Unter einem Feld in England verbarg sich eine prächtige Villa aus der Zeit des Römischen Reiches

Im zentralen Medaillon des Mosaiks ist eine Blume mit sich überlappenden Blütenblättern abgebildet. Bildnachweis: Universität Exeter.

Unter einem Acker im Südwesten Englands haben Archäologen die Überreste einer prächtigen römischen Villa freigelegt. In dem Gebäude ist ein farbiges Mosaik mit einer Fläche von etwa 12 Quadratmetern erhalten geblieben, und daneben befand sich ein eigener Badekomplex mit Badezimmern und bemalten Wänden.

Ein Silberlöffel, Schmuck, kostbares Geschirr und ein geschnitzter Ringintarsien mit der Darstellung der Göttin Victoria deuten darauf hin, dass die Besitzer des Anwesens wohlhabend waren und eine hohe gesellschaftliche Stellung innehatten.

Die Existenz der Villa war bereits zuvor bekannt, doch die zweimonatigen Ausgrabungen haben erstmals ihre tatsächliche Größe offenbart. Es stellte sich heraus, dass das Gebäude mehrfach erweitert worden war und seine Bewohner selbst am entlegenen westlichen Rand des Reiches den für die römische Elite üblichen Lebensstil pflegten.

Details

Die Villa befindet sich zwischen den Dörfern Halberton und Sampford-Peverell in der englischen Grafschaft Devon. Die Ausgrabungen wurden von Fachleuten der Universität Exeter und der Organisation Cotswold Archaeology unter Mitwirkung von Studierenden und lokalen Freiwilligen durchgeführt.

Ursprünglich handelte es sich bei dem Haus um ein vergleichsweise bescheidenes, rechteckiges Gebäude. Im Laufe der Zeit fügten die Eigentümer an der Nord- und Südseite zusätzliche Räume an, gestalteten den Eingang um und erweiterten den Wirtschaftsbereich.

Hinter dem Hauptgebäude fanden die Archäologen Mauern und einen Graben zur Ableitung von Regenwasser. Vermutlich befanden sich hier Küchen oder Vorratsräume. Spuren einer Holztreppe lassen vermuten, dass ein Teil der Villa über ein zweites Stockwerk verfügt haben könnte.

In der Nähe wurden zwei weitere Steinbauten entdeckt. Bei dem einen handelte es sich um einen Badeanlagekomplex, der andere könnte als Scheune, Werkstatt oder Wirtschaftsraum gedient haben. Darin wurden zahlreiche Tierknochen sowie bearbeitete Fragmente von Hirschgeweihen gefunden.

Ein Mosaik aus Tausenden von Steinchen

Der wichtigste Fund war ein vielfarbiges Mosaik, das vermutlich den Speisesaal oder einen Empfangsraum schmückte. Es könnte im 4. Jahrhundert n. Chr. verlegt worden sein.

Der etwa 12 Quadratmeter große Boden bestand aus Tausenden kleiner Steinwürfel – sogenannten Tesserae. Die Größe jedes einzelnen betrug etwa 12 Millimeter. Die Handwerker verwendeten rote, weiße und dunkle blau-graue Elemente.

In der Mitte der Komposition befindet sich ein rundes Medaillon mit einer stilisierten Blume. Ihre acht langgestreckten Blütenblätter überlappen sich teilweise. Um diese herum sind ineinander verschlungene Quadrate und ein Muster aus gewundenen Linien angeordnet, das an ein Seil erinnert.

An den Rändern des Raumes wurden größere und gröbere Stücke aus hellem Kalkstein verwendet. Vermutlich sollten diese Bereiche einer stärkeren Beanspruchung standhalten.

Das Mosaik ist nicht vollständig erhalten geblieben: Ein Teil der Elemente wurde durch landwirtschaftliche Arbeiten verschoben und gelangte in die oberen Bodenschichten. Experten heben die erhaltenen Fragmente vorsichtig aus dem Boden, um sie zu konservieren und später im Museum für das Leben im mittleren Devon in Tiverton auszustellen.

Archäologen bezeichnen es als das westlichste farbige Mosaik, das auf dem Gelände einer römischen Villa in Britannien gefunden wurde.

Eigene Badeanlagen und bemalte Wände

Eine unerwartete Entdeckung war ein separater Badeanlagekomplex. Darin wurden mindestens zwei große Becken gefunden, die von den Archäologen als Tauchbäder angesehen werden.

Ihre Wände bestanden aus Opus signinum – einem wasserfesten römischen Mörtel mit zerkleinerten Keramikstücken. Dieses Material wurde beim Bau von Becken, Zisternen und Bädern verwendet. Im Gebäude sind zudem Fragmente von bemaltem Putz erhalten geblieben.

Der private Badekomplex erforderte erhebliche Kosten für Bau, Wasserversorgung und Unterhalt. Zusammen mit dem Mosaik gilt er als eines der wichtigsten Zeugnisse für den hohen sozialen Status der Villenbesitzer.

Schmuck und kostbares Geschirr

Unter den gefundenen Gegenständen sticht eine Intalie hervor – ein kleiner, geschnitzter Einsatz aus blauem Glas mit der Darstellung der römischen Siegesgöttin Victoria. Ursprünglich war sie in einen Ring eingefasst, mit dem der Besitzer Siegelabdrücke in Wachs anbringen konnte.

Auf der Oberfläche des Mosaiks lag ein schmales Armband aus einer Kupferlegierung. In einem der Räume entdeckten die Archäologen einen eleganten Silberlöffel.

Ebenfalls gefunden wurden ein Becher aus dem späten 3. oder 4. Jahrhundert, ein riesiges Gefäß zur Aufbewahrung von Lebensmitteln sowie ein Fragment kostbarer rotlasierter Keramik mit einem Ausguss in Form eines Löwenkopfes. Ein Stück Feuerstein diente vermutlich als Palette oder Mörser zum Mischen von Farben oder Kosmetika.

Für sich genommen lassen diese Gegenstände keine Rückschlüsse auf die Identität der Bewohner zu. Zusammen mit dem Mosaik und den Badeanlagen zeigen sie jedoch, dass die Bewohner der Villa wohlhabend waren und mit den römischen Bräuchen bestens vertraut waren.

Warum dies wichtig ist

Prächtige römische Villen sind im Südwesten Englands selten anzutreffen. Die meisten derartigen Anwesen befanden sich in dichter besiedelten und wohlhabenderen Regionen des römischen Britanniens.

Der Fund in Devon zeigt, dass die römische Kultur deutlich weiter nach Westen vorgedrungen war, als es die Anzahl der bekannten Denkmäler vermuten lässt. Die lokale Elite benutzte importiertes Geschirr, trug Schmuck im römischen Stil, empfing Gäste in einem Raum mit Mosaikboden und nutzte eigene Badeanlagen.

Die Ausgrabungen werden Aufschluss darüber geben, wie die Bewohner entlegener britischer Regionen römische Gewohnheiten übernahmen und diese mit ihrer lokalen Lebensweise verbanden.

Hintergrund

Die Spuren des Komplexes wurden erstmals im Jahr 2004 vom Metalldetektoren-Sucher John Hill entdeckt. Später fanden lokale archäologische Vereine auf dem Feld römische Münzen, Keramik, Dachziegel und einzelne Mosaikteile.

Geophysikalische Untersuchungen bestätigten, dass sich unter der Erde Gebäude und Umfriedungen befinden. Bei kleineren Ausgrabungen konnte ein Teil des Mosaikbodens freigelegt werden, doch der vollständige Grundriss der Villa blieb unbekannt.

Die derzeitigen Arbeiten finden im Rahmen des Projekts SHARE – „Saving Halberton’s Ancient Roman Environment“ – statt. Ziel des Projekts ist es, den Komplex, der durch weitere Bodenbearbeitung bedroht ist, zu erforschen und zu erhalten.

Dies ist die erste von drei geplanten Ausgrabungssaisons. In den kommenden Jahren beabsichtigen die Archäologen, die Wirtschaftsanlagen rund um die Villa sowie die angrenzenden Grundstücke zu untersuchen, weshalb die endgültigen Ausmaße des gesamten Anwesens bislang noch nicht bekannt sind.

Quelle

Die Ausgrabungen werden von der Archäologin Susan Greeny von der Universität Exeter gemeinsam mit Fachleuten von Cotswold Archaeology geleitet. An den Arbeiten waren 65 Studierende, professionelle Archäologen und Dutzende lokaler Freiwilliger beteiligt. Projektpartner sind zudem der Grafschaftsrat von Devon, die Tiverton Archaeological Group und die Sampford-Peverell Society.

Die Ergebnisse wurden in einer offiziellen Mitteilung der Universität Exeter vorgestellt. Ein separater, von Fachkollegen begutachteter wissenschaftlicher Artikel zu den Ergebnissen der Ausgrabungen wurde bislang noch nicht veröffentlicht.