Warum Menschen den Fehler machen, die Emotionen ihrer Hunde zu "lesen"
Wir missverstehen die Emotionen von Hunden - und die Ursache kann unsere Stimmung sein.
Menschen und Hunde leben seit Tausenden von Jahren Seite an Seite, und wir scheinen die Emotionen unserer Haustiere perfekt zu verstehen. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass wir die Gefühle von Hunden oft falsch interpretieren - und dass unser eigener emotionaler Zustand daran schuld ist.
Die Arbeit von Wissenschaftlern der Arizona State University wurde in der Fachzeitschrift PeerJ veröffentlicht. Die Studie deutet darauf hin, dass die Wahrnehmung der Emotionen von Hunden durch Menschen je nach ihrer aktuellen Stimmung verzerrt sein kann - und zwar nicht so, wie die Forscher selbst erwartet hatten.
Wie die Stimmung beeinflusst, was wir in einem Hund "sehen"
Die Wissenschaft hat bereits den so genannten emotionalen Anpassungseffekt festgestellt: Wenn eine Person gut gelaunt ist, neigt sie dazu, positive Emotionen in anderen zu sehen, und bei schlechter Laune - negative. Die Wissenschaftler vermuten, dass derselbe Mechanismus auch bei der Wahrnehmung von Emotionen bei Tieren funktioniert.
Um diese Hypothese zu testen, haben die Forscher zwei Experimente mit Studenten durchgeführt.
Das erste Experiment: unerwartetes Ausbleiben der Wirkung
In der ersten Phase wurden die Teilnehmer mit Hilfe von Bildern von Menschen und Landschaften absichtlich in eine positive, negative oder neutrale Stimmung versetzt. Anschließend wurden ihnen Videos von drei Hunden in einem positiven, negativen oder neutralen emotionalen Zustand gezeigt.
Die Freiwilligen bewerteten, wie glücklich, traurig, ruhig oder aufgeregt die Hunde aussahen. Zur Überraschung der Wissenschaftler hatten die Stimmungen der Menschen keinen Einfluss auf ihre Bewertungen.
Das zweite Experiment brachte das gegenteilige Ergebnis
Im zweiten Experiment wurde die Stimmung der Teilnehmer bereits mit Hilfe von Bildern der Hunde selbst gebildet - glücklich, traurig oder neutral. Danach sahen sich die Probanden die gleichen Videos an und bewerteten erneut die Emotionen der Tiere.
Diesmal trat der Effekt auf - allerdings in umgekehrter Richtung.
Menschen mit guter Laune nahmen die Hunde eher als traurig wahr.
Teilnehmer mit schlechter Laune hingegen bewerteten die Hunde als glücklicher.
Die Autoren sagen, dass die Ergebnisse die traditionellen Vorstellungen darüber in Frage stellen, wie die emotionale Anpassung bei der Wahrnehmung von Emotionen bei anderen Spezies funktioniert.
Hunde verbessern die Stimmung der Menschen - selbst wenn sie traurig aussehen
Die Forscher fanden einen weiteren merkwürdigen Effekt: Das Betrachten von Hundevideos hob die Stimmung der Menschen, selbst wenn die Tiere neutrale oder negative emotionale Zustände zeigten.
Dies könnte erklären, warum das Zusammensein mit Hunden oft zu therapeutischen Zwecken eingesetzt wird - und warum wir manchmal unsere eigene Fähigkeit überschätzen, ihre Emotionen zu "lesen".
Warum dies für den Tierschutz wichtig ist
Die Autoren betonen, dass die Ergebnisse noch nicht als endgültig angesehen werden können. An der Studie nahmen nur Studenten teil, es wurden Videos von drei Hunden und eine begrenzte Anzahl von Clips verwendet. Dennoch wirft die Arbeit eine wichtige Frage auf: Wie genau verstehen Menschen den emotionalen Zustand von Hunden?
Fehlinterpretationen können die Qualität der Pflege, des Trainings und des allgemeinen Wohlergehens der Tiere beeinträchtigen. Ein besseres Verständnis dafür, wie wir die Emotionen von Haustieren wahrnehmen, wird dazu beitragen, die Interaktionen zwischen Mensch und Hund zu verbessern.