Giftige Meeresfische sind zu einem beliebten Gericht geworden
Die zypriotischen Fischer haben invasiven Fischen den Kampf angesagt - und sie zu einer Delikatesse für Tavernen gemacht.
Die zypriotischen Fischer fangen zunehmend nicht den üblichen Wolfsbarsch oder die Meeräsche, sondern den Rotfeuerfisch, eine gefährliche invasive Art, die sich im Mittelmeer rasch ausbreitet. Dieser exotische Fisch mit giftigen Stacheln bedroht das lokale Ökosystem und die traditionelle Fischerei, aber Zypern hat einen unerwarteten Weg gefunden, ihn zu bekämpfen: das Problem in eine gastronomische Lösung zu verwandeln, schreibt die Associated Press.
Invasive Arten verdrängen einheimische Fische
Der Flügelfisch ist im Zuge der steigenden Wassertemperaturen und der Erweiterung des Suezkanals aus dem Roten Meer ins Mittelmeer gelangt. Dieser Raubfisch hat fast keine natürlichen Feinde, so dass er aktiv einheimische Fischarten vernichtet und der Artenvielfalt einen schweren Schlag versetzt.
Laut zypriotischen Fischern sind die Fänge traditioneller Arten dramatisch zurückgegangen. Der erfahrene Fischer Fotis Gaitanos, der seit über 40 Jahren vor der Küste von Larnaca fischt, gibt zu, dass er die beliebte Meeräsche seit mehreren Jahren nicht mehr gefangen hat.
Die Situation wird durch eine weitere invasive Art, den Silberkopfsalmler, verschärft, der über kräftige, netzbrechende Kiefer und ein tödliches Gift verfügt. Diese Fische sind nicht zum Verzehr geeignet und tragen nur zu den Verlusten der Fischer bei.
Das Klima verändert das Meer - und die Wirtschaft
Die Europäische Fischereikommission stellt fest, dass sich das Mittelmeer etwa 20 Prozent schneller erwärmt als der globale Durchschnitt, was die Region besonders anfällig für die Einwanderung invasiver Arten macht.
Wissenschaftler sagen voraus, dass sich der geflügelte Fisch bis zum Ende des Jahrhunderts im gesamten Mittelmeer ausbreiten könnte. Der Fisch hat bereits das Ionische Meer erreicht, wo die italienischen Behörden die Bevölkerung bitten, jede Sichtung der Art zu melden.
Wegen des invasiven Fisches müssen die Fischer nicht nur mit einem Rückgang der Fänge rechnen, sondern auch mit steigenden Kosten für die Reparatur von Fanggeräten, die durch die aggressive Art beschädigt wurden.
Die EU zahlt für den Fang, aber das ist nicht genug
Um die Auswirkungen abzumildern, hat die EU mehrere Unterstützungsprogramme aufgelegt. Eines davon sieht eine Entschädigung für den Fang von Tetraodon vor - etwa 4,7 € pro Kilogramm-, nach der der Fisch entsorgt wird.
Außerdem gibt es das RELIONMED-Projekt, in dessen Rahmen Taucher die Flügel in Riffgebieten und Meeresschutzgebieten selektiv zerstören. Experten erkennen jedoch an, dass solche Maßnahmen das Problem nur vorübergehend eindämmen.
"Friss den Feind": der Flügelfisch als Mahlzeit
Die Fischer setzen ihre Hoffnungen auf die Popularisierung des Flügelfisches als Nahrungsmittel. Sobald die giftigen Stacheln entfernt sind, ist der Fisch völlig ungefährlich und hat, wie uns die Köche versichern, zartes und schmackhaftes Fleisch.
Seit 2021 läuft in Europa eine #TasteTheOcean-Kampagne, bei der renommierte Köche und Gastroinfluencer für die invasive Art als Alternative zu vertrauten Fischen werben. In den zypriotischen Tavernen wird der Flügelfisch nach und nach in die traditionellen Meze integriert.
Ein weiterer Pluspunkt ist der Preis: Auf den Fischmärkten von Larnaca kostet der Flügelfisch mehr als die Hälfte des beliebten Wolfsbarsches.
Stefanos Mentonis, der Besitzer einer Fischtaverne in Larnaca, stellt fest, dass viele Gäste zum ersten Mal von Flügeln hören, aber nachdem sie sie probiert haben, erkennen sie, dass sie genauso gut sind wie die üblichen Arten.
Ökologie durch Gastronomie
Nach Ansicht europäischer Beamter kann die Aufnahme invasiver Arten in den Speiseplan sowohl der Umwelt helfen als auch die Fischereiindustrie unterstützen.
"Wenn wir anfangen, Flügelfische zu essen, verwandeln wir eine Bedrohung in eine Chance - und verringern den Druck auf die marinen Ökosysteme", so die EU.