Studie zeigt, wie der Reichtum eines Landes das Glücksempfinden beeinflusst
Glück, Wahlfreiheit und der Reichtum von Ländern sind komplexer miteinander verbunden als gedacht
Das Gefühl der Kontrolle über das eigene Leben - die Autonomie - spielt eine Schlüsselrolle für das Glücksniveau der Menschen auf der ganzen Welt. Wie stark diese Verbindung ist, hängt jedoch von der wirtschaftlichen Entwicklung und den kulturellen Werten eines Landes ab.
Zu diesem Schluss kommen Forscher der Aalto-Universität in Finnland. Die Arbeit wurde in der Zeitschrift Social Indicators Research veröffentlicht.
Wissenschaftler haben schon lange erkannt, dass Autonomie - die Fähigkeit, eigene Entscheidungen zu treffen und das eigene Leben zu beeinflussen - wichtig für das menschliche Wohlbefinden ist. Aber es gab eine Kontroverse darüber, ob dieses Bedürfnis universell ist oder ob es nur in wohlhabenden und individualistischen Gesellschaften besonders wichtig ist. Eine neue Studie zeigt, dass beide Seiten Recht haben.
Die Analyse der Daten von fast 100.000 Menschen aus 66 Ländern, die im Rahmen des World Values Survey von 2017 bis 2023 erhoben wurden, ergab, dass Autonomie in allen Kulturen mit einem hohen Maß an Glück und Lebenszufriedenheit verbunden ist. In wohlhabenderen und individualistischeren Ländern ist der Zusammenhang jedoch viel ausgeprägter.
Die Forscher verwendeten die Antworten der Befragten auf Fragen zu Glück und Lebenszufriedenheit als Maß für das Wohlbefinden. Die Autonomie wurde anhand des Ausmaßes gemessen, in dem die Menschen das Gefühl haben, dass sie die freie Wahl und die Kontrolle über den Verlauf ihres Lebens haben. Die wirtschaftliche Entwicklung der Länder wurde anhand des Pro-Kopf-BIP gemessen, wobei die Kaufkraftparität berücksichtigt wurde.
Zur Bewertung der kulturellen Unterschiede wandte das Team den Global Collectivism Index an, einen relativ neuen Index, der auf beobachtbaren Verhaltensfaktoren wie dem Zusammenleben oder der Nutzung gemeinsamer Verkehrsmittel basiert. Den Autoren zufolge kann der Index kollektivistische und individualistische Gesellschaften genauer voneinander trennen als bisher verwendete Methoden.
Die Ergebnisse zeigen, dass in armen Ländern ein höherer Lebensstandard und eine gerechtere Einkommensverteilung einen stärkeren Einfluss auf das Wohlbefinden der Menschen haben als eine größere Autonomie. Mit fortschreitender wirtschaftlicher Entwicklung wird jedoch die Rolle der persönlichen Freiheit und der Kontrolle über das Leben immer wichtiger.
Die Autoren betonen, dass es bei der Autonomie nicht nur um politische Rechte oder die Abwesenheit von staatlichem Druck geht. Sie hängt auch von den Arbeitsbedingungen, den sozialen Einrichtungen und dem Ausmaß ab, in dem die Menschen im Alltag Entscheidungen treffen können.
Den Forschern zufolge können die Ergebnisse den Behörden dabei helfen, politische Maßnahmen zur Verbesserung des Wohlbefindens präziser zu gestalten und dabei sowohl das Niveau der wirtschaftlichen Entwicklung als auch die kulturellen Merkmale der Gesellschaft zu berücksichtigen.