Koala als Verwandter des alten australischen Riesenraubtiers entdeckt

Universität von Manchester

Ein verschlafener Koala und ein furchterregendes Eiszeit-Raubtier haben scheinbar wenig gemeinsam.

Wissenschaftler haben jedoch zum ersten Mal den molekularen Beweis erbracht, dass diese Tiere viel enger miteinander verwandt sind als bisher angenommen. Die Studie wurde in der Zeitschrift Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences veröffentlicht.

Ein internationales Team unter der Leitung von Dr. Michael Buckley von der University of Manchester analysierte 51 versteinerte Beuteltierknochen, die in Höhlen und Sümpfen in Tasmanien, einem der letzten Refugien der australischen Riesenfauna, gefunden wurden. Mit Hilfe der fortschrittlichen Technik der Zooarchäologie durch Massenspektrometrie (ZooMS), oder "Kollagen-Fingerprinting", konnten die Forscher Proben untersuchen, die mehr als 100.000 Jahre alt sind - also viel älter als die Grenze, ab der analysierbare DNA normalerweise extrahiert werden kann.

Buckley zufolge zerstört das heiße Klima Australiens alte DNA, weshalb es lange Zeit schwierig war, genaue evolutionäre Verbindungen zwischen ausgestorbenen und modernen Arten herzustellen. Kollagen, das Protein, aus dem unter anderem das Knochengewebe besteht, ist viel widerstandsfähiger. Seine Fragmente sind in stark fragmentierten und sehr alten Knochen erhalten, so dass es nicht nur möglich ist, die Identität der Arten zu bestimmen, sondern auch Verwandtschaftsbeziehungen zwischen ausgestorbenen und lebenden Beuteltieren zu rekonstruieren.

Das unerwartetste Ergebnis war die Entdeckung einer engen Verwandtschaft zwischen dem Koala und dem sogenannten Beuteltierlöwen, einem der größten Raubsäugetiere, die jemals in Australien lebten. Kollagenanalysen haben gezeigt, dass diese beiden sehr unterschiedlich aussehenden Tiere vor etwa 25-35 Millionen Jahren einen gemeinsamen Vorfahren hatten. Damit liegen ihre evolutionären Abstammungslinien viel näher beieinander als bisher angenommen.

Die Arbeit lieferte auch neue biomolekulare Daten über zwei andere ausgestorbene Arten, Zygomaturus trilobus und Palorchestes azael. Der Vergleich ihrer Kollagensequenzen bestätigte, dass beide zu der größeren Familie der Wombats und Koalas, Vombatiformes, gehören.

Die Ergebnisse sind nicht nur wichtig für die Klärung des Stammbaums, sondern auch für das Verständnis eines der größten Rätsel der australischen Vorgeschichte - das Aussterben der kontinentalen Megafauna. Im späten Pleistozän verlor Australien fast 90 Prozent seiner großen Landtiere. Wissenschaftler streiten immer noch darüber, ob der Klimawandel, die Ankunft des Menschen oder eine Kombination aus beidem eine entscheidende Rolle spielte.

Die ZooMS-Technologie ermöglicht es, die Artzugehörigkeit selbst von winzigen Knochenfragmenten zu bestimmen, die bisher keiner Art zugeordnet werden konnten. Dies hilft dabei, den Zeitpunkt des Aussterbens der Megafauna und die Zeiträume ihrer Koexistenz mit dem Menschen zu klären.

"ZooMS ermöglicht die schnelle Analyse von Tausenden von fossilen Proben", so Buckley. - Das könnte ein Durchbruch bei der Erforschung ausgestorbener Arten sein: Wir können Funde genauer identifizieren, die Chronologie des Aussterbens verbessern und die alte Artenvielfalt besser verstehen".