Die Knochen der Bewohner alter Dörfer haben das Geheimnis der Ernährung der Maya gelüftet

Die archäologische Stätte Kurukuitz im Südosten von Petén in Guatemala, wo auch heute noch Mais angebaut wird. Das untere Bild zeigt das Gefäß A-630 aus Ixtutza mit der Darstellung von vier Personen, die paarweise sitzen und aus einem Krug trinken. Quelle: Proyecto Atlas Arqueológico de Guatemala, CC BY-Lizenz.

Die meisten Untersuchungen zur Maya-Zivilisation befassen sich mit den Herrschern und den Bewohnern der Großstädte. Doch was die einfachen Menschen, die in kleinen Dörfern lebten, aßen, war den Wissenschaftlern lange Zeit kaum bekannt.

Nun hat ein internationales Forscherteam die Knochen und Zähne der Bewohner kleiner Siedlungen auf dem Gebiet des heutigen Guatemala untersucht. Es stellte sich heraus, dass Mais zwar tatsächlich die Grundlage ihrer Ernährung bildete, die Ernährung jedoch weitaus vielfältiger war, als bisher angenommen.

Details

Die Forscher analysierten die Überreste von 57 Personen sowie den Zahnschmelz von weiteren 37 Bewohnern kleiner Siedlungen im Südosten der Region Petén.

Um herauszufinden, wovon sich die Menschen ernährten, wandten die Wissenschaftler die Methode der Stabilisotopenanalyse an. Diese ermöglicht es, anhand der chemischen Zusammensetzung von Knochen und Zähnen zu bestimmen, welche Nahrungsmittel eine Person im Laufe ihres Lebens zu sich genommen hat.

Anschließend verglichen sie die gewonnenen Daten mit den Ergebnissen von Untersuchungen großer Maya-Städte wie Tikal, Calakmul und Caracol.

Die Untersuchung bestätigte, dass Mais nach wie vor das Hauptnahrungsmittel war.

Die Ernährung der Dorfbewohner beschränkte sich jedoch nicht ausschließlich darauf.

Sie verzehrten zudem Fleisch von Hirschen, Pekaris, Truthähnen und Hunden sowie in einigen Regionen Fisch, Weichtiere und Reptilien, die sie aus Flüssen und Seen gewannen.

Dies deutet darauf hin, dass die Menschen die natürlichen Ressourcen in der Umgebung ihrer Siedlungen aktiv nutzten.

Wissenschaftler stellten fest, dass die Ernährung von der jeweiligen Region abhing.

Die Bewohner der Bergregionen verzehrten mehr Mais.

Die Bewohner der Savannen hingegen nahmen aufgrund der Nähe zu Flüssen und Seen, in denen sie fischen und andere Wassertiere sammeln konnten, häufiger tierisches Eiweiß zu sich.

Den Forschern zufolge zeigt dies, dass die Maya in der Lage waren, sich an die Umweltbedingungen anzupassen.

Interessanterweise verzehrten kleine Kinder weniger Mais als Erwachsene.

Die Wissenschaftler erklären dies damit, dass Kinder zunächst mit Muttermilch ernährt wurden und später schrittweise auf normale Nahrung umstellten.

Frühere Untersuchungen zeigen, dass Kindern im Alter von etwa drei bis vier Jahren erstmals Atol gereicht wurde – ein traditioneller dickflüssiger Brei oder ein Getränk aus Mais.

Die Untersuchung ergab zudem, dass Mais auch am Ende der klassischen Periode, als viele Maya-Städte zu verfallen begannen, das Hauptnahrungsmittel blieb.

Gleichzeitig begannen die Menschen, verstärkt lokale Produkte zu nutzen. Nach Ansicht der Wissenschaftler half dies den Gemeinschaften, sich an politische und ökologische Veränderungen anzupassen.

Warum dies wichtig ist

Die Studie hat erstmals detailliert aufgezeigt, wovon sich nicht die Herrscher und der Adel, sondern die einfachen Bewohner kleiner Maya-Siedlungen ernährten.

Die Studie trägt zu einem besseren Verständnis des Alltagslebens der Menschen in der Antike bei und zeigt, dass sie den Ackerbau erfolgreich mit der Nutzung lokaler natürlicher Ressourcen verbanden.

Einschränkungen der Studie

Die Autoren untersuchten menschliche Überreste ausschließlich aus einer Region des heutigen Guatemala. Daher lassen sich die Ergebnisse nicht automatisch auf die gesamte Maya-Zivilisation übertragen.

Zudem lässt sich anhand der Analyse stabiler Isotope zwar die allgemeine Zusammensetzung der Ernährung bestimmen, jedoch nicht die genaue Auswahl der Speisen oder die Häufigkeit des Verzehrs einzelner Lebensmittel.

Quelle

Studie: Profiling the diets of Classic Maya communities living in Southeastern Petén through stable isotope analysis.

Zeitschrift: PLOS One (2026).