Wissenschaftler warnen: Totes Meer am Rande des Aussterbens

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Das Tote Meer "stirbt", und hier ist der Grund dafür
08:00, 07.02.2025

Am Ufer des ehemaligen Strandes von Ein Gedi, einst ein belebter Ferienort am israelischen Teil des Toten Meeres, sind heute nur noch eine verlassene Rettungsschwimmerstation und ein verrosteter Steg zu sehen.



Noch vor fünf Jahren kamen Touristen aus der ganzen Welt hierher, um den berühmten Effekt der Schwerelosigkeit in Wasser mit hoher Salzkonzentration zu erleben. Heute zieht sich das Meer schnell zurück, bildet gefährliche Senkgruben und hinterlässt einst beliebte Urlaubsziele. Dies wird von Phys.org berichtet.

Es gibt mehrere Gründe für diese Umweltkatastrophe.

Erstens verändert sich das Klima: Die Temperaturen in der Region können 50 °C erreichen, was die natürliche Verdunstung erhöht.

Zweitens hat sich der Wasserfluss der Flüsse, insbesondere der Hauptschlagader, dem Jordan, aufgrund der Wasserentnahme für die Landwirtschaft und den Hausgebrauch erheblich verringert. Darüber hinaus pumpen lokale Chemieunternehmen Wasser ab, um Mineralien wie Kali, Brom und Magnesium zu gewinnen. All dies beschleunigt nur die Austrocknung des Toten Meeres, das jedes Jahr mehr als einen Meter an Tiefe verliert.

Der Hydrologe Nadtav Tal von EcoPeace betont, dass das Problem gemeinsam von Israel, Jordanien und der Palästinensischen Autonomiebehörde gelöst werden muss. Doch die Ereignisse im Nahen Osten verschärfen die politischen Spannungen und die Umwelt tritt vorübergehend in den Hintergrund. Die Parteien haben schon früher Vereinbarungen zur Rettung des Toten Meeres getroffen, aber die anhaltenden Konflikte gefährden die Möglichkeit einer regionalen Zusammenarbeit.

Laut Ohad Karni vom israelischen Umweltministerium erwägen die Beamten eine Reihe von Optionen, vom Bau von Entsalzungsanlagen bis hin zur Verlegung eines Kanals, der das Meer mit Frischwasser versorgen könnte.

Karni merkt jedoch an: "Es macht keinen Sinn, einfach Trinkwasser in das Tote Meer zu leiten, denn die Region steht vor einer ernsten Wasserknappheit für Bevölkerung und Landwirtschaft." Jede drastische Maßnahme erfordert sowohl eine Finanzspritze als auch eine enge Zusammenarbeit zwischen den Nachbarn in der Region.

Abgesehen von den wirtschaftlichen Kosten sind die Veränderungen bereits im Alltag zu spüren. Die einst beliebten Strände sind verfallen und der Tourismus hat sich auf künstliche Gewässer verlagert. Die Einheimischen erinnern sich an eine Zeit, in der sie ungehindert das Wasser erreichen und einen Tag lang die therapeutischen Salzbäder genießen konnten. Jetzt ist der Zugang zum Meer jedoch schwierig, und die gut ausgestatteten Erholungsorte sind verfallen.

Infolge der katastrophalen Situation wächst das Gefühl der Hoffnungslosigkeit: Während die Politiker mit Konflikten beschäftigt sind, bleibt für das Tote Meer einfach keine Zeit mehr.

Umweltschützer bestehen darauf, dass das einzigartige Gewässer nur mit gemeinsamen Anstrengungen aller Beteiligten gerettet werden kann. Andernfalls wird sich das Gebiet in einen regelrechten "Park" aus verlassenen Stränden und gefährlichen Dolinen verwandeln - ein Monument dafür, wie unkoordiniertes Handeln der Menschheit ein einzigartiges Naturgebiet zerstören kann.

Myroslav Tchaikovsky
schreibt über Archäologie bei SOCPORTAL.INFO

Unabhängiger Forscher, der sich für Archäologie und sakrale Geografie interessiert. Er erforscht diese Themen und schreibt über sie.