Neurowissenschaftler haben die Eigenheiten des Denkens von Pessimisten und Optimisten aufgedeckt

Optimisten denken gleich und Pessimisten denken anders: Neurobiologen haben die Besonderheiten der Gehirnfunktion aufgedeckt.

Ein Forscherteam der Universität Kobe fand heraus, dass Optimisten die Zukunft auf ähnliche Weise wahrnehmen, während die Gehirne von Pessimisten viel mehr Individualität aufweisen.

Diese Entdeckung könnte erklären, warum Optimisten als geselliger gelten: Sie "sehen" die Zukunft buchstäblich auf dieselbe Weise, was die Kommunikation erleichtert.

Die Studie wurde von einem interdisziplinären Team unter der Leitung des Psychologen Kuniaki Yanagisawa durchgeführt.

Details: Yanagisawa, Kuniaki, Optimistic people are all alike: Shared neural representations supporting episodic future thinking among optimistic individuals, Proceedings of the National Academy of Sciences(2025). DOI: 10.1073/pnas.2511101122. doi.org/10.1073/pnas.2511101122

"Optimisten sind tendenziell zufriedener mit ihren sozialen Bindungen und haben größere soziale Netzwerke", erklärt Yanagisawa. - Wissenschaftler haben schon früher beobachtet, dass die Gehirne von Menschen, die im Zentrum sozialer Gruppen stehen, auf verschiedene Reize in ähnlicher Weise reagieren. Wir stellten die Hypothese auf, dass Menschen mit einer ähnlichen Einstellung zur Zukunft auch buchstäblich auf der Ebene des Gehirns ähnlich denken."

Um diese Hypothese zu testen, rekrutierten die Forscher 87 Freiwillige mit unterschiedlichen Einstellungen zum Leben, die von ausgeprägten Optimisten bis zu absoluten Pessimisten reichten. Die Teilnehmer wurden gebeten, sich verschiedene Ereignisse vorzustellen, die in der Zukunft eintreten könnten. Während sie die Aufgaben erfüllten, wurde ihre Gehirnaktivität mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRI) aufgezeichnet.

Die Ergebnisse der Experimente, die in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht wurden, bestätigten die Erwartungen der Wissenschaftler. Bei Optimisten erwiesen sich die Muster der neuronalen Aktivität beim Nachdenken über die Zukunft als sehr ähnlich, während bei Pessimisten im Gegenteil eine große Vielfalt zu beobachten war.

Die Autoren der Studie merken an:"Alle Optimisten sind einander ähnlich, während sich jeder Pessimist die Zukunft anders vorstellt."

"Das Überraschendste an unserer Studie ist, dass der abstrakte Begriff des 'ähnlichen Denkens' eine buchstäbliche visuelle Verkörperung in Form von ähnlichen Mustern neuronaler Aktivität gefunden hat", stellt Yanagisawa fest.

Die Forscher fanden auch heraus, dass Optimisten auf der Ebene der neuronalen Reaktionen viel deutlicher zwischen positiven und negativen Zukunftsszenarien unterschieden.

"Das bedeutet, dass Optimismus nicht mit einer positiven Neubewertung negativer Ereignisse einhergeht. Vielmehr verarbeiten Optimisten negative Situationen auf eine abstraktere und distanziertere Art und Weise und verringern dadurch deren emotionale Auswirkungen", betont der Wissenschaftler.

Nach Ansicht der Autoren der Studie ist es nun wichtig zu verstehen, wie genau diese "allgemeine Sicht" der Optimisten auf die Zukunft entsteht: ob sie angeboren ist oder mit der Erfahrung erworben wird, zum Beispiel im Prozess der Kommunikation und Sozialisation.

"Das Gefühl, dass wir mit jemandem 'auf einer Wellenlänge' sind, ist nicht nur eine Metapher", sagt Yanagisawa. - Die Gehirne der Optimisten teilen buchstäblich eine gemeinsame Vision der Zukunft. Aber das wirft auch neue Fragen auf. Wir müssen noch verstehen, was genau diesen gemeinsamen Mechanismus prägt und ob es möglich ist, ihn im Laufe des Lebens zu ändern."

Das ultimative Ziel der Forschung von Yanagisawa und seinem Team ist es zu verstehen, warum Menschen Einsamkeit erleben und wie genau die Kommunikation zwischen Menschen verbessert werden kann.

"Ich glaube, dass die Untersuchung, wie diese gemeinsame Wahrnehmung der Realität entsteht, uns helfen wird, eine Gesellschaft aufzubauen, in der sich die Menschen viel besser verstehen können", so der Psychologe abschließend.