keine Lust auf Weihnachten: Warum das so ist und wie Sie sich helfen können
Psychologische Normalität, "zeitliche Verankerung" und Mikrorituale: Wie man die Feiertage überlebt, wenn man keinen Spaß hat.
Weihnachten wird gemeinhin als eine Zeit der Wärme, der Nähe und der "obligatorischen" Freude angesehen. Doch für viele werden die Festtage zum Gegenteil - sie fühlen sich zunehmend isoliert, traurig und vergleichen sich mit anderen. Wenn Sie Weihnachten allein verbringen, einen Verlust erleiden, eine Trennung hinter sich haben oder einfach nicht in Festtagsstimmung sind, bedeutet das nicht, dass mit Ihnen "etwas nicht stimmt", schreibt Paul Jones, Autor von The Conversation.
Die wichtigste Erkenntnis: Psychologische Einsamkeit ist nicht gleichbedeutend mit physischer Einsamkeit. Sie hat nichts mit der Anzahl der Menschen um Sie herum zu tun, sondern mit einem Gefühl der Verbundenheit - und der Tatsache, dass diese Verbundenheit im Moment fehlt.
Der Autorin zufolge werden im Dezember oft Erinnerungen wach - an Menschen, die nicht mehr da sind, und an "die alte Version von uns selbst". Psychologen nennen dieses Phänomen "zeitliche Verankerung": Die Jahreszeit wird zu einem Bezugspunkt, der uns in die Vergangenheit zurückbringt und uns zwingt, ein Resümee zu ziehen, manchmal sehr schmerzhaft. Vor diesem Hintergrund wird der Kontrast zur kulturellen Erwartung von Freude und Dankbarkeit noch verstärkt: Es ist, als ob nicht nur die Girlanden "glänzen" müssten, sondern auch wir selbst.
Menschen können in Zeiten der Veränderung besonders verletzlich sein: nach einer Trennung, einem Umzug, einer Entlassung oder einer medizinischen Diagnose. Eine weitere Risikogruppe sind diejenigen, die schwierige Erfahrungen in der Familie, mit Verlust oder Traumata gemacht haben: "erzwungene Fröhlichkeit" kann sich unerträglich anfühlen.
Was mit dem Körper geschieht
Der Autor erinnert uns daran: Studien haben chronische Einsamkeit mit erhöhten Stresshormonen (z.B. Cortisol), einer geschwächten Immunfunktion und kardiovaskulären Risiken in Verbindung gebracht. Der Sozialneurowissenschaftler John Cacioppo beschrieb Einsamkeit als "biologisches Warnsystem": ein Signal, dass ein grundlegendes Bedürfnis nach Verbindung nicht erfüllt wird.
Das heißt, Einsamkeit ist eine normale menschliche Reaktion auf die Kluft zwischen der Art von Sozialität, die wir uns wünschen, und dem, was tatsächlich vorhanden ist. Mit Hilfe der Theorie der "Selbsterweiterung" lässt sich dies folgendermaßen erklären: Wenn eine Lücke zwischen "meinem wahren Ich" und "dem, wie ich sein sollte" (einschließlich "an Weihnachten glücklich sein sollte") besteht, entsteht emotionaler Schmerz. Die Feiertage vergrößern diese Kluft nur noch weiter.
Einsamkeit als Wahl ist nicht der Feind
Ein wichtiger Hinweis: An Weihnachten allein zu sein, ist nicht unbedingt etwas Schlechtes. Für manche ist es eine Chance für Ruhe, Erholung und einen 'Reset'. Wenn Sie sich selbst unterstützen, kann es darum gehen, sich bewusst für Autonomie zu entscheiden - sich dafür zu entscheiden, den Tag so zu leben, wie es Ihnen passt, und nicht so, wie Sie es "sollten".
Was helfen kann
Die Autorin empfiehlt, die Einsamkeit nicht mit einer To-Do-Liste zu "reparieren", sondern sich auf Ihre Bedürfnisse einzustellen. Eine der Übungen:
Geben Sie sich die Erlaubnis, zu fühlen. Einsamkeit ist schmerzhaft - und sie kann laut ausgesprochen werden. Wenn Sie sie unterdrücken, wird die Spannung nur noch größer.
Schaffen Sie Mikro-Rituale. Tee "wie früher", ein Film, eine Kerze in Erinnerung an einen geliebten Menschen, ein kurzer Spaziergang - kleine Handlungen geben Struktur und Bedeutung.
Definieren Sie Verbindung neu. Intimität ist nicht nur eine Frage der Menge. Manchmal genügt eine SMS, ein kurzer Anruf oder ein stiller Online-Kontakt.
Nehmen Sie den Druck des 'perfekten Urlaubs' weg. Tun Sie das, was Sie unterstützt, nicht das, was in den sozialen Medien "richtig" aussieht.
Finden Sie Ihr Weihnachtsformat. Ein Pyjama-Tag, ein Solo-Ausflug, ein Gespräch mit einer Person Ihres Vertrauens - es gibt kein "richtiges" Szenario.
Fazit des Autors: Wenn Sie sich an den Feiertagen "aus dem Rhythmus" gebracht fühlen, ist das keine Panne, sondern eine Erkenntnis. Manchmal ist die wichtigste Verbindung, die an Tagen wie diesen wiederhergestellt werden kann, die Verbindung zu sich selbst.