Wie unterscheiden sich Menschen, die ihr ganzes Leben allein leben, von Menschen, die in einer Beziehung leben?
Immer mehr Menschen in der Welt entscheiden sich dafür, ihr Leben lang Single zu bleiben.
Die Gesellschaft betrachtet jedoch normalerweise die Ehe oder langfristige Beziehungen als die "Norm". Wissenschaftler aus verschiedenen europäischen Ländern haben untersucht, wie sich "ewige Singles" von Menschen unterscheiden, die schon einmal mit einem Partner zusammengelebt haben oder jetzt in einer Beziehung sind. Ihre Ergebnisse sind in der Zeitschrift Psychological Science veröffentlicht.
Die Forscher analysierten Umfragedaten von 77.000 Erwachsenen über 50 Jahren aus 27 europäischen Ländern. Zum ersten Mal berücksichtigten sie dabei auch Menschen, die noch nie eine ernsthafte Beziehung hatten, anstatt nur die "Singles" mit den "Verheirateten" zu vergleichen. Die Ergebnisse zeigten, dass die Teilnehmer, die ein Leben lang Single waren, eine geringere Lebenszufriedenheit aufwiesen. Sie wiesen auch einige Besonderheiten bei den Persönlichkeitsmerkmalen auf: Im Vergleich zu "gekoppelten" Menschen erwiesen sie sich als weniger extrovertiert, weniger offen für neue Erfahrungen und weniger gewissenhaft.
Die Wissenschaftler betonen, dass es noch unklar ist, was genau diese Unterschiede verursacht - angeborene Charaktereigenschaften oder der Einfluss der Tatsache, dass Menschen sich die Einsamkeit "aussuchen". Zum Beispiel gehen Menschen mit einem eher extrovertierten Charakter häufiger und leichter Beziehungen ein, während Introvertierte seltener Beziehungen eingehen. Andererseits ist es möglich, dass sich die Persönlichkeit einer Person, die eine Beziehung eingeht, im Laufe der Zeit unter dem Einfluss des Zusammenlebens ein wenig verändert.
Ein weiterer interessanter Punkt hat mit den kulturellen Normen zu tun. In Ländern, in denen die Ehe als traditioneller und wichtiger Bestandteil des Lebens angesehen wird (z. B. in südeuropäischen Gesellschaften), haben Singles eine größere Abnahme der Lebenszufriedenheit erfahren. Dieser Unterschied war in Staaten mit einer eher säkularen oder laissez-faire Einstellung zum Familienstand geringer.
Die Studie ergab auch, dass sich alleinstehende Frauen im Durchschnitt etwas glücklicher fühlten als alleinstehende Männer. Und unter den älteren Teilnehmern, die weit über 50 Jahre alt waren, waren "Singles" eher mit ihrem Leben zufrieden als Menschen mittleren Alters mit dem gleichen Status. Vermutlich sind sie mit zunehmendem Alter besser in der Lage, Situationen zu akzeptieren und stehen weniger unter sozialem Druck.
Die Autoren betonen die Bedeutung sozialer Unterstützung für allein lebende ältere Menschen: Ohne einen festen Partner kann es für sie schwieriger sein, finanzielle, medizinische und häusliche Probleme zu bewältigen, insbesondere wenn sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert. Die Forscher fordern die Entwicklung spezieller Programme, um diesen Menschen zu helfen, einen sozialen Kreis zu finden und die Hilfe zu bekommen, die sie brauchen.
Quelle: Julia Stern et al, Psychological Science (2024). DOI: 10.1177/09567976241286865