Die Menschen der Antike mieden Gebiete mit Malaria
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass antike Menschen in Afrika wahrscheinlich Gebiete mit einem hohen Malariarisiko gemieden haben. Das ist wichtig, denn bisher wurde die Ausbreitung früher Menschengruppen vor allem auf das Klima zurückgeführt, aber jetzt ist auch die Krankheit zu den Schlüsselfaktoren hinzugekommen.
Wir sprechen über einen Zeitraum von vor etwa 74.000 bis 5.000 Jahren.
Details
Die Autoren haben modelliert, wo sich Moskitos, die Plasmodium falciparum, die gefährlichste Form der Malaria, tragen, im alten Afrika verbreitet haben könnten. Dazu verwendeten sie Verbreitungsmodelle der drei wichtigsten Malariamückenkomplexe, alte Klimadaten und epidemiologische Informationen. Diese Karten wurden dann mit einer unabhängigen Rekonstruktion der Orte verglichen, an denen Menschen in den gleichen Zeiträumen gelebt haben könnten.
Das Ergebnis war recht eindeutig: Menschliche Gruppen, so legen die Modelle nahe, mieden Gebiete mit einem hohen Risiko der Malariaübertragung oder konnten sich dort nicht lange aufhalten. Im Gegensatz dazu erwiesen sich Gebiete mit geringer und unbeständiger Übertragung als besser geeignet zum Leben.
Den Forschern zufolge betraf dies mehr als nur das tägliche Überleben. Malaria konnte menschliche Gruppen in der Landschaft aufteilen, indem sie unterschiedliche "Korridore" und "Inseln" von Lebensräumen schuf und damit die Art und Weise beeinflusste, wie sich Populationen trafen, vermischten und Gene austauschten. Die Autoren bringen diesen Effekt ausdrücklich mit der Entstehung der modernen menschlichen Bevölkerungsstruktur in Verbindung.
Warum das wichtig ist
Die wichtigste Schlussfolgerung der Studie ist, dass nicht nur Temperatur, Feuchtigkeit und Topographie die frühe menschliche Geschichte beeinflusst haben. Auch Krankheiten könnten ein grundlegender Faktor gewesen sein, der bestimmte, wo die Menschen leben konnten, wohin sie zogen und wie eng sie miteinander in Kontakt kamen.
Dies verändert die Herangehensweise an das Studium der antiken menschlichen Besiedlung. Während man früher versuchte, die Landkarte der Menschheitsgeschichte vor allem durch das Klima zu erklären, schlagen die Forscher nun vor, auch die Landkarte der alten Krankheiten zu berücksichtigen.
Hintergrund
Die Autoren betonen, dass es sich nicht um direkte archäologische Spuren von Malaria handelt, sondern um eine modellbasierte Rekonstruktion. Das heißt, die Studie "beweist" nicht das Verhalten einer bestimmten Gruppe von Menschen, sondern zeigt eine konsistente Beziehung zwischen dem wahrgenommenen Malariarisiko und den Gebieten, in denen Menschen im alten Afrika lebten.
Die Arbeit konzentriert sich auf die Zeit vor der weiten Verbreitung der Landwirtschaft, als die Malariaübertragung noch nicht so stark durch die wirtschaftliche Aktivität der Menschen beeinflusst wurde.
Quelle
Die Studie von Margherita Colucci und Co-Autoren wurde in Science Advances veröffentlicht; sie wurde auch vom Institut für Geoanthropologie der Max-Planck-Gesellschaft angekündigt.