Warum ältere Menschen häufiger stürzen
Wissenschaftler entdecken einen Mechanismus, der Gleichgewicht und Gangart beeinflusst
Wissenschaftler der McGill University haben eine mögliche Erklärung dafür gefunden, warum es Menschen mit zunehmendem Alter schwerer fällt, ihr Gleichgewicht zu halten und häufiger zu stürzen.
Die neue Studie zeigt, dass das Altern die Aktivität einer wichtigen Art von Neuronen im Kleinhirn - Purkinje-Zellen- verringert. Und dies steht in direktem Zusammenhang mit einem Rückgang der Bewegungskoordination.
Das Team testete dies an Mäusen unterschiedlichen Alters: von jungen Erwachsenen (etwa 2 Monate alt) bis zu "Senioren" (etwa 18-24 Monate alt). Ältere Mäuse schnitten bei Koordinationsaufgaben schlechter ab - sie kamen zum Beispiel schneller von einem rotierenden Stab (Rotarod-Test) herunter und konnten schlechter über eine schmale Fläche laufen.
Als nächstes maßen die Forscher die elektrische Aktivität der Purkinje-Zellen und stellten fest, dass diese Zellen bei alten Tieren weniger häufig Impulse aussenden (geringere Häufigkeit der "spontanen" Aktivität). Dann führten die Wissenschaftler einen entscheidenden Test der Kausalität durch: Mit dem genetischen Werkzeug DREADD veränderten sie künstlich die Erregbarkeit der Neuronen.
Das Ergebnis war eindeutig:
wenn bei jungen Mäusen die Purkinje-Zellen auf das Niveau von alten Mäusen "verlangsamt" wurden - begannen sie, schlechter beim Rotarod zu sein;
wenn bei alten Mäusen dagegen die Aktivität dieser Neuronen erhöht wurde, verbesserte sich ihre Koordination, und sie blieben länger im Test.
Ein ähnlicher Effekt wurde bei einer anderen Aufgabe beobachtet: Nach dem Training, ein Meter Seil um einer Belohnung willen zu ziehen, machten alte Mäuse mehr Fehler, aber wenn die Aktivität der Purkinje-Zellen "angekurbelt" wurde, wurden die Fehler weniger.
Die Autoren merken an, dass die Arbeit für die Vorbeugung von Stürzen und allgemein für das Verständnis der "motorischen Alterung" wichtig sein könnte. Allerdings handelt es sich hier noch um Ergebnisse an Tieren: bis zu Medikamenten oder Verfahren für Menschen ist es noch ein weiter Weg, weitere Forschung ist notwendig.