Wissenschaftler haben geklärt, wie viel Hitze ein Mensch ertragen kann
Wie hoch ist die Temperatur, die ein Mensch aushalten kann?
Eine neue Studie von Wissenschaftlern der Universität von Ottawa zeigt: Die Grenzen unserer Fähigkeit, die Körpertemperatur bei Hitze zu regulieren, sind niedriger als bisher angenommen. Dies ist eine wichtige Erkenntnis im Zeitalter der globalen Erwärmung.
Lesen Sie mehr: Robert D. Meade et al, Validating new limits for human thermoregulation, Proceedings of the National Academy of Sciences(2025). DOI: 10.1073/pnas.2421281122
Die Studie wurde am Human and Environmental Physiology Laboratory (HEPRU) durchgeführt. Ihre Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht. Die Wissenschaftler stellten fest, dass sich Hitze und Feuchtigkeit in vielen Teilen der Welt bereits Grenzen nähern, über die hinaus der menschliche Körper nicht mehr mit Überhitzung umgehen kann.
Wir haben bestätigt, dass frühere Modelle die Fähigkeit des Körpers, die Temperatur bei extremer Hitze zu regulieren, überschätzt haben", sagt Professor Glen Kenny, einer der Leiter der Studie.
Um die tatsächlichen Grenzen der Thermoregulation herauszufinden, verwendete das Wissenschaftlerteam eine bewährte Methode - die so genannten "Hitzeschritte". An dem Experiment nahmen 12 Freiwillige teil, die schrittweise hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt wurden. Jeder Teilnehmer kehrte dann ins Labor zurück, um bis zu neun Stunden unter Bedingungen zu verbringen, die über seiner individuellen Grenze lagen - bei 42°C und 57 Prozent Luftfeuchtigkeit. Dies entspricht einer "gefühlten Temperatur" (Humidex) von etwa 62°C.
Die Ergebnisse waren eindeutig: Die Körpertemperatur der Teilnehmer stieg unaufhaltsam an und viele waren nicht in der Lage, das gesamte Experiment zu beenden. Dies war die erste wissenschaftliche Bestätigung dafür, dass die mit den Methoden der vergangenen Jahrzehnte festgelegten Grenzwerte tatsächlich unterschätzt wurden.
Die Studie unterstreicht auch, wie gefährlich eine längere Hitzeeinwirkung ist.
Unsere Ergebnisse bestätigen: Der Körper erfährt selbst bei Temperaturen, die bisher als akzeptabel galten, ernsthaften physiologischen Stress", sagt einer der Autoren, Dr. Robert Mead.
Diese Daten werden bereits in Klimamodellen verwendet. Sie helfen dabei, Gesundheitsrisiken besser einzuschätzen und Maßnahmen zur Anpassung an die Hitze zu entwickeln, vom Bau "kühlerer" städtischer Räume bis hin zu neuen Empfehlungen für das Gesundheitswesen.