisse in Betracht. Die erste ist die so genannte "primäre Betreuungsperson"-Hypothese. Sie besagt, dass sich Frauen im Laufe der Evolution häufiger um Säuglinge und Kinder gekümmert haben, so dass sie möglicherweise eine höhere Sensibilität für frühe Anzeichen von Krankheiten entwickelt haben.
Die zweite Hypothese hat mit der Vermeidung von Infektionen zu tun. Es wird vermutet, dass Frauen im Durchschnitt stärker auf potenzielle Infektionsquellen reagieren. Dies könnte auf Perioden physiologischer Immunsuppression zurückzuführen sein - zum Beispiel während der Schwangerschaft oder in bestimmten Phasen des Menstruationszyklus -, die den evolutionären Druck erhöhen, Gesundheitsgefahren genauer zu erkennen.
Einschränkungen der Studie
Die Forscher weisen darauf hin, dass die Stichprobe auf Studenten beschränkt war und nicht unbedingt das Verhalten der breiten Bevölkerung widerspiegelt. Darüber hinaus wurden in dem Experiment nur statische Bilder von Gesichtern bewertet - ohne Berücksichtigung von Stimme, Körperhaltung oder Bewegungen, die ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Erkennung von Krankheiten spielen können.
Dennoch betonen die Autoren, dass die Arbeit neue Beweise für geschlechtsspezifische Unterschiede in der Sensibilität für nonverbale Anzeichen von Krankheit liefert und dazu beiträgt, die Mechanismen der sozialen Wahrnehmung und des Schutzes vor Infektionen besser zu verstehen.