Warum wir an unseren Nägeln kauen und Dinge aufschieben

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Warum wir an unseren Nägeln kauen und Dinge aufschieben: Psychologe erklärt Zusammenhang zwischen Selbstsabotage und Überlebensinstinkt
19:30, 05.01.2026

Sie kauen auf Ihren Nägeln und schieben Dinge auf? Wissenschaftler haben erklärt, warum Sie das tun



Angewohnheiten wie Zaudern, Selbstkritik, Perfektionismus, Haareraufen oder das Vermeiden von sozialen Kontakten sind möglicherweise nicht auf einen "schwachen Willen" zurückzuführen, sondern auf uralte Überlebensmechanismen. Zu diesem Schluss kommt der klinische Psychologe Charlie Heriot-Maitland in seinem neuen Buch Controlled Explosions in Mental Health, das bei Taylor & Francis erschienen ist.

Dem Fachmann zufolge hat sich das menschliche Gehirn ursprünglich nicht zum Glücklichsein, sondern zum Überleben entwickelt. Seine Hauptaufgabe besteht darin, Bedrohungen zu minimieren und Überraschungen zu vermeiden, selbst wenn Sie sich dafür einen kleinen, aber "kontrollierten" Schaden zufügen müssen.

Selbstsabotage als eine Verteidigungsstrategie des Gehirns

Heriot-Maitland erklärt, dass das Gehirn eine vorhersehbare und kontrollierbare Bedrohung einem unbekannten Risiko vorzieht. Aus diesem Grund kann eine Person:

  • ein wichtiges Projekt aufschieben, um ein mögliches Scheitern zu vermeiden;

  • soziale Kontakte vermeiden, um nicht zurückgewiesen zu werden;

  • sich selbst im Voraus kritisieren, um sich auf Kritik von außen "vorzubereiten".

"Das Gehirn macht uns lieber zum Verursacher unseres eigenen Unbehagens, als dass wir uns von einer externen Bedrohung überraschen lassen", erklärt der Psychologe.

Welche Formen der Selbstsabotage sind am häufigsten

Zu den häufigsten Formen von selbstsabotierendem Verhalten zählen die Experten:

  • prokrastination;

  • perfektionismus;

  • chronischer Pessimismus;

  • zwanghafte Selbstkritik;

  • vermeidung von sozialen Kontakten.

Perfektionismus, so der Autor, wird oft als Wunsch nach Qualität getarnt, dient aber in Wirklichkeit dazu, das Risiko von Fehlern zu verringern und sich vor Misserfolg zu schützen - auf Kosten von Burnout und Ängsten.

Warum sich schlechte Gewohnheiten festsetzen

Das Problem ist, dass solche Strategien mit der Zeit zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden. Wenn eine Person davon überzeugt ist, dass sie "sowieso keinen Erfolg haben wird", gibt sie sich weniger Mühe - und erzielt tatsächlich schlechtere Ergebnisse.

Ähnlich verhält es sich, wenn man Menschen aus Angst vor Ablehnung meidet und sich so der Möglichkeit beraubt, echte Beziehungen aufzubauen.

Wie man aus dem Kreislauf der Selbstsabotage aussteigt

Der Psychologe betont: Es ist sinnlos, solche Gewohnheiten mit Gewalt zu bekämpfen. Viel effektiver ist es, ihre Schutzfunktion zu verstehen und an der Ursache zu arbeiten.

Ihm zufolge ist Selbstsabotage eine "kontrollierte Explosion", die oft dahinter steckt:

  • ein Trauma in der Vergangenheit,

  • chronischem Stress,

  • ein unbefriedigtes Grundbedürfnis nach Sicherheit oder Akzeptanz.

Eine wirksame Therapie, so Heriot-Maitland, beinhaltet die Schaffung eines Gefühls der Sicherheit, das Leben mit dem Verlust und die Entwicklung von Selbstmitgefühl - nicht die Verstärkung von Selbstkritik.

Das Wichtigste zum Mitnehmen

Der Weg zur Veränderung führt nicht über Selbstvorwürfe, sondern über Achtsamkeit und Geduld. Wenn Sie die evolutionären Ursachen der Selbstsabotage verstehen, können Sie aufhören, solche Gewohnheiten als "persönlichen Fehler" zu betrachten und beginnen, Ihr Verhalten ohne Druck oder Scham zu ändern.

Maria Grynevych

Maria Grynevych, Projektmanagerin, Journalistin, Mitautorin des Reiseführers Heilige Berge der Dnjepr-Region, Vortragskurs: Kultische Topographie der mittleren Dnjepr-Region.

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