Wissenschaftler haben erklärt, wie Emotionen zu Wahnvorstellungen werden

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Studie: Menschen mit Psychose leben buchstäblich "in Metaphern"
22:00, 13.01.2026

Wissenschaftler bieten eine neue Perspektive auf das Delirium bei Psychosen: Patienten "leben in einer Metapher"



Wahnvorstellungen in der Psychose sind möglicherweise nicht das Ergebnis von "Denkfehlern", sondern eine Widerspiegelung tief empfundener Emotionen und körperlicher Empfindungen.

Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der University of Birmingham, der University of Melbourne und der University of York. Die Studie wurde in der Zeitschrift The Lancet Psychiatry veröffentlicht.

In der Populärkultur werden Wahnvorstellungen gewöhnlich als lächerliche und unerklärliche Überzeugungen dargestellt, die durch Beeinträchtigungen der Logik oder der Gehirnfunktion verursacht werden. Eine neue Studie bietet jedoch eine grundlegend andere Interpretation.

Die Forscher untersuchten die Erfahrungen junger Menschen, die sich nach einer ersten Psychose-Episode in Behandlung befanden. Sie nutzten klinische Beurteilungen, ausführliche Interviews und Analysen der Lebensgeschichte, um zu verstehen, wie sich das Selbstverständnis und die Wahrnehmung der Realität während einer Psychose verändern.

Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass das Delirium durch starke Emotionen, körperliche Reaktionen und Sprache geprägt ist. In diesem Zustand lebt die Person buchstäblich "die Metapher aus", indem sie innere Gefühle durch symbolische Bilder und Überzeugungen zum Ausdruck bringt.

Die Forschung hat gezeigt, dass Wahnvorstellungen oft mit Erfahrungen von Scham, Angst, Verletzlichkeit oder umgekehrt mit Gefühlen von Macht und besonderer Bedeutung verbunden sind. Die Teilnehmer beschrieben, dass sie zwischen Zuständen starker emotionaler Beteiligung - wie dem Gefühl, auserwählt oder mit Gott verbunden zu sein - und dem Gefühl der Entfremdung von ihrem eigenen Körper und der Welt um sie herum schwanken.

In vielen Fällen gingen der Entwicklung von Wahnvorstellungen traumatische Ereignisse voraus, darunter Demütigung oder Mobbing. Wiederholte Erfahrungen von Scham, wie z.B. öffentlicher Spott, können zu einem Gefühl der ständigen Überwachung geführt haben. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus der Glaube, dass andere die Gedanken des Betroffenen lesen oder jede seiner Handlungen beobachten.

Die Forscher betonen, dass Wahnvorstellungen nicht immer negativ sind. Bei einigen Teilnehmern waren sie von Gefühlen der Freude, der Liebe und des spirituellen Aufschwungs begleitet, die dazu beitrugen, eine neue Identität zu bilden und wieder Hoffnung für die Zukunft zu schöpfen.

Die Wissenschaftler haben besonders auf die Sprache geachtet. Die Patienten verwendeten oft bildhafte Ausdrücke und Metaphern, die Körperempfindungen mit abstrakten Emotionen verknüpften. So konnte sich beispielsweise das Gefühl, "kontaminiert" zu sein, als Glaube an eine Kontamination manifestieren, und das Gefühl, "nackt" zu sein, als Glaube an versteckte Überwachungskameras.

Den Autoren zufolge sind solche Metaphern kein Zeichen von Irrationalität, sondern spiegeln den Versuch der Psyche wider, angesichts der Überwältigung Bedeutung und emotionales Gleichgewicht wiederherzustellen. Die Studienteilnehmer merkten jedoch an, dass ihnen während der Behandlung nur selten die Möglichkeit gegeben wurde, über die Bedeutung ihrer Erfahrungen zu sprechen, was das Gefühl der Scham und Isolation verstärkte.

Die Forscher glauben, dass das Verständnis der emotionalen und körperlichen Natur des Delirs dazu beitragen kann, effektivere und mitfühlendere Ansätze zur Behandlung von Psychosen zu entwickeln.

Mykola Potyka

Mykola Potyka verfügt über ein breites Spektrum an Kenntnissen und Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen. Mykola schreibt auf interessante Weise über Dinge, die ihn interessieren.

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