Warum es nicht immer ein schlechtes Zeichen ist, wenn Sie in Ihrer Karriere feststecken
Karrierestagnation oder Wachstum? Wissenschaftler erklären den Unterschied
Viele Arbeitnehmer haben zu Beginn eines neuen Jahres das Gefühl, bei der Arbeit zu stagnieren - selbst wenn die Dinge objektiv stabil sind. Nach Untersuchungen in der Erwachsenenbildung und -entwicklung ist dies nicht immer ein Zeichen von Burnout oder Unzufriedenheit. Im Gegenteil, es kann ein Zeichen für inneres berufliches Wachstum sein.
Die Berufsentwicklungsforscherin Leda Stavnykhko schreibt darüber in einem Artikel für The Conversation.
Warum das Gefühl der Stagnation nicht immer ein schlechtes Zeichen ist
Das Jahresende und der Januar bringen die Menschen oft aus ihrem gewohnten Rhythmus: weniger Meetings, ein langsameres Arbeitstempo und Zeit zum Nachdenken. In dieser Zeit sind viele Menschen einerseits stolz auf das, was sie erreicht haben, andererseits fühlen sie sich unwohl bei dem Gefühl, dass ihre derzeitige Rolle nicht mehr ihren inneren Erwartungen entspricht.
Wissenschaftler bezeichnen diesen Zustand als "desorientierendes Dilemma " - der Moment, in dem die innere Entwicklung einer Person beginnt, die äußeren Umstände zu überholen. Dieses Ungleichgewicht ist zwar beunruhigend, wird aber als wichtiger Katalysator für Lernen und Veränderung angesehen.
Nach Ansicht von Experten ist der Wunsch nach Veränderung an diesem Punkt eine rationale Reaktion und kein Zeichen von Undankbarkeit oder mangelnder Motivation.
Woher die Berufsangst kommt
Experten raten dazu, zunächst die Quelle der Unzufriedenheit zu verstehen:
den Job selbst,
das Team und die Beziehungen zu den Kollegen,
oder die Unternehmenskultur als Ganzes.
Wenn das Umfeld allgemein unterstützend ist, muss man nicht unbedingt kündigen, um zu wachsen. Untersuchungen zeigen, dass viele Mitarbeiter aufgrund von guten Beziehungen, Flexibilität und der so genannten "Job-Embedness" - einer Kombination aus sozialen, finanziellen und psychologischen Faktoren - bei einem Unternehmen bleiben.
In solchen Fällen können sich im Dialog mit dem Management neue Möglichkeiten eröffnen: die Teilnahme an herausfordernden Projekten, erweiterte Verantwortungsbereiche oder zusätzliche Schulungen.
Was ist zu tun, wenn in Ihrer derzeitigen Rolle kein Wachstum möglich ist?
Wenn das Verbleiben in der aktuellen Rolle die Entwicklung zu bremsen beginnt, raten Experten dazu, entweder die Bedingungen im Unternehmen zu überarbeiten oder sich schrittweise auf die nächste Karrierestufe vorzubereiten.
Der wichtigste Schritt besteht darin, die Prioritäten neu zu bewerten. Was zu Beginn der Karriere wichtig war (Gehalt, Status, schnelles Wachstum), kann mit der Zeit flexiblen Zeitplänen, sinnvoller Arbeit, Stabilität oder Lernmöglichkeiten weichen.
Warum es wichtig ist, in Aufgaben und nicht in Positionen zu denken
Karriereberater empfehlen, sich weniger auf Berufsbezeichnungen zu konzentrieren, sondern mehr auf die tatsächlichen Tätigkeiten, die eine Person jeden Tag ausübt.
Ein nützlicher Anhaltspunkt sind die Aufgaben, die eine Person auch ohne Bezahlung zu erledigen bereit ist. Sie weisen oft auf intrinsische Motivation und Stärken hin. Dieser Ansatz hilft dabei, die Entwicklungsrichtung genauer zu wählen und Enttäuschungen durch "schöne" Positionen mit unpassendem Inhalt zu vermeiden.
Kleine Schritte statt abrupter Entscheidungen
Die Vorbereitung auf die nächste Karrierestufe kann mit kleinen und sicheren Schritten beginnen: zusätzliche Projekte, Freiwilligenarbeit, Schulungen oder Nebentätigkeiten. Diese schließen allmählich die Lücke zwischen den aktuellen Fähigkeiten und den Anforderungen der gewünschten Rolle.
Experten betonen, dass das Gefühl der Stagnation kein Signal zur Panik ist, sondern eine Aufforderung zur Weiterentwicklung. Für viele Menschen ist es der Beginn einer neuen beruflichen Phase.