Friedrich Merz sucht den Dialog mit Trump. Wie wird sich das auf die Ukraine auswirken?

Friedrich Merz hat sein Amt als Bundeskanzler erst vor einem Monat angetreten. In dieser Zeit hat er sich mit einem Dutzend Staats- und Regierungschefs aus aller Welt getroffen und dabei betont, dass die Außenpolitik für ihn oberste Priorität hat.

Er steht nun vor einer entscheidenden Prüfung - einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump am 5. Juni in Washington.

Dirk Emmerich, ein erfahrener Kriegsberichterstatter und Experte für internationale Politik, weist darauf hin:

"Man kann Merz nicht vorwerfen, dass er zaudert. Deutschland ist entschlossen, eine aktive Rolle in der Außenpolitik zu spielen, und der neue Bundeskanzler legt ein hohes Tempo vor. Zusammen mit Frankreich, Großbritannien und Polen hat er bereits ein Quartett gebildet, das eine neue europäische Entschlossenheit zur Ukraine demonstriert."

Allerdings sind nicht alle Initiativen von Merz erfolgreich gewesen, so der Autor. Das jüngste Ultimatum Russlands für einen sofortigen Waffenstillstand hat keine Wirkung gezeigt:

"Vor drei Wochen stellte das neue Quartett Russland ein Ultimatum und drohte mit harten Sanktionen, falls Moskau nicht innerhalb von 48 Stunden einen Waffenstillstand ausrufen würde. Passiert ist fast nichts - das Ultimatum erwies sich als leerer Schall", betont Emmerich.

Auch die Erklärung der Kanzlerin, die Reichweitenbeschränkungen für westliche Waffen für die Ukraine aufzuheben, wurde zweideutig aufgenommen. Viele verstanden sie als Bereitschaft zur Lieferung von TAURUS-Raketen. Doch am nächsten Tag stellte Merz klar, dass es in Wirklichkeit keine Änderung gab. Laut Emmerich:

"Es stellt sich die Frage: Warum wurde eine mutige Erklärung über die Aufhebung der Beschränkungen abgegeben, wenn keine wirklichen Maßnahmen ergriffen wurden?"

Die russische Propaganda hat den neuen deutschen Bundeskanzler bereits offen ins Fadenkreuz genommen, indem sie ihn mit Nazi-Soldaten vergleicht und ihm vorwirft, er wolle "das Land in einen Krieg mit Russland ziehen." Das bedeutet laut Emmerich, dass die Äußerungen Berlins den Kreml tatsächlich alarmiert haben.

Besonders wichtig ist das bevorstehende Treffen mit Trump. Emmerich spekuliert:

"Merz könnte es schaffen, Donald Trump auf die Seite Europas zu ziehen. Sein persönlicher Charme und sein diplomatisches Geschick könnten die schäbigen transatlantischen Beziehungen verbessern."

Unterdessen setzt die Ukraine Russland weiterhin auf eigene Faust unter Druck. Spektakuläre ukrainische Drohnenangriffe auf russische Luftwaffenstützpunkte, so der Autor, zeigen, dass:

"Die Ukraine ist noch sehr weit von einer Niederlage entfernt. Moskau befand sich nach diesen Angriffen in einem Schockzustand."

Deshalb hängt auch viel von Mertz' Besuch in Washington ab. Laut Emmerich:

"Europa ist sich bewusst, dass es auf absehbare Zeit nicht in der Lage sein wird, die Ukraine allein gegen die russische Aggression zu verteidigen. Trump ist für Europa als Verbündeter notwendig."

Das Treffen am 5. Juni im Weißen Haus wird ein Test für die neue Kanzlerin und eine Gelegenheit sein, die Einheit der westlichen Welt angesichts der russischen Bedrohung zu bekräftigen.

Zur Erinnerung: Der US-Senat bereitet sich darauf vor, einen Gesetzentwurf über neue Sanktionen gegen Russland zu prüfen. Trump, dem vorgeworfen wird, Putin gegenüber nachgiebig zu sein, hat eine Chance erhalten: Er kann den ukrainischen Erfolg bei den Angriffen auf russische Luftwaffenstützpunkte als Druckmittel einsetzen.

Er kann erklären: entweder stimmt Putin einem Waffenstillstand zu oder die Sanktionen werden verschärft. Damit kann Trump zeigen, dass er immer noch die Kontrolle hat - und vielleicht sein Ziel eines langfristigen Friedens zu seinen Bedingungen erreichen.

Wie bereits berichtet, fand die zweite Runde der Gespräche zwischen Kiew und Moskau am 2. Juni in Istanbul statt.

Die wichtigsten Punkte der Unterrichtung durch die ukrainische Delegation über die Ergebnisse der zweiten Gesprächsrunde in Istanbul:

Vertreter der ukrainischen Delegation - der ukrainische Verteidigungsminister Rustem Umierov, der stellvertretende Außenminister Serhiy Kislitsa und der stellvertretende Leiter der Hauptnachrichtendirektion des Verteidigungsministeriums Vadym Skibitsky - informierten Journalisten über die Ergebnisse der Gespräche mit der russischen Delegation in der Türkei.

▫️Россия hat einem Waffenstillstand und einem Treffen der Führer nicht zugestimmt. Die einzige Einigung, die erzielt wurde, war die Frage des Gefangenenaustauschs.

▫️Если wenn die Russen wirklich zu einem Waffenstillstand bereit wären, wären ihre Flugzeuge nicht in die Luft gesprengt worden.

▫️По über die Freilassung von Gefangenen einigten sich die Seiten darauf, sich auf drei Kategorien zu konzentrieren: Schwerverwundete und Schwerkranke, junge Soldaten im Alter von 18 bis 25 Jahren und die Leichen toter Soldaten in einem Format von 6.000 mal 6.000.

▫️Украина bestand auf der Rückkehr der ukrainischen Kinder, die Russland illegal aus den vorübergehend besetzten Gebieten deportiert hatte.

▫️Украинская Seite hat erst heute ein "Memorandum" von Russland erhalten. Die Verhandlungsteams werden eine Woche Zeit haben, es zu studieren. Danach werden sich die Seiten auf weitere Schritte einigen.

▫️Все Schlüsselfragen können nur bei einem Treffen der Staats- und Regierungschefs geklärt werden. Die weitere Arbeit der Verhandlungsgruppe macht nur Sinn, wenn sie auf die Vorbereitung eines solchen Treffens abzielt.

▫️Украина fordert eine echte Arbeit zur Beendigung des Krieges.

▫️Киев möchte, dass die europäischen und amerikanischen Partner in den Verhandlungsprozess einbezogen werden.

▫️Прекращение des Waffenstillstands ist die Grundlage für künftige Verhandlungen über einen dauerhaften Frieden.

▫️Украина schlug vor, dass Russland zwischen dem 20. und 30. Juni ein weiteres Treffen abhalten sollte.