Vergessener Wald entpuppt sich als das letzte Paradies für bedrohte Tiger

Figel et al. 2025, BKSDA-Aceh, DLHK

Die Zerstörung des Lebensraums, die Wilderei und der Rückgang der Beutetiere haben das Verbreitungsgebiet der Tiger weltweit dramatisch eingeengt: Sie bewohnen nur noch 5-10 Prozent ihres historischen Verbreitungsgebiets.

Auf der indonesischen Insel Sumatra befindet sich eine wichtige Population des vom Aussterben bedrohten Sumatra-Tigers jedoch noch in relativ guter Verfassung. Das zeigt eine neue Studie , die in der Zeitschrift Frontiers in Conservation Science veröffentlicht wurde.

Mithilfe eines Netzwerks von Infrarotkameras haben die Wissenschaftler die Geschlechts- und Altersstruktur und die Dichte der Tiger sowie ihre Bewegungen in drei separaten Beobachtungsphasen untersucht.

"Wir haben eine stabile Tigerpopulation dokumentiert, offenbar eine der gesündesten auf der Insel", sagt der Leiter der Studie, der Naturschutzbiologe Joe Figel, der mit indonesischen Naturschutz- und Forstbehörden zusammenarbeitet. "Unsere Aufgabe vor Ort besteht nun darin, unsere Anstrengungen zu verdoppeln und sicherzustellen, dass diese Tiere angemessen geschützt werden", fügt er hinzu.

Das Leuser-Ökosystem ist in vielerlei Hinsicht ein idealer Lebensraum für Sumatra-Tiger. Es ist etwa dreimal so groß wie der Yellowstone-Nationalpark und gilt als das größte zusammenhängende Waldgebiet, das den Tigern in Sumatra noch zur Verfügung steht. Es gibt Tiefland-, Vorgebirgs- und Bergwälder, wobei etwa 44 Prozent des Gebietes als "intakte Waldlandschaft" eingestuft werden.

"Außerdem wird dieses Gebiet von Rangern gründlicher überwacht als die meisten anderen Gebiete der Insel", erklärt Figel.

Gemeinsam mit Einheimischen, die am Rande des Untersuchungsgebiets leben, stellte das Team im nördlichen Leuser, in der Provinz Aceh, Kamerafallen auf. In der ersten Serie - von März bis Mai 2023 - wurden 34 Kameras aufgestellt, in der zweiten - von Juni bis Dezember 2023 - 59 Kameras, und in der dritten - von Mai bis November 2024 - bereits 74 Geräte.

Fiegel betont, dass die mehrjährige Überwachung mit Kamerafallen entscheidend ist, um die wichtigsten demografischen Daten der Populationen zu bewerten: Überleben, Rekrutierung, 'Besitzverhältnisse' der Parzellen und Wachstumsraten.

"Nur wenn wir uns auf solche Daten stützen, können wir die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen wirklich beurteilen", sagt der Forscher.

Während des Überwachungszeitraums haben die Kameras 282 Bilder von Sumatra-Tigern aufgenommen, die scharf genug waren, um individuell identifiziert zu werden. Anhand des einzigartigen Bindenmusters konnten die Wissenschaftler 27 Individuen identifizieren: 14 Weibchen, 12 Männchen und einen Tiger unbestimmten Geschlechts.

Die relativ hohe Zahl der Tiere deutet auf eine ausreichende Anzahl von Beutetieren hin, die für ihre Existenz notwendig sind. Im Durchschnitt wurde jedes Weibchen während des Untersuchungszeitraums etwa 14 Mal gefangen, jedes Männchen etwa 16 Mal. Die hohe Dichte an Weibchen deutet auf eine "gesunde" Sozialstruktur und gute Lebensräume hin, in denen Tigerinnen in einem Jahrzehnt etwa drei Würfe aufziehen können.

Während der sechsmonatigen Untersuchung im Jahr 2023 wurden drei verschiedene Bruten von Tigerjungen dokumentiert. Zwei Brüder, die zunächst zusammen als Jungtiere gefangen wurden, wurden später als Erwachsene getrennt dokumentiert.

Innerhalb des Leuser-Ökosystems liegt der Gunung Leuser-Nationalpark, aber die aktuelle Studie wurde in Wäldern durchgeführt, die unter dem Schutz der Provinzregierung von Aceh stehen. Solche Gebiete erhalten deutlich weniger Ressourcen als zentral finanzierte Nationalparks.

Umso aufschlussreicher sind die Ergebnisse: Die von Figel und seinen Kollegen installierten Kameras fingen während des Beobachtungszeitraums fast dreimal so viele Bilder von Tigern ein wie frühere 90-tägige Untersuchungen in anderen Teilen Sumatras. Die Forscher waren auch in der Lage, deutlich mehr Individuen zu identifizieren als in den meisten früheren Arbeiten.

Zuvor hatten nur drei Studien, alle in Nationalparks, mehr als 10 Tiger in einer einzigen Erhebung erfasst. Höhere Dichte-Schätzungen als in der vorliegenden Studie wurden nur in einem besonders intensiv geschützten Gebiet in Süd-Sumatra erzielt.

Die gesammelten Daten über die Bewegungen der Tiere könnten die Grundlage für künftige Überwachungsprogramme bilden und unter anderem dazu beitragen, die Kameraabstände und Platzierungsmuster zu optimieren.

Nach Ansicht der Autoren ist die hohe Häufigkeit der Tigersichtungen das Ergebnis eines Komplexes von Faktoren.

"Dank der Arbeit der Regierungsbehörden, der Unterstützung der lokalen Gemeinden von Aceh und Gayo, Spendern und anderen Forschern war es möglich, wichtige Gebiete der Tiefland- und Vorgebirgswälder in Leuser zu erhalten, in denen die Dichte der Tigerbeutetiere auf Sumatra am höchsten ist", betont Figel.