In Los Angeles wurde eine neue Krötenart aus der Eiszeit entdeckt

Dieser unvollständige Kreuzbein-Wachstumsknochen – der untere Teil der Wirbelsäule, der mit dem Becken verbunden ist – diente als Typusexemplar, anhand dessen die neue Art Spea labreae beschrieben wurde. Quelle: Dr. Alberto Cruz.

Wissenschaftler haben eine bisher unbekannte Krötenart beschrieben, die während der Eiszeit auf dem Gebiet des heutigen Los Angeles lebte. Die Entdeckung gelang dank eines kleinen Knochens, der bereits in den 1950er Jahren gefunden worden war und jahrzehntelang in der Sammlung der La-Brea-Teergruben aufbewahrt wurde. Die neue Art erhielt den Namen Spea labreae.

Der Forscher Alberto Cruz untersuchte im Museum aufbewahrte Knochen urzeitlicher Amphibien und Reptilien, als ihm ein ungewöhnliches Fragment auffiel. Es handelte sich um einen Teil des unteren Wirbelsäulenabschnitts, der mit dem Becken verbunden war.

Zunächst vermutete der Wissenschaftler, dass die seltsame Form des Knochens auf eine Erkrankung oder eine Verletzung zurückzuführen sein könnte. Ein Vergleich mit heutigen Spatenfußfröschen ergab jedoch, dass sich der Fund deutlich von allen bekannten Arten unterscheidet.

Um dies zu überprüfen, untersuchte Cruz die Form und Größe der Knochen aus La Brea und verglich sie mit 80 Exemplaren aus den Museumssammlungen von Los Angeles und der University of California in Berkeley. Im Ergebnis kamen die Forscher zu dem Schluss, dass der Knochen zu einer eigenständigen, bisher unbekannten Art gehörte.

Details

Das Material wurde bereits in den 1950er Jahren entdeckt, doch die Amphibiensammlung von La Brea war fast 30 Jahre lang nicht eingehend überprüft worden.

Dies zeigt, dass neue Arten nicht nur bei Ausgrabungen entdeckt werden können. Manchmal liegen wichtige Funde bereits in den Depots der Museen, doch ihre Bedeutung wird erst nach einer erneuten Untersuchung und einem Vergleich mit heutigen Tieren deutlich.

Spea labreae ist die erste neue Art eines ausgestorbenen Amphibiums, die anhand von Fundmaterial aus La Brea beschrieben wurde. Nach Angaben des Museums war zuvor in Nordamerika nur eine einzige weitere ausgestorbene Amphibienart aus dem Pleistozän bekannt – ein fossiler Baumfrosch aus Florida.

Die Harzgruben von La Brea sind vor allem für die Überreste von Mammuts, riesigen Faultieren und Säbelzahnkatzen bekannt. Doch auch kleine Frösche, Kröten und Eidechsen können Wissenschaftlern nicht weniger Aufschluss über die Vergangenheit geben.

Solche Tiere entfernen sich in der Regel nicht weit von ihrem Lebensraum und reagieren schnell auf Veränderungen der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit und der Vegetation. Daher hilft ihre Anwesenheit oder ihr Verschwinden dabei, zu verstehen, wie die Umwelt in einem bestimmten Zeitraum beschaffen war.

Die zerbrechlichen Knochen von Amphibien bleiben selten erhalten. Die Harzablagerungen von La Brea schaffen ungewöhnliche Bedingungen, unter denen selbst sehr kleine Überreste bis in die Gegenwart erhalten bleiben können.

In Los Angeles lebten auch andere ungewöhnliche Kröten

Im Rahmen derselben Forschungsarbeiten entdeckten Wissenschaftler in La Brea erstmals Überreste einer mexikanischen Grabkröte. Heute kommt diese Art in Los Angeles nicht mehr vor, und ihre nächstgelegenen Populationen leben etwa 2.500 Kilometer südlich – in Mexiko.

Eine derart große Veränderung des Verbreitungsgebiets zeigt, wie stark sich die Natur der Region nach dem Ende der Eiszeit gewandelt hat. Zusammen mit dem Verschwinden von Spea labreae trägt dieser Fund dazu bei, die Geschichte der lokalen Umwelt zu rekonstruieren.

Warum dies wichtig ist

Die Wissenschaftler behaupten nicht, dass die neue Art gerade wegen der Erwärmung oder einer anderen konkreten Klimaveränderung ausgestorben ist. Anhand eines einzigen Knochens lässt sich die Ursache für das Aussterben nicht genau bestimmen.

Der Fund bestätigt jedoch, dass das alte Los Angeles Amphibien beheimatete, die heute in dieser Region nicht mehr vorkommen. Die Erforschung solcher Tiere ermöglicht ein genaueres Verständnis dafür, wie verschiedene Arten in der Vergangenheit auf Veränderungen ihrer Umwelt reagiert haben.

Quelle

Studie: Alberto Cruz et al. „A new extinct Pleistocene species of spadefoot toad and comments on the paleoecology and paleobiogeography of anurans from Rancho La Brea, California“.

Zeitschrift: Journal of Vertebrate Paleontology, 2026.