Paläontologen haben versteinerte Fische mit abgetrennten Köpfen und intakten Eingeweiden gefunden
Ungewöhnliche Funde aus spätjurassischen Sedimenten in Deutschland haben einen Blick auf zwei Ebenen der antiken Nahrungskette gleichzeitig ermöglicht.
Paläontologen haben in den Schiefergesteinen des Solnhofener Archipels (Bayern) enthauptete Schädel des Raubfisches Aspidorhynchus entdeckt, an denen der Magen-Darm-Trakt noch befestigt ist. Diese seltenen Fossilien haben uns geholfen zu verstehen, wen die alten Raubfische jagten - und wie sie selbst zur Beute wurden. Dies berichtet Phys.org mit Verweis auf die Zeitschrift Fossil Record.
Raubtier mit einem "Speer" statt einer Schnauze
Aspidorhynchus lebte in den tropischen Lagunen von Solnhofen am Ende der Jurazeit und war einer der wichtigsten Räuber der lokalen Ichthyofauna - er machte etwa 4 Prozent aller Fischfunde aus. Er wurde bis zu 1 m lang und zeichnete sich durch einen langen, speerförmigen Oberkiefer aus, der an moderne Marline oder Schwertfische erinnerte. Aufgrund seines Körperbaus und seiner Flossen glauben die Forscher, dass er ein aktives Raubtier war, das auf der Pirsch war.
Bisher konnte sein Mageninhalt nur in ganzen Skeletten untersucht werden, die unter einem dicken Panzer aus Ganoidenschuppen verborgen waren. In der neuen Arbeit untersuchten Martin Ebert und Martina Kölb-Ebert 343 Exemplare von Aspidorhynchus und fanden heraus, dass bei etwa 16 Prozent der Individuen die Köpfe vollständig vom Körper getrennt waren, wobei sich eine ganze "Spur" von Eingeweiden bis zum Schädel erstreckte.
Solche "abgetrennten Köpfe mit Eingeweiden" entpuppten sich als einzigartiges "Fenster" in die Ernährung eines uralten Raubtiers: Der Körper verhindert nicht, dass sich die Überreste der Beute im Magen und in den Eingeweiden befinden.
Was in den Mägen von Aspidorhynchus gefunden wurde
Analysen haben gezeigt, dass die Hauptbeute von Aspidorhynchus kleine Knochenfische waren - junge Rabenvögel (Familie Orthogonicleithridae), die das Raubtier, ihrer Größe nach zu urteilen, leicht im Ganzen schlucken konnte. Es gibt Hinweise darauf, dass diese Fische möglicherweise in Rudeln gehalten wurden, und der lange Oberkiefer von Aspidorhynchus ermöglichte es ihm, sie auf ähnliche Weise zu jagen, wie es moderne Schwertfische tun.
Einzelne Exemplare weisen jedoch auf größere Beute hin. Ein etwa 56 cm langes Individuum (Exemplar GZG.RF.999) verschlang zum Beispiel einen 16 cm langen Allothrissops-Fisch - sehr groß im Verhältnis zur Größe des Raubtiers.
Es gab auch einige recht ungewöhnliche Funde. In einem Fall wurde festgestellt, dass Aspidorhynchus einen kleinen Ganoiden-Schuppenfisch im Maul stecken hatte (Exemplar GZG.RF.998). Eine solche Position, so die Forscher, könnte den Fisch daran gehindert haben, richtig Wasser durch seine Kiemen zu leiten und ihn tatsächlich zum "Ersticken" gebracht haben - eine Situation, die zwar selten, aber auch bei modernen Fischen bekannt ist, wenn die Beute zu groß ist.
In einer anderen Probe wurde das Krustentier Knebelia schuberti im Magen von Aspidorhynchus gefunden. Krebstiere gelten nicht als typischer Bestandteil der Ernährung dieses Raubtiers, und die Wissenschaftler sind sich noch nicht sicher, ob es sich um einen versehentlichen Fang oder eine gelegentliche Änderung des Speiseplans handelte.
Wie die Jäger selbst zur Beute wurden
Ebenso interessant ist die Tatsache, dass diese Fische geköpft wurden. Die Autoren der Arbeit vermuten, dass Aspidorhynchus Opfer größerer Raubtiere wurde - sogenannter "Grabber-Räuber", die die Beute nicht ganz verschlucken, sondern sie am Schwanz packen, schütteln, den Kopf abbeißen und dann den nahrhafteren und weicheren Körper fressen.
Diese Art der Nahrungsaufnahme erklärt gut, warum man in Schiefergestein Schädel mit angehängten Eingeweiden findet: Die Wirbelsäule wurde an einer Schwachstelle an der Verbindung von Kopf und Rumpf zerrissen, und die Eingeweide wurden zusammen mit dem Schädel herausgerissen.
Die Verwundbarkeit wurde durch die Besonderheiten der Struktur von Aspidorhynchus noch verstärkt: unvollständig verknöcherte Wirbelzentren schufen ein "schwaches Glied" zwischen Schädel und Körper, wodurch es leichter war, den Kopf bei scharfem Greifen und Schütteln abzutrennen.
Laut Martin Ebert gab es im Solnhofener Ökosystem Raubtiere, die groß genug waren, um einen meterlangen Fisch problemlos zu bewältigen:
ichthyosaurier von 2-4 Metern Länge,
salzwasserkrokodile,
noch größere Plesiosaurier, Pliosaurier Pliosaurier.
Wahrscheinlich waren sie die "Jäger der Jäger" und hinterließen enthauptete Schädel mit erhaltenen Innereien.
Ein einzigartiges "Fenster" in das jurassische Ökosystem
Die Studie klärt nicht nur die Ernährung und das Verhalten von Aspidorhynchus, sondern zeigt auch die außergewöhnlichen Erhaltungsbedingungen der Fossilien im Solnhofener Archipel. Nicht nur Knochen, sondern auch Weichteile und manchmal seltene Kombinationen wie der Schädel eines Raubfisches mit einem ganzen Darm und den Überresten seiner letzten Beute sind hier zu finden.