Woher wissen Sie, ob eine Erinnerung wahr ist?
Im Laufe der Zeit verblassen die Details der Vergangenheit oft, aber die Art und Weise, wie Menschen erklären, was das Ereignis wirklich war, erweist sich als bemerkenswert widerstandsfähig.
Forscher der Ben-Gurion Universität des Negev kamen zu diesem Schluss, nachdem sie so genannte Erinnerungsrechtfertigungen untersucht hatten - schriftliche und mündliche Erklärungen, die eine Person abgibt, wenn sie sich an eine Episode erinnert und versucht, deren Realität zu "rechtfertigen".
Das Team unter der Leitung von Talia Sadeh (zusammen mit den Doktoranden Avi Gamoran und Zohar Raz-Groman) stellt fest, dass solche "Rechtfertigungen" nicht nur im Alltag wichtig sind. Wenn wir Erinnerungen austauschen, beurteilen unsere Gesprächspartner deren Glaubwürdigkeit oft danach, wie kohärent und spezifisch die Erklärung klingt - und in der Rechts- und Ermittlungspraxis wirkt sich dies direkt auf die Glaubwürdigkeit von Zeugenaussagen aus.
Um zu testen, wie die Zeit diese Erklärungen beeinflusst, rekrutierten die Forscher 421 Teilnehmer im Alter von 18-35 Jahren. Die Probanden führten Erinnerungsaufgaben nach einer kurzen Verzögerung (etwa eineinhalb Minuten) und nach einer langen Verzögerung von 24 Stunden durch. Insgesamt sammelten und analysierten die Forscher mehr als 4.000 schriftliche "Erinnerungsbegründungen" mit Hilfe von Verhaltensmetriken und linguistischem Parsing des Textes.
Erwartungsgemäß erinnerten sich die Menschen nach 24 Stunden weniger: Der Zugang zu den Erinnerungen nahm ab. Aber das wichtigste Ergebnis war ein anderes: Wenn eine Erinnerung noch abrufbar war, blieb die begleitende Erklärung - warum die Person sicher war, dass sie real war - fast gleich wie unmittelbar nach der Aufgabe. Den Autoren zufolge nahmen der Detailgrad, der Wortschatz und die Struktur der Begründungen für "erfolgreich abgerufene" Episoden im Laufe der Zeit nicht merklich ab.
Die einzige konsistente Veränderung war eine leichte Zunahme der "Sicherheitsnetz"-Sprache (Wörter wie "scheint", "vielleicht"), d.h. eine Zunahme der Absicherung. Dies betraf jedoch eher die Art der Präsentation als die semantische "Füllung" der Erklärung. Darüber hinaus waren die sprachlichen Merkmale der Begründungen selbst nach Ansicht der Autoren ein besserer Prädiktor für die Erinnerungsgenauigkeit und -zuverlässigkeit als das subjektive Vertrauen der Teilnehmer ("wie sicher bin ich, dass ich recht habe").
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Arbeit ein Alles-oder-Nichts-Modell unterstützt: Entweder wird die Erinnerung zusammen mit einer stabilen, kohärenten Begründung abgerufen, oder sie wird überhaupt nicht abgerufen. Das bedeutet, dass in Situationen, in denen die Bewertung der Gewissheit wichtig ist (z. B. bei einer verzögerten Aussage), die Frage nach einer schriftlichen Erklärung, "warum ich mich daran erinnere", informativer sein kann als die Frage nach einer einfachen Vertrauensbewertung auf einer Skala.