In Ägypten wurde ein bisher unbekanntes Grab mit 3.000 Jahre alten Wandmalereien entdeckt
Archäologen haben in der Nekropole von Theben in der Nähe des heutigen Luxor ein bisher unbekanntes, etwa 3.000 Jahre altes Grab entdeckt. Als die Forscher das Grab zum ersten Mal betraten, wussten sie nicht, ob der Raum nach Einstürzen und Plünderungen noch erhalten war. An den Wänden der in den Fels gehauenen Kapelle sind jedoch farbenprächtige Wandmalereien erhalten geblieben: Der Besitzer der Grabstätte ist vor den Göttern sowie gemeinsam mit seiner Frau an einem Tisch dargestellt, der mit Brot, Bier, Obst, Fleisch und Blumen gedeckt ist.
Eine unerwartete Entdeckung wurde in Neskem-Sheikh-Abd-el-Kurna gemacht – einem Teil der riesigen Nekropole von Theben am Westufer des Nils.
Ein internationales Team arbeitet hier nicht nur im Hinblick auf archäologische Entdeckungen. Eine der Hauptaufgaben des Projekts besteht darin, die antiken Denkmäler vor plötzlichen Hochwassern zu schützen.
Die Nekropole liegt am Fuße des Thebaner Gebirges, weshalb bei starken Regenfällen Wasserströme direkt auf die antiken Gräber zulaufen können.
Um den Abfluss umzuleiten, haben die Forscher systematisch Sedimente entfernt und das Gebiet mit archäologischen Methoden untersucht.
Gerade während dieser Arbeiten stießen sie auf eine bisher unbekannte Grabstätte.
Details
Vor dem ersten Betreten der Grabkammer blieben zahlreiche Fragen offen.
Die Forscher wussten nicht, ob die Decke im Laufe der vergangenen Jahrtausende eingestürzt war, ob das Grab in der Antike geplündert worden war und ob im Inneren überhaupt noch etwas erhalten geblieben war.
Der Grundriss erwies sich als typisch für die elitären thebanischen Bestattungsstätten des Neuen Reiches.
Der Komplex umfasst einen Außenhof, eine in den Fels gehauene Kapelle und unterirdische Grabkammern. Im Hof ist eine Plattform aus Lehmziegeln mit einer Nische für eine Stele erhalten geblieben, und zur Grabstätte führt eine Treppe mit seitlich angeordneten Rampen.
Die größte Überraschung waren jedoch die Wände der Kapelle.
Im Inneren entdeckten die Archäologen farbige Darstellungen des Grabbesitzers.
In einigen Szenen betet der Mann verschiedene Gottheiten in Heiligtümern an. In einer anderen sitzt er neben seiner Frau vor einem Tisch mit Begräbnisopfern.
Darauf sind Brot, Bier, Obst, Fleisch und Blumen abgebildet – Gegenstände, die den Verstorbenen im Jenseits mit dem Nötigen versorgen sollten.
Anhand des Stils der Darstellungen konnten die Forscher das Grab auf die Ramessidenzeit datieren – etwa 1292–1069 v. Chr.
Das bedeutet, dass die Wandmalereien etwa dreitausend Jahre alt sind.
Eine vorläufige Untersuchung der Darstellungen und Inschriften ermöglichte es, den Namen des Hauptbesitzers der Grabstätte zu ermitteln.
Er hieß Paser.
Allerdings wissen die Wissenschaftler bislang noch lange nicht alles über ihn. Die Wandmalereien sind mit einer Schmutzschicht bedeckt, weshalb der nächste Schritt die Arbeit der Restauratoren sein wird.
Nach einer sorgfältigen Reinigung könnten weitere Inschriften und Details zum Vorschein kommen, die dabei helfen werden, die gesellschaftliche Stellung von Passer zu bestimmen, die Identitäten seiner Familienangehörigen festzustellen und zu verstehen, wer diese Grabstätte später noch genutzt hat.
Die Forscher möchten zudem herausfinden, warum gerade dieser Ort für die Bestattung gewählt wurde.
Die Nekropole von Theben war über Jahrhunderte hinweg der wichtigste Bestattungsort für Könige und Vertreter der ägyptischen Elite.
Da jedoch der freie Platz und die prestigeträchtigen Grabstätten immer knapper wurden, konnten nachfolgende Generationen bestehende Bauwerke umgestalten oder neue Gräber neben älteren errichten.
Das Grab von Paser könnte Aufschluss darüber geben, warum Beamte der Ramessiden-Periode Grabstätten in der Nähe der Grabstätten der Elite der vorangegangenen 18. Dynastie wählten.
Die Forscher möchten ermitteln, inwieweit die Nähe zu Prozessionswegen, zu den Gräbern von Verwandten und zu religiös bedeutsamen Bauwerken bei der Standortwahl eine Rolle spielte.
Es ist nicht auszuschließen, dass das Ansehen eines bestimmten Bereichs der Nekropole für die alten Ägypter nicht weniger Bedeutung hatte als die Architektur des Grabes selbst.
Paradoxerweise wurde das Grab dank eines Projekts entdeckt, das andere Denkmäler vor dem Verfall bewahren soll.
Und nun ist der neue Fund selbst Teil dieses Wettlaufs gegen die Zeit geworden.
Starke, plötzliche Hochwasser können in das Innere der antiken Bauwerke eindringen. Das Wasser erhöht die Luftfeuchtigkeit, aktiviert Salze im Stein und im Putz und kann zum Abblättern der Farbschicht führen.
Bei starker Beeinträchtigung sind nicht mehr nur die Wandmalereien betroffen, sondern auch die Bauwerke selbst.
Daher untersuchen die Archäologen die Grabstätte und entwickeln gleichzeitig Maßnahmen, um das Risiko künftiger Schäden zu verringern.
Warum dies wichtig ist
Die Nekropole von Theben erstreckt sich über ein riesiges Gebiet und umfasst das Tal der Könige, das Tal der Königinnen, Grabtempel sowie Hunderte von privaten Gräbern.
Das untere Sheikh-Abd-el-Kurna ist jedoch weitaus weniger gut erforscht als die berühmten benachbarten Denkmäler.
Das neue Grab zeigt, dass sich unter der Erdschicht hier möglicherweise noch unbekannte Bauwerke mit gut erhaltenen Wandmalereien verbergen.
Besonders wertvoll sind die Darstellungen selbst. Sie geben nicht nur Aufschluss über Bestattungsglauben, sondern auch über den Alltag, die Ernährung, familiäre Beziehungen und die gesellschaftliche Stellung der Menschen, die vor etwa dreitausend Jahren in Ägypten lebten.
Und die Geschichte der Entdeckung macht den Fund noch außergewöhnlicher: Archäologen versuchten, eine antike Nekropole vor Hochwasser zu schützen – und entdeckten dabei eine Grabstätte, von deren Existenz sie nichts wussten.
Quelle
Zeitraum: Ramessidenzeit, vor etwa 3.000 Jahren.
Ort: Unterer Scheich-Abd-el-Kurna, Nekropole von Theben, Luxor, Ägypten.