Warum wir unter Zeitdruck die schlechtesten Entscheidungen treffen - neue Studie

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Stress und Eile können die Entscheidungsqualität ernsthaft beeinträchtigen - Studie zeigt
23:00, 13.01.2026

Wie Stress und Eile die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass wir Fehler machen.



Forscher der Universität Melbourne haben herausgefunden, dass Stress allein Menschen nicht immer daran hindert, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wenn er jedoch mit starkem Zeitdruck kombiniert wird, verringert er deren Qualität drastisch und macht die Menschen anfälliger für Fehler. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Zeitschrift Communications Psychology veröffentlicht.

Der Zustand von akutem Stress ist vielen Menschen vertraut - man erlebt ihn vor Prüfungen, Vorstellungsgesprächen oder wenn man unter Zeitdruck arbeitet. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass sich Stress negativ auf grundlegende kognitive Funktionen wie das Gedächtnis auswirkt. Es war jedoch unklar, wie er sich auf komplexere Prozesse wie Entscheidungsfindung und Problemlösung auswirkt.

Um dies herauszufinden, führten die Forscher eine Reihe von kontrollierten Experimenten mit 42 Personen durch. Die Teilnehmer wurden mit dem so genannten Trier Social Stress Test in einen Zustand akuten Stresses versetzt, der der Situation vor einem Vorstellungsgespräch ähnelte. Dazu gehörten die Vorbereitung und das öffentliche Sprechen ohne Notizen vor "Experten" sowie komplexe Matheaufgaben mit Bestrafung bei Fehlern.

Um die Stressreaktion zu bestätigen, wurden der Cortisolspiegel im Speichel der Freiwilligen, die Pupillenerweiterung, das Schwitzen und das subjektive Empfinden gemessen. Alle Indikatoren bestätigten, dass die Teilnehmer tatsächlich unter starkem Stress standen.

Die Probanden wurden dann gebeten, eine Reihe von 72 komplexen Entscheidungsfindungsaufgaben unter Zwang auszuführen - zum Beispiel zu bestimmen, ob eine Reihe von Artikeln mit dem richtigen Wert ausgewählt werden kann, ohne das zulässige Gewicht zu überschreiten. Solche Aufgaben imitieren reale Situationen, wie z.B. das Einkaufen mit einem knappen Budget oder die Planung von Aufgaben, wenn die Zeit knapp ist.

Unerwarteterweise stellte sich heraus, dass Stress allein fast keinen Einfluss auf die Genauigkeit der Entscheidungen hatte - selbst bei den schwierigsten Aufgaben. Dies änderte sich jedoch, als zum Stress noch Zeitdruck hinzukam. Unter diesen Bedingungen neigten die Teilnehmer eher dazu, sich zu beeilen, achteten weniger auf Details und antworteten deutlich häufiger mit "Nein", selbst wenn die richtige Antwort positiv war.

Infolgedessen sank die durchschnittliche Qualität der Entscheidungen um etwa 5 Prozent. In einigen Fällen - wenn die richtige Lösung tatsächlich existierte - sank die Genauigkeit von 83% auf 57% und lag damit nur knapp über dem Niveau des zufälligen Ratens.

Die Autoren stellen fest, dass sich die Kombination aus Stress und Zeitmangel als besonders schädlich erwies. Sie sagen, dass Stress den Pessimismus erhöhen und das Erkennen profitabler Gelegenheiten beeinträchtigen kann. Jetzt führt das Team weitere Untersuchungen durch, um die Ergebnisse zu bestätigen und Wege zu finden, die negativen Auswirkungen zu verringern.

Die Wissenschaftler betonen: Stress ist ein komplexes Phänomen, das manchmal sogar bestimmte kognitive Funktionen verbessern kann. Aber unter den Bedingungen knapper Fristen steigt das Risiko von Fehlentscheidungen erheblich.

Maria Grynevych

Maria Grynevych, Projektmanagerin, Journalistin, Mitautorin des Reiseführers Heilige Berge der Dnjepr-Region, Vortragskurs: Kultische Topographie der mittleren Dnjepr-Region.

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