Warum wir uns schämen, zuzugeben, dass der Urlaub schlecht war
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Wenn es im Urlaub nicht um Vergnügen, sondern um Status geht
Selbst wenn eine Reise schlecht verläuft, sprechen die meisten Menschen lieber nicht laut darüber. Zuzugeben, dass ein Urlaub langweilig, ermüdend oder enttäuschend war, gilt immer noch als gesellschaftlich unangenehm - und daran ist nicht die Reise selbst schuld, sondern der Druck der gesellschaftlichen Erwartungen.
Der Kultur- und Gesellschaftsforscher Samuel Cornell schreibt darüber in einem Beitrag für The Conversation und analysiert, warum der "schlechte Urlaub" fast zum Tabu geworden ist.
Feiertage als Demonstration von Status
Die meiste Zeit der Geschichte war der Urlaub das Privileg der Elite. Die europäischen Aristokraten des neunzehnten Jahrhunderts unternahmen die so genannte "Grand Tour", die nicht so sehr als Urlaub diente, sondern vielmehr dazu, ihren Status, ihre Bildung und ihren Geschmack zu unterstreichen.
Diese Logik hat nach Ansicht von Forschern auch heute noch überlebt. Im Zeitalter der sozialen Medien ist das Reisen zu einer Form des kulturellen Kapitals geworden - eine Möglichkeit, nicht nur zu zeigen, wo man gewesen ist, sondern auch, wer man ist.
Fotos von den "richtigen" Orten, Cocktails bei Sonnenuntergang und Schnappschüsse an ikonischen Wahrzeichen haben den Urlaub zu einem öffentlichen Spektakel gemacht. Dabei kommt es nicht so sehr auf das Erlebnis selbst an, sondern auf seine visuelle Präsentation und die Reaktion des Publikums.
Warum ein schlechter Urlaub eine 'unanständige Wahrheit' ist
Die moderne Kultur hat das Image des Urlaubs als unverzichtbare Quelle des Glücks, des Neustarts und des persönlichen Wachstums aufrechterhalten. Das Eingeständnis, dass eine Reise gewöhnlich oder sogar unangenehm war, verstößt also gegen dieses unausgesprochene Drehbuch.
Soziologen nennen dies Impression Management - die bewusste Steuerung dessen, was wir anderen zeigen und was wir verbergen. In den sozialen Medien wird der Urlaub zum Inhalt und der Tourist wird zum Rollenspieler. Seine Aufgabe ist es nicht nur, sich zu entspannen, sondern auch zu beweisen, dass der Urlaub erfolgreich war.
In einem solchen Koordinatensystem wird ein schlechter Urlaub wahrgenommen als:
ein Fehler bei der Auswahl,
ein Schlag für das Image eines "erfolgreichen und kultivierten" Menschen,
ein persönliches Versagen, nicht nur eine Lebenserfahrung.
Prestige ist wichtiger als Vergnügen
Cornell stellt fest, dass einige Reiseziele eher wegen ihrer symbolischen Bedeutung als wegen des tatsächlichen Vergnügens geschätzt werden. Eine Reise nach Kyoto, Island oder Sizilien gilt als Statussymbol, während ein billiger Urlaubsort als weniger 'würdig' angesehen wird, selbst wenn der Urlaub dort angenehmer ist.
Wenn Sie also zugeben, dass Ihr Urlaub an einem 'prestigeträchtigen' Reiseziel enttäuschend war, riskieren Sie Ihren Ruf - vor allem in einer Welt, in der Erlebnisse höher geschätzt werden als materielle Dinge.
Warum ehrlich sein
Experten betonen: Zu erwarten, dass jeder Urlaub inspirierend und perfekt ist, ist unrealistisch. Misslungene Reisen sind ein normaler Teil des Lebens, aber eine Kultur des ständigen Vergleichs und der Zurschaustellung des Erfolgs macht sie 'unsichtbar'.
Nach Ansicht des Autors ist Ehrlichkeit ein Schritt zu einer gesünderen Reiseerfahrung:
ein Urlaub muss nicht perfekt sein, um einen Wert zu haben.
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Maria Grynevych, Projektmanagerin, Journalistin, Mitautorin des Reiseführers Heilige Berge der Dnjepr-Region, Vortragskurs: Kultische Topographie der mittleren Dnjepr-Region.












