Wissenschaftler haben herausgefunden, wie Musikunterricht die Aufmerksamkeitsspanne trainiert
Menschen mit musikalischer Ausbildung können sich in lauten Umgebungen besser konzentrieren.
Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler des Karolinska Instituts (Schweden), die die Ergebnisse ihrer Studie in der Zeitschrift Science Advances veröffentlicht haben.
Ihre Arbeit zeigt, dass musikalisches Training nicht nur das Gehör, sondern auch die kognitiven Fähigkeiten des Gehirns verbessern kann, insbesondere die Fähigkeit, sich zu konzentrieren.
Das Sprechen in einem lauten Raum mit vielen ablenkenden Geräuschen ist eine ernsthafte Herausforderung für das Gehirn. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, inwieweit musikalisches Training bei der Bewältigung solcher Aufgaben hilft.
In der Studie wurden die Teilnehmer gebeten, zwei Melodien mit unterschiedlichen Tonhöhen gleichzeitig zu hören und die Veränderungen in der Tonhöhe einer der beiden zu verfolgen. Mit einer Technik namens "Frequency Tagging" konnten die Forscher die Reaktion des Gehirns auf jede der beiden Melodien separat messen.
Insgesamt wurden zwei Experimente durchgeführt: 28 Personen nahmen an dem ersten und 20 an dem zweiten teil. Die Wissenschaftler schufen absichtlich Situationen, in denen zwei Arten von Aufmerksamkeit aktiviert wurden:
bewusst (top-down) - eine gezielte Anstrengung, sich auf das gewünschte Signal zu konzentrieren;
automatisch (bottom-up) - Reaktion auf unerwartete und ablenkende Klänge.
Die Ergebnisse zeigten: Menschen mit hoher Musikalität hatten stärkere Gehirnsignale, die mit bewusster Aufmerksamkeit verbunden waren, und schwächere Signale für ablenkende Reize. Dies deutet darauf hin, dass musikalische Fähigkeiten nicht nur das Gehör trainieren, sondern auch die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit zu steuern.
"Unsere Ergebnisse zeigen, dass musikalisches Training die Fähigkeit des Gehirns, sich angesichts von Störungen zu konzentrieren, verbessert", erklärt die Hauptautorin der Studie, Cassia Lowe Manting von der Abteilung für klinische Neurowissenschaften am Karolinska Institutet.
Sie fügt hinzu: "Interessanterweise hilft Musik nicht nur, besser zu hören, sondern auch, die Aufmerksamkeit länger aufrechtzuerhalten. Dies könnte in der Bildung und Rehabilitation Anwendung finden - zum Beispiel, um die kognitive Kontrolle bei Kindern oder Patienten nach einem Schlaganfall zu verbessern."
Die Wissenschaftler betonen jedoch: Die Ergebnisse beweisen keinen kausalen Zusammenhang zwischen Musiktraining und verbesserter Aufmerksamkeit. Sie bekräftigen jedoch die Vorstellung, dass Musik eine positive Wirkung auf die Gehirnfunktion hat.
Die Arbeit wurde in Zusammenarbeit mit dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) durchgeführt, was den Ergebnissen zusätzliches Gewicht verleiht.