Ein Chamäleon-Tintenfisch wurde in einer Tiefe von 4.100 Metern entdeckt

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Ein Tintenfisch wurde im Pazifischen Ozean gefilmt, der sich als "Stängel" von Schwämmen auf dem Meeresboden tarnte
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Ökologie (2025). DOI: 10.1002/ecy.70257
21:00, 16.12.2025

Wissenschaftler haben das ungewöhnliche Verhalten eines Tiefseekalmars im Pazifik aufgezeichnet: Das Tier grub sich in den Schlamm zwischen polymetallischen Knollen ein und tarnte sich bewegungslos unter den "Stämmen" von Meeresschwämmen.



Die Beobachtung wurde im März 2023 während visueller Untersuchungen von Abyssal-Ebenen in der Clarion-Clipperton Zone (CCZ) mit einem ferngesteuerten Fahrzeug (ROV) gemacht. Eine Beschreibung des Fundes ist in der Zeitschrift Ecology veröffentlicht.

Kopffüßer - Tintenfische und Kraken - sind überall im Ozean zu finden, auch in der Tiefsee, aber über ihr Verhalten und ihre Verbreitung im Abyssal ist nur wenig bekannt. Der Grund dafür ist die Schwierigkeit der Erforschung des Meeresbodens, die vermutlich geringe Anzahl dieser Tiere und ihre Fähigkeit, Beobachtungstechniken zu vermeiden.

"Sie verstecken sich im Verborgenen."

Während der Fahrt des ROVs in einer Tiefe von etwa 4.100 Metern nahm die Bordkamera zunächst etwas auf, das die Forscher für biogene "Stämme" hielten - Strukturen, die an Glasschwämme oder große röhrenförmige Würmer erinnern. Doch einige Sekunden später fing die nach unten gerichtete Kamera einen Tintenfisch ein, der scharf ins Bild schwamm.

Bei der erneuten Betrachtung der Aufnahmen entdeckte das Team ein unerwartetes Detail: Der Tintenfisch war teilweise im Schlamm eingegraben und lag zwischen den Knötchen, so dass er praktisch unsichtbar blieb. Auf den Aufnahmen erschien er bewegungslos und mit dem Kopf nach unten, wobei sein Siphon und zwei längliche Tentakel nach oben ragten - so dass sie den dünnen "Stämmen" von benthischen Organismen ähnelten. Der Tintenfisch wurde erst sichtbar, als er aufhörte, sich zu tarnen und wegschwamm - wahrscheinlich wegen der Annäherung des Fahrzeugs.

Das Tier wurde mit kurzen Armen und langen weißen Tentakeln beschrieben. Der Mantel war etwa 10 cm lang und die Tentakel waren etwa 22 cm lang. Die Forscher vermuten, dass es sich um ein Mitglied der Familie Mastigoteuthidae (die so genannten "Peitschen-Tintenfische") und möglicherweise um eine noch zu beschreibende Art handelt.

Ist er selten oder nur gut im Verstecken?

Die Autoren glauben, dass die Tintenfische ein "Maskierungs"-Verhalten an den Tag legten, d.h. sie ahmten Elemente der Umgebung nach, um sich vor Raubtieren (wie z.B. Schnabelwalen) zu verstecken oder sich umgekehrt zu tarnen, um Beute zu erbeuten. Diese Art der Jagd kann Energie sparen: Sich zu verstecken ist einfacher als die Beute aktiv zu verfolgen.

Den Forschern zufolge ist dies die erste bekannte Beobachtung von "Maskerade" bei Tiefsee-Cephalopoden. Zuvor waren im abyssalen Nordostpazifik Peitschenkalmare nur ein einziges Mal und alle Kopffüßer in der Region seit den 1970er Jahren nur sehr selten beobachtet worden. Der neue Fund deutet darauf hin: Die Tiere sind vielleicht nicht so sehr selten, sondern eher zu unauffällig - und in der Lage, Beobachtungsplattformen zu meiden oder zu "täuschen".

Warum das wichtig ist

Die Forscher erinnern uns daran, dass abyssale Gebiete zunehmend bedroht sind, von der Versauerung der Ozeane aufgrund des Klimawandels bis hin zur Aussicht auf Tiefseebergbau, insbesondere in Gebieten mit polymetallischen Knollen. Abyssal-Ebenen bedecken mehr als die Hälfte der Erdoberfläche, und die Studie unterstreicht, wie wenig wir über das Leben in diesen Tiefen wissen. Die Autoren fordern gezieltere Studien mit weniger 'aufdringlichen' Kameras, um die Vielfalt und das Verhalten der Tiefseearten besser beurteilen zu können, bevor sich die Lebensräume rapide verändern.

Mykola Potyka

Mykola Potyka verfügt über ein breites Spektrum an Kenntnissen und Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen. Mykola schreibt auf interessante Weise über Dinge, die ihn interessieren.

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