Warum europäische Züge so schlechtes Wifi haben
Das Internet in europäischen Zügen ist oft eine Quelle der Frustration für Fahrgäste.
Die Bahngesellschaften versprechen komfortable Bedingungen für die Online-Arbeit, aber in der Praxis werden Seiten nicht geladen, Mails werden nicht versendet und Streaming ist nicht einmal ein Traum, berichtet POLITICO.
Der Ookla-Experte Luke Kihou erklärt, dass der Hauptgrund für das schlechte Signal die hohe Geschwindigkeit der Züge und der häufige Wechsel der Mobilfunkmasten ist. Bei einer Geschwindigkeit von etwa 200 Kilometern pro Stunde durchquert ein Zug etwa jede Minute den Abdeckungsbereich eines Turms. Dies verursacht den so genannten Dopplereffekt, bei dem das Signal ständig seine Frequenz ändert und instabil wird.
Auch die Eisenbahngesellschaften warnen ihre Fahrgäste vor möglichen Kommunikationsstörungen. So zeigt beispielsweise die französische SNCF bei einer Wi-Fi-Verbindung eine Meldung an, in der sie davon abrät, Videos anzusehen, um den begrenzten Kommunikationskanal nicht zu überlasten.
Ein weiteres Problem ist die Gestaltung der Waggons. Viele europäische Züge verwenden eine spezielle Beschichtung der Fenster, die die Signalausbreitung verhindert und die Waggons in eine Art Faradayschen Käfig verwandelt. Dies ist vergleichbar mit dem Verlust von Mobiltelefonverbindungen in Aufzügen oder Tiefgaragen.
Das belgische Unternehmen SNCB hat die Installation von Wi-Fi in den Zügen wegen der hohen Kosten und der schlechten Mobilfunkabdeckung ganz aufgegeben. Stattdessen hat die SNCB beschlossen, die Fenster der Waggons durch solche zu ersetzen, durch die das Signal besser durchdringen kann, und die Verantwortung für die Konnektivität auf die Telekommunikationsunternehmen zu übertragen.
Ein weiterer wichtiger Grund für das schlechte Signal in den Zügen ist die Art der für 5G verwendeten Funkfrequenzen. Diese Frequenzen gehen nicht gut durch die Bäume und das Laub, die sich oft entlang der Bahnstrecken befinden. Im Sommer, wenn die Bäume mit dichtem Laub bedeckt sind, ist die Signalqualität stark beeinträchtigt. Wenn Sie dann noch die Tausenden von Tunneln in ganz Europa berücksichtigen, wird klar, warum das Internet in Zügen nicht durchgängig funktioniert.
Gleichzeitig leisten einige Länder bessere Arbeit als andere. Spitzenreiter unter den europäischen Ländern ist die Schweiz, wo die Wi-Fi-Geschwindigkeiten in Zügen etwa 30 Mal schneller sind als in Österreich und den Niederlanden.
Einige Unternehmen haben begonnen, die Satellitentechnologie zu testen. Die tschechischen Eisenbahnen experimentieren bereits mit dem Starlink-Dienst von Ilon Musk, während die französische SNCF sowohl Starlink als auch den europäischen Konkurrenten Eutelsat in Betracht zieht. Beide sind jedoch keine ideale Lösung, da sich die Satellitenkommunikation eher für Flugzeuge als für den Bodentransport eignet.
Nicht zuletzt spielen die in den Waggons installierten Geräte eine Rolle. In Polen zum Beispiel sind die Züge immer noch mit Wi-Fi 4 (2009) ausgestattet, das viel langsamer ist als moderne Standards.
Die Verwendung eines Handy-Hotspots anstelle von Wi-Fi ist auch nicht die beste Lösung. Wenn alle Fahrgäste gleichzeitig ihre persönlichen Netzwerke einschalten, kommt es zu einer erheblichen Störung der Signale, was die Qualität der Verbindung noch weiter verschlechtert.
Es ist also unwahrscheinlich, dass die Probleme mit Wi-Fi in Zügen in naher Zukunft verschwinden werden. Im Moment müssen die Fahrgäste nur geduldig sein.