Bei einer alten Pyramide in Peru wurden die Überreste eines Menschenopfers gefunden
Archäologen haben am Fuße der antiken Pyramide von Waka Pukllana in der peruanischen Hauptstadt die Überreste eines erwachsenen Menschen entdeckt, der nach einer vorläufigen Hypothese möglicherweise im Rahmen eines Rituals geopfert wurde. Die Leiche befand sich im Inneren eines antiken Kanals, lag auf der linken Seite, und der Schädel war in Richtung der Pyramide und des Pazifischen Ozeans gewandt. Die Forscher bringen diese Bestattung mit der Lima-Kultur in Verbindung, die lange vor dem Entstehen des Inka-Reiches existierte.
Auf dem Gelände des archäologischen Komplexes Waka Pukllana im heutigen Lima wurde eine ungewöhnliche Bestattung entdeckt.
Nach Angaben der Ausgrabungsleiterin, der Archäologin Gladys Paz, stammten die Überreste von einem Erwachsenen, vermutlich einem Mann.
Sein Leichnam wurde direkt in den Kanal gelegt. Der Verstorbene lag auf der linken Seite, wobei sein Kopf in Richtung der mächtigen Pyramide und des nahegelegenen Pazifischen Ozeans ausgerichtet war.
Gerade die Lage der Überreste und der archäologische Kontext ließen die Experten vermuten, dass es sich nicht um eine gewöhnliche Bestattung handelte.
Die Forscher gehen davon aus, dass die Bestattung mit einer Zeremonie zum Verschluss des Kanals in Verbindung stehen könnte, der mit einem rituellen Becken verbunden war.
In diesem Fall könnten die menschlichen Überreste Teil eines Opfers gewesen sein, das den Abschluss der Nutzung des Bauwerks begleitete.
Es ist jedoch noch zu früh, endgültig von einem Opfer zu sprechen.
Die Archäologen müssen das Skelett noch eingehend untersuchen und feststellen, ob die Knochen Spuren von Verletzungen aufweisen, die auf einen gewaltsamen Tod hindeuten könnten. Daher bleibt die Hypothese eines Menschenopfers die interessanteste Interpretation des Fundkontexts, ist jedoch keine endgültig bewiesene Tatsache.
Der Fund wird mit der alten Lima-Kultur in Verbindung gebracht, die etwa vom 1. bis zum 7. Jahrhundert n. Chr. an der zentralen Küste Perus existierte.
Sie verschwand etwa 700 Jahre vor dem Aufstieg des Inka-Reiches.
Waka-Puklyana war eines der wichtigsten zeremoniellen und administrativen Zentren dieser Kultur. Die riesige Pyramide wurde hauptsächlich aus kleinen Lehmziegeln erbaut.
Heute befindet sich der antike Komplex buchstäblich mitten in der modernen Großstadt – zwischen Straßen, Parks und Wohnhäusern der prestigeträchtigen Stadtteile Miraflores und San Isidro.
Im Rahmen derselben Ausgrabungen entdeckten die Archäologen zudem einen ungewöhnlichen Keramikgegenstand in Form eines Schlangenkopfes.
Bislang lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob dieser Gegenstand in direktem Zusammenhang mit dem gefundenen Menschen steht oder im Rahmen desselben Rituals verwendet wurde.
Dennoch ergänzt ein solcher Fund das Bild der zeremoniellen Aktivitäten, die sich vor vielen Jahrhunderten auf dem Gelände von Huaca Pucllana abspielten.
In den alten Gesellschaften der Anden konnten bedeutende architektonische Veränderungen von Ritualen und Opfergaben begleitet sein.
Die Verschließung des Kanals oder die Stilllegung einer zeremoniellen Anlage wurde möglicherweise nicht als gewöhnlicher technischer Vorgang wahrgenommen, sondern als Ereignis, das einen besonderen Ritus erforderte.
Daher ziehen Archäologen die Möglichkeit in Betracht, dass der Mensch absichtlich genau zum Zeitpunkt der rituellen „Verschließung“ des Kanals dort deponiert wurde.
Weitere Untersuchungen der Knochen und der umgebenden Fundstücke sollen zeigen, inwieweit diese Hypothese den tatsächlichen Umständen des Todes und der Bestattung entspricht.
Die Überreste können den Forschern weitaus mehr Informationen liefern als nur den vermuteten Grund für die Bestattung.
Die Analyse des Skeletts kann dabei helfen, das Geschlecht und das Alter des Menschen, seinen Gesundheitszustand, mögliche Verletzungen sowie bestimmte Merkmale seines Lebensstils zu bestimmen.
Von besonderer Bedeutung wird die Suche nach Anzeichen eines gewaltsamen Todes sein.
Sollten solche Anzeichen entdeckt und mit dem Zeitpunkt der Bestattung in Verbindung gebracht werden können, würde die Hypothese eines Menschenopfers deutlich stichhaltigere Grundlagen erhalten.
Vorerst sprechen die Archäologen jedoch vorsichtig davon, dass es sich bei der Person um ein mögliches rituelles Opfer handeln könnte.
Warum dies wichtig ist
Waka-Pukliana gewährt einen Einblick in die Geschichte Perus lange vor der Zeit der berühmten Inka.
Der neue Fund zeigt, dass die Architektur des antiken Komplexes eng mit Zeremonien, Wasser und Vorstellungen vom sakralen Raum verbunden war.
Besonders faszinierend ist die Lage der Leiche: Der Mensch wurde im Inneren des Kanals beigesetzt, wobei sein Kopf in Richtung der Pyramide und des Ozeans gewandt war. Sollten weitere Untersuchungen einen rituellen Mord bestätigen, wird dieser Fund dazu beitragen, die Zeremonien der Lima-Kultur genauer zu rekonstruieren und zu verstehen, welche Rolle Menschenopfer bei der Umgestaltung oder Schließung heiliger Bauwerke gespielt haben könnten.
Quelle
Ort: Archäologischer Komplex Huaca Pucllana, Lima, Peru.
Kultur: Lima, 1.–7. Jahrhundert n. Chr.