Kann ein Kind mit Asthma mit einer Katze leben: Was die Forschung zeigt
Eltern von Kindern mit Asthma stehen oft vor einer schmerzhaften Frage: Ist es in Ordnung, eine Katze zu Hause zu halten, oder erhöht sich dadurch das Risiko von Anfällen? Eine wichtige neue Studie aus Schweden zeigt, dass die bloße Tatsache, mit einer Katze zu leben, nicht mit einem schwereren Verlauf von Asthma bei Kindern mit bereits diagnostiziertem Asthma und Allergien verbunden war.
Forscher des Karolinska-Instituts und klinischer Zentren in Schweden analysierten die Daten von 30.277 Kindern im Alter von 4 bis 17 Jahren. Sie verglichen Asthma bei Kindern, die in einem Haushalt mit einer Katze lebten, mit Kindern, die keine Katze zu Hause hatten.
Ein wichtiger Vorbehalt: Dies bedeutet nicht, dass Katzen "für jeden sicher" sind oder dass ein Kind mit Allergien ein Haustier haben kann, ohne einen Arzt zu konsultieren. Bei der Studie handelt es sich um eine Beobachtungsstudie: Sie zeigt keinen erkennbaren Zusammenhang in dieser Gruppe von Kindern, beweist aber auch kein allgemeines kausales Muster.
Details
An der Studie nahmen Kinder teil, die zwischen 2006 und 2020 in Schweden geboren wurden. Alle hatten bestätigte Diagnosen von Asthma und Allergien der Atemwege. Die Wissenschaftler nutzten Daten aus nationalen Registern: medizinische Diagnosen, Anträge auf Spezialbehandlung, Verschreibungen von Medikamenten und Informationen über Katzen aus dem schwedischen nationalen Katzenregister.
Die Exposition gegenüber Katzen wurde einfach bestimmt: ob die Eltern des Kindes im Jahr 2023 mindestens eine Katze registriert hatten. Es gab 2.862 solcher Kinder, das sind 9,4 Prozent der gesamten Stichprobe. Die Kinder wurden 24 Monate lang, von 2023 bis 2024, beobachtet.
Die wichtigsten Indikatoren waren Asthma-Exazerbationen und mittelschweres bis schweres Asthma. Eine Exazerbation wurde definiert als ein Notfall oder eine ungeplante Inanspruchnahme einer spezialisierten Behandlung aufgrund von Asthma oder die häufige Verabreichung von schnell wirkenden Medikamenten. Der Schweregrad der Erkrankung wurde anhand der verschriebenen Medikamente beurteilt.
Die Ergebnisse waren in beiden Gruppen sehr ähnlich. Asthmaexazerbationen traten bei 3,3% der Kinder auf, die mit Katzen zusammenlebten, und bei 3,5% der Kinder, die keine Katzen zu Hause hatten. Mäßiges oder schweres Asthma trat bei 9,6% der Kinder in der Gruppe mit Katzen und bei 10,1% der Kinder in der Gruppe ohne Katzen auf. Nach Anpassung an Alter, Geschlecht, Ausgangsschwere des Asthmas, elterliche Allergien, sozioökonomische Faktoren und andere Parameter wurde kein signifikanter Zusammenhang zwischen Katzen und einer Verschlimmerung des Asthmas festgestellt.
Bei einem Bruchteil der Kinder - 1.428 - waren zusätzliche Daten verfügbar: ein Asthmakontrolltest und eine Spirometrie, d.h. eine Messung der Lungenfunktion. Auch hier konnten die Wissenschaftler keine Unterschiede zwischen Kindern mit und ohne Katzen feststellen. Auch spielte es keine Rolle, wie viele Katzen im Haus waren, welches Geschlecht und welches Alter sie hatten.
Eine mögliche Erklärung ist, dass Katzenallergene nicht nur in Wohnungen vorkommen, in denen Katzen leben. Sie können über die Kleidung eingeschleppt werden und sind in Schulen, Verkehrsmitteln und anderen öffentlichen Einrichtungen zu finden. Ein Kind, das keine Katze zu Hause hat, kann also trotzdem regelmäßig mit Katzenallergenen in Kontakt kommen.
Doch die Arbeit hat ihre Grenzen. Die Wissenschaftler wussten nicht, auf welche Allergene die Kinder empfindlich reagierten, sie hatten keine vollständigen Informationen über die Dauer des Katzenbesitzes und konnten nicht alle Fälle berücksichtigen, in denen eine Katze im Haushalt lebte, aber nicht in das neue nationale Register aufgenommen wurde. Darüber hinaus wurden die Ergebnisse in Schweden erzielt und sind möglicherweise nicht vollständig auf andere Länder mit anderen klimatischen Bedingungen, Wohnverhältnissen und Gewohnheiten der Haustierhalter übertragbar.
Warum es wichtig ist
Für Familien, in denen ein Kind bereits an Asthma und Allergien leidet, wird die Frage nach Haustieren oft zu einer Quelle der Besorgnis. Katzen werden oft als offensichtlicher Risikofaktor wahrgenommen, aber die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu diesem Thema waren lange Zeit widersprüchlich.
Die neue Arbeit ist wichtig, weil sie sich nicht auf eine kleine Gruppe von Patienten und nicht nur auf Elternbefragungen stützt, sondern auf große nationale Register. Sie zeigt: In dieser schwedischen Kohorte war eine Katze im Haus allein nicht mit häufigeren Anfällen, einer schwereren Behandlung oder einer schlechteren Lungenfunktion verbunden.
Die praktische Schlussfolgerung ist mit Vorsicht zu genießen. Die Studie setzt weder die individuelle Katzenallergie außer Kraft noch ersetzt sie den Rat eines Allergologen oder Kinderarztes. Bei einem bestimmten Kind kann der Kontakt mit einer Katze immer noch Symptome hervorrufen, insbesondere wenn eine Sensibilisierung auf Katzenallergene bestätigt wird.
Hintergrund
Asthma ist eine der häufigsten chronischen Krankheiten bei Kindern. Sein Verlauf hängt von vielen Faktoren ab: Vererbung, Infektionen, Luftverschmutzung, Tabakrauch, Fettleibigkeit, allergische Rhinitis, Ekzeme und andere allergische Erkrankungen.
Haustiere sind seit langem ein kontroverses Thema in der Allergologie. Einerseits können Tierhaare, Hautschuppen, Speichel und Hautpartikel Allergene enthalten und bei empfindlichen Menschen Symptome hervorrufen. Andererseits zeigen Studien nicht immer einen einfachen Zusammenhang zwischen einem Haustier zu Hause und der Verschlechterung von Asthma.
Die Autoren der neuen Studie betonen: Frühere Studien waren oft klein, selektiv oder stützten sich auf Selbstauskünfte. Eine große Stichprobe aus nationalen Registern trägt daher zur Klärung des Bildes bei, auch wenn sie nicht alle Fragen ausräumt. Es ist besonders wichtig, Kinder mit einer bestätigten Empfindlichkeit speziell gegenüber Katzenallergenen weiter zu untersuchen.
Quelle
Studie: Resthie R. Putri, Cecilia Lundholm, Anna Hedman, Mwenya Mubanga, Hanna Karim, Jon R. Konradsen, Catarina Almqvist. Katzenexposition und Asthmaergebnisse in einer Kohorte von Kindern mit Asthma und Allergie. Frontiers in Allergy, 2026.