Die ältesten Grabstätten Angolas konnten noch einige Monate vor der Überflutung ausgegraben werden

Abbildung und Fotos der Grabhügel. Bildnachweis: D'Olivera et al. 2026

Archäologen konnten die antike Nekropole in Angola buchstäblich nur wenige Monate, bevor sie für immer vom Wasser verschlungen wird, untersuchen. An der Stelle des künftigen Stausees fanden die Wissenschaftler die ältesten datierten Grabstätten des Landes, Steinbauten aus dem 15. Jahrhundert sowie die einzige bekannte antike Feuerbestattung.

Die Untersuchung ergab, dass es hier bereits lange vor der Ankunft der Portugiesen eine gut entwickelte Siedlung gab. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Journal of Field Archaeology“ veröffentlicht.

Die Ausgrabungen mussten sehr zügig durchgeführt werden

Im Jahr 2023 entdeckten Bauarbeiter eines Wasserkraftwerks unbekannte Steinbauten. Den Archäologen war sofort klar, dass es sich um ein einzigartiges Denkmal handelte, das nach der Befüllung des Stausees bald unter Wasser stehen würde.

Es gelang jedoch nicht, sofort mit den Ausgrabungen zu beginnen. Zunächst wurde das Gelände von Sprengstoffexperten untersucht – nach dem Bürgerkrieg könnten hier noch Minen liegen. Anschließend führten die örtlichen Ältesten einen traditionellen Ritus durch, um die Erlaubnis der Ahnen für die Durchführung der Arbeiten einzuholen.

Danach begannen die Archäologen mit den Ausgrabungen.

Die ältesten Grabstätten Angolas wurden entdeckt

Die Forscher entdeckten 117 Gruppen von Steinanlagen und legten 65 davon frei.

Als besonders wichtig erwiesen sich die Steinhügel über den Gräbern. Die Radiokarbonanalyse ergab, dass hier bereits zu Beginn des 15. Jahrhunderts Menschen bestattet wurden – einige Jahrzehnte vor dem Eintreffen der Portugiesen in der Region.

Es handelt sich um die ältesten datierten Grabstätten, die heute auf dem Gebiet Angolas bekannt sind.

In sechs Gräbern waren menschliche Überreste erhalten.

Einige Menschen wurden auf der Seite liegend bestattet, andere in sitzender Haltung, mit an die Brust angezogenen Knien.

Bisher ging man davon aus, dass auf diese Weise nur Häuptlinge oder Vertreter des Adels bestattet werden konnten. Neben den Überresten fanden die Archäologen jedoch keine Kostbarkeiten, sondern Alltagsgegenstände: Keramik, Mühlsteine zum Mahlen von Getreide und Überreste aus der Eisenherstellung.

Das Interesse der Forscher galt insbesondere den Mahlsteinen. In der traditionellen Kultur vieler Völker werden diese mit weiblicher Arbeit in Verbindung gebracht. Möglicherweise nahmen einige der bestatteten Frauen eine wichtige Stellung in der Gesellschaft ein oder waren an religiösen Ritualen beteiligt.

Der ungewöhnlichste Fund war eine Einäscherung

Die seltenste Entdeckung war ein Tongefäß mit verkohlten Fragmenten eines menschlichen Schädels und von Zähnen.

Den Autoren der Studie zufolge handelt es sich hierbei um das einzige den Archäologen bekannte Beispiel einer antiken Feuerbestattung auf dem Gebiet Angolas.

Bislang können die Wissenschaftler noch nicht genau sagen, zu welchem Zweck ein solcher Ritus durchgeführt wurde. Möglicherweise stand er im Zusammenhang mit religiösen Zeremonien oder besonderen Bestattungstraditionen. Die Antwort auf diese Frage sollen künftige Untersuchungen liefern.

Warum dies wichtig ist

Der Fund zeigt, dass es bereits im 15. Jahrhundert in Zentralangola große Siedlungen mit eigenen Bautraditionen und Bestattungsriten gab.

Bislang wussten Wissenschaftler nur sehr wenig über diese Epoche, weshalb die neue Entdeckung zu einem besseren Verständnis der Geschichte der Region vor der Ankunft der Europäer beiträgt.

Obwohl ein Teil der Stätte bald unter Wasser stehen wird, haben Archäologen bereits ähnliche Steinbauten außerhalb des künftigen Stausees gefunden und hoffen, ihre Forschungen fortsetzen zu können.

Quelle

Studie: „First Evidence of Burial Practices and Stone Constructions from the 15th Century A.D. Pre-Colonial Middle Cuanza River, Angola“.

Zeitschrift: Journal of Field Archaeology (2026).