Warum die Gehirne mancher Menschen nachts nicht "abschalten" können

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Wissenschaftler entdecken, warum das Gehirn bei Schlaflosigkeit nachts nicht "abschalten" kann
Unsplash/CC0 Public Domain
20:00, 30.11.2025

Australische Wissenschaftler haben überzeugende Beweise dafür gefunden, dass Schlaflosigkeit mit Störungen des natürlichen zirkadianen Rhythmus der geistigen Aktivität zusammenhängt. Dies hilft zu erklären, warum manche Menschen am Abend ruhige Gedanken haben, während andere bis tief in die Nacht "im Kreis laufen".



Die Studie der University of South Australia war die erste, die verglich, wie sich die Denkmuster von Menschen mit chronischer Schlaflosigkeit und solchen, die normal schlafen, über Nacht verändern. Die Ergebnisse sind in der Zeitschrift Sleep Medicine veröffentlicht.

Wie die Studie durchgeführt wurde

Die Wissenschaftler beobachteten 32 ältere Teilnehmer (16 mit Schlaflosigkeit und 16 mit gutem Schlaf) 24 Stunden lang unter strenger Laborkontrolle:

  • die Teilnehmer blieben die ganze Zeit über im Bett,

  • in einem halbdunklen Raum,

  • mit streng geregelten Mahlzeiten und minimaler Aktivität,

  • aber sie mussten wach bleiben.

Jede Stunde füllten sie Fragebögen aus, die Folgendes beurteilten

  • die Art ihrer Gedanken (geschäftlich, emotional, abgelenkt),

  • ihren "Ton" und ihre emotionale Färbung,

  • wie leicht oder schwer es war, den Gedankenfluss zu kontrollieren.

Ein solches System ermöglichte es uns, externe Faktoren (Licht, Routinen, Geräte) auszuschalten und zu sehen, wie das interne "Uhrwerk" des Gehirns funktioniert.

Was sie fanden

Sowohl gesunde Menschen als auch Schlaflose zeigten tägliche Schwankungen in der geistigen Aktivität:
- Maximum am Nachmittag/Abend, Minimum am Morgen.

Aber die Gruppe der Schlaflosen wies einige wichtige Unterschiede auf:

  • Bei den "guten Schläfern" verlagerte sich der Denkmodus bei Einbruch der Dunkelheit auf natürliche Weise vom "Problemlösen" am Tag zum mentalen "Loslassen" und verringertem Engagement.

  • Bei Menschen mit Schlaflosigkeit war dieser Übergang viel schwächer ausgeprägt:
    ihre Gedanken blieben eher "tagsüber" - fokussiert, fixiert auf Probleme und Emotionen - selbst in den Stunden, in denen das Gehirn "ruhig" sein sollte.

  • Der Höhepunkt der kognitiven Aktivität der Schlaflosen verlagerte sich um etwa 6,5 Stunden nach hinten, d.h. ihre innere "Uhr" schien ihr Gehirn bis weit nach Mitternacht zum aktiven Denken anzutreiben.

"Beim Schlaf geht es nicht nur darum, die Augen zu schließen", betont Professor Kurt Lashington. - Das Gehirn muss sich von konzentrierten Gedanken und emotionaler Beteiligung abschalten. Bei Schlaflosigkeit ist dieser Prozess abgestumpft und verzögert, wahrscheinlich aufgrund von Störungen des zirkadianen Rhythmus."

Was dies für die Behandlung bedeutet

Die Autoren glauben, dass die Ergebnisse neue therapeutische Möglichkeiten eröffnen:

  • verstärkung der zirkadianen Rhythmen - mit einer richtig gewählten Lichttherapie,

  • strukturierte Tagesabläufe (feste Aufsteh-, Aktivitäts- und Essenszeiten),

  • achtsamkeits- und Entspannungsübungen, die helfen, die Gedanken vor dem Schlafengehen "loszulassen".

Die meisten Techniken zur Behandlung von Schlaflosigkeit konzentrieren sich heute auf das Verhalten (Schlafhygiene, kognitive Verhaltenstherapie). Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass personalisierte Ansätze, die sowohl zirkadiane als auch kognitive Merkmale berücksichtigen, wirksamer sein könnten.

Elena Rasenko

Elena Rasenko schreibt über Neuigkeiten aus Wissenschaft, gesunder Lebensweise und Psychologie und teilt ihre Tipps und Tricks zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

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