Ein winziger Vogel aus der Jurazeit hat gezeigt, wie die Dinosaurier ihren Schwanz verloren haben
Ein winziger Vogel, der vor etwa 150 Millionen Jahren lebte, hat dazu beigetragen, zu verstehen, wie sich der lange Schwanz der Dinosaurier allmählich in den kurzen Schwanz der heutigen Vögel verwandelte. Die neue Art wurde „Zhengheornis buyu“ genannt. Sie wurde in Ablagerungen aus der Jurazeit im Südosten Chinas gefunden.
Der wichtigste Fund ist der Schwanz. Bei Dinosauriern war dieser in der Regel lang und bestand aus Dutzenden von Wirbeln. Bei heutigen Vögeln ist der knöcherne Schwanz kurz, und an seinem Ende befindet sich der Pygostyl – ein verwachsenes KÖSTCHEN, an dem die Steuerfedern befestigt sind. Bei Zhengheornis war der Schwanz bereits stark verkürzt, doch ein Pygostyl war noch nicht vorhanden.
Dies zeigt: Vögel haben ihren Schwanz nicht in einem einzigen abrupten evolutionären Sprung „verloren“. Zunächst verringerten sich bei den frühen Vögeln die Anzahl und die Länge der Schwanzwirbel, und erst danach entstand der kurze, verwachsene Schwanz moderner Art.
Details
Das Fossil wurde in der Nanyuan-Formation in der Provinz Fujian, China, gefunden. Das Alter des Fundes wird auf etwa 148–150 Millionen Jahre geschätzt, was dem späten Jura entspricht – einer Zeit, in der frühe Vögel und ihre nahen Verwandten bereits aktiv mit verschiedenen Körperformen experimentierten.
Das Skelett ist recht gut erhalten. Um die Knochen herum sind Spuren von Federn zu erkennen, und das Tier selbst war sehr klein: Nach Schätzungen der Forscher wog es etwa 74–163 Gramm. Das ist weniger als bei vielen bekannten frühen vogelähnlichen Formen.
Zum Vergleich: Der Archaeopteryx, eines der bekanntesten frühen vogelähnlichen Tiere, besaß etwa 23–24 Schwanzwirbel. Beim Zhengheornis sind es nur 15. Diese Wirbel sind jedoch noch nicht zu einem Pygostyl verwachsen, wie es bei heutigen Vögeln der Fall ist.
Warum ist der Schwanz so wichtig?
Der Schwanz ist nicht einfach nur ein „überflüssiges Körperteil“. Bei Dinosauriern trug der lange Schwanz dazu bei, das Gleichgewicht zu halten. Für Tiere, die zum aktiven Flug übergingen, wurde ein langer, schwerer Schwanz jedoch zu einem Problem.
Ein kurzer Schwanz macht den Körper leichter, verringert den Luftwiderstand und hilft dabei, den Schwerpunkt nach vorne zu verlagern. Dies ist wichtig für die Stabilität in der Luft. Bei heutigen Vögeln fungieren die Schwanzfedern zudem als Steuerungssystem: Sie helfen beim Manövrieren, Bremsen und Richtungswechsel.
Daher ist die Frage „Wie verschwand der Dinosaurierschwanz?“ Teil einer größeren Frage darüber, wie sich der Körper der Vögel für den Flug geeignet hat.
Was der neue Vogel gezeigt hat
Vor diesem Fund erschien das Gesamtbild unvollständig. Im Fossilienbestand gab es frühe Vögel mit langen Schwänzen und spätere Formen mit kurzem Schwanz und Pigostyl. Daher könnte es den Anschein gemacht haben, dass der Übergang schnell vonstattenging.
Zhengheornis füllt eine wichtige Lücke. Sein Schwanz war bereits kurz geworden, hatte jedoch noch nicht seine endgültige, heutige Form angenommen. Dieser Zwischenzustand verdeutlicht ein schrittweises Szenario: Zunächst verkürzte sich der Schwanz, dann wuchsen seine Endwirbel zum Pigostyl zusammen.
Einfacher ausgedrückt: Die Evolution hat zunächst die „überflüssige Länge“ entfernt und erst danach einen neuen Schwanzmechanismus zur Steuerung der Federn entwickelt.
Warum dies wichtig ist
Vögel stammen von Theropoden-Dinosauriern ab, und ihr Körper hat sich nicht von heute auf morgen verändert. Flügel, Federn, ein leichtes Skelett, ein verkürzter Schwanz, ein verlagertes Schwerpunktzentrum – all dies entwickelte sich schrittweise.
Zhengheornis veranschaulicht einen dieser Schritte. Es handelte sich bereits um einen kleinen, gefiederten Fluganwärter, doch sein Schwanz war noch nicht wie bei heutigen Vögeln aufgebaut. Daher ermöglicht dieser Fund einen Einblick nicht in das fertige Ergebnis, sondern in den Umbauprozess des Körpers selbst.
Die Autoren der Studie weisen zudem darauf hin, dass Zhengheornis bereits der vierte frühe Vogel aus der Fauna von Zhenghe ist. Dies deutet darauf hin, dass die frühen Vögel gegen Ende der Jurazeit vielfältiger waren, als bisher angenommen. Einige Arten waren möglicherweise besser an das Leben am Boden angepasst, andere an das Leben in den Bäumen, während Zhengheornis keine derart offensichtliche Spezialisierung aufweist.
Hintergrund
Der berühmteste frühe „vogelähnliche“ Dinosaurier ist der Archaeopteryx. Er lebte etwa im selben großen Jura-Zeitfenster und vereinte vogel- und dinosaurierartige Merkmale: Federn und Flügel, aber auch Zähne, Krallen und einen langen knöchernen Schwanz.
Heutige Vögel sind anders aufgebaut. Ihre Schwanzwirbel sind stark verkürzt, und an deren Ende befindet sich der Pygostyl. Dieser Knochen hilft dabei, den Federfächer zu halten, der für die Flugsteuerung wichtig ist.
Lange Zeit fehlten den Wissenschaftlern gut erhaltene Fossilien, die Übergangsstadien zwischen dem langen Schwanz und dem kurzen Schwanz mit Pygostyl zeigten. Zhengheornis liefert genau diesen seltenen „Zwischenmoment“.
Quelle
Studie: Min Wang et al., „Jurassic avialan reveals stepwise evolution of bony tail in birds“, Science Advances, 2026.