Die ukrainische Oper „Kreon“, die 250 Jahre lang verschollen war, wird auf europäischen Bühnen aufgeführt

Projektorganisatoren

Die ukrainische Oper „Kreont“ aus dem 18. Jahrhundert von Dmitri Bortnianski, deren Partitur fast 250 Jahre lang als verloren galt, soll auf europäischen Bühnen aufgeführt werden.

Die Initiatoren des internationalen Projekts möchten durch die Musik das ukrainische Kulturerbe vermitteln und es als untrennbaren Bestandteil der europäischen Kultur darstellen.

In der Ukraine wird die im 18. Jahrhundert komponierte und fast 250 Jahre lang verschollene Oper „Kreon“ von Dmytro Bortniansky wiederbelebt. Die Partitur wurde in der Azuda-Bibliothek in Lissabon gefunden.

Das Projekt sieht eine Premiere in Kiew sowie anschließende Aufführungen der Oper auf europäischen Bühnen vor, insbesondere in Warschau und Krakau, wie der Polnische Rundfunk berichtet.

Der Dirigent und Regisseur des Projekts, Herman Makarenko, betonte, dass „Kreon“ nicht nur Teil des ukrainischen, sondern auch des europäischen Kulturerbes sei. Seinen Worten zufolge behandelt die Oper Themen wie Freiheit, Demokratie und die Verantwortung der Machthaber, die auch heute noch aktuell sind.

Die Initiatoren des Projekts planen zudem eine Zusammenarbeit mit polnischen Künstlern, um dem europäischen Publikum die ukrainische klassische Musik in größerem Umfang näherzubringen.

Darüber berichteten im „Polnischen Radio für die Ukraine“ der Dirigent, Regisseur und Autor des Projekts, der UNESCO-Künstler „Im Namen des Friedens“ German Makarenko, sowie der Rektor der Nationalen Musikakademie der Ukraine und Akademiemitglied der Akademie der Künste der Ukraine, Maksym Timoschenko.

Die Oper „Kreon“ war das erste große Opernwerk von Dmitri Bortnjanski. Ihre Uraufführung fand am 26. November 1776 in Venedig im Teatro San Benedetto statt. Nach der erfolgreichen Uraufführung verschwand die Partitur und galt fast 250 Jahre lang als verloren.

Das Manuskript wurde in der Ajuda-Bibliothek in Lissabon gefunden. Im Jahr 2023 wurden die Noten in die Ukraine zurückgebracht, woraufhin die Arbeiten an der Rekonstruktion und Inszenierung der Oper begannen.

„Kreon“ basiert auf der Tragödie „Antigone“ von Sophokles. Dabei änderte Bortnianski das Ende des Werkes: Antigone bleibt am Leben, während das Volk gegen Kreon rebelliert und ihn seiner Macht enthebt.

Gerade diese Wendung in der Handlung halten die Autoren des Projekts heute für besonders aktuell.

Laut Herman Makarenko handelt die Oper nicht nur von antiker Geschichte, sondern auch von Freiheit, der Kraft der Gesellschaft und dem Widerstand gegen die Tyrannei.

„Dieses Werk handelt von Freiheit und der geistigen Stärke eines Volkes, das einen Tyrannen stürzt“, betonte Makarenko bei der Präsentation des Projekts.

Eines der Ziele des Projekts ist es, die Wahrnehmung von Bortniansky weltweit zu verändern. Laut Makarenko wurde sein Schaffen lange Zeit vor allem als Teil der russischen Musiktradition dargestellt.

Stattdessen betonen die Autoren des Projekts die ukrainische Herkunft des Komponisten und seine Verbindung zur europäischen Musikschule.

Bortniansky wurde in Hlukhiv geboren und studierte in Italien, wo er mit den führenden Musikern seiner Zeit zusammenarbeitete. Sein Schaffen wurde vom europäischen Musikumfeld des 18. Jahrhunderts geprägt.

„Wir möchten Bortniansky nicht nur Europa vorstellen, sondern auch ein gemeinsames Projekt mit polnischen Interpreten realisieren“, erklärte Makarenko in der Sendung.

Das internationale Projekt „Die Rückkehr von Dmitri Bortnjanskys erster Oper ‚Kreon‘ in die Welt“ begann im Jahr 2024. Nach einer Konzertaufführung in Kiew im November 2024 kehrte die Oper auf die Theaterbühne zurück – die Premiere fand im Oktober 2025 in Tscherniwzi statt.

Nun planen die Organisatoren, die europäische Etappe des Projekts fortzusetzen. Zu den Städten, in denen „Kreon“ aufgeführt werden soll, gehören Warschau und Krakau.

Makarenko betont, dass der Zusammenarbeit mit polnischen Musikern und Interpreten besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden soll. Auf diese Weise soll das Projekt nicht nur eine Präsentation ukrainischer Musik sein, sondern auch eine gemeinsame kulturelle Initiative der Ukraine und europäischer Länder.

Die Gesprächsteilnehmer betonten, dass die Entstehung von „Kreont“ im 18. Jahrhundert kein Zufall war. In der Ukraine gab es bereits eine professionelle Musikschule, insbesondere in Hlukhiv, wo eine Gesangsschule bestand.

Genau aus dieser Tradition gingen Dmitri Bortnianski, Maxim Berezowski und Artemi Vedel hervor.

„Die ukrainische Musikschule entstand nicht aus dem Nichts“, betonte Makarenko, als er über die musikalische Tradition der Hetmanat und Bortnianskys Ausbildung in Italien sprach.

Maxim Timoschenko hob zudem hervor, dass solche Projekte jungen ukrainischen Musikern die Möglichkeit bieten, mit führenden Interpreten zusammenzuarbeiten und die ukrainische Kultur im Ausland zu präsentieren.

Ein eigenständiger Teil des Projekts war die vollständige Studioaufnahme von „Kreon“, die auf internationalen Streaming-Plattformen veröffentlicht wurde.

Die Initiatoren des Projekts sind der Ansicht, dass die Rückkehr der Oper auf die europäischen Bühnen dazu beitragen wird, einem internationalen Publikum nicht nur Bortnianskij, sondern auch die jahrhundertealte ukrainische Musiktradition näherzubringen.

Wir müssen unsere Beziehungen vor allem durch die Kultur stärken. Und trotz schwieriger Momente, Falschmeldungen und dergleichen müssen wir uns auf das konzentrieren, was uns verbindet. „Kreont“ ist genau ein solches Projekt“, betonte German Makarenko.

Die Organisatoren planen, die Aufführung der Oper in Europa fortzusetzen, insbesondere unter Mitwirkung ukrainischer und polnischer Künstler. Das Projekt wird unter der Schirmherrschaft der UNESCO durchgeführt.