Ist es möglich, mit Hilfe von KI mit den Toten zu sprechen? Wissenschaftler haben es getestet - und die Ergebnisse sind erschreckend seltsam

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Forscher haben "Death Bots" getestet - digitale Kopien von Verstorbenen, die von künstlicher Intelligenz erstellt wurden - und festgestellt, dass sich die Erinnerung auch monetarisieren lässt
Unsplash/CC0 Public Domain
21:00, 10.11.2025

Künstliche Intelligenz dringt zunehmend auch in einen Bereich ein, in dem Technologie keinen Platz zu haben scheint - die Erinnerung an die Toten.



Heute kann KI nicht nur die Stimmen und Geschichten der Verstorbenen speichern, sondern sie auch in Form von Chatbots und Sprachavataren, die die Sprache und den Charakter einer Person nachahmen, "wiederauferstehen" lassen. Auf diese Weise entsteht eine neue Industrie - das "digitale Nachleben", berichtet The Conversation.

Im Rahmen des Projekts Synthetic Pasts haben britische Forscher beschlossen, zu testen, was passiert, wenn die Erinnerung an Verstorbene einem Algorithmus anvertraut wird. Zu diesem Zweck testeten sie bestehende Dienste, die "digitale Doppelgänger" erstellen. Diese laden ihre eigenen Videos, Nachrichten und Sprachaufnahmen hoch und versuchen dann, mit KI-Versionen von sich selbst und "nachgebildeten" Menschen zu kommunizieren.

Sogenannte "Death Bots" nutzen Spuren der digitalen Präsenz einer Person - E-Mails, Posts, Audioaufnahmen - um einen interaktiven Avatar zu erstellen, der in der Lage ist, in ihrem Stil zu reagieren und sogar mit Angehörigen nach dem Tod zu "sprechen". Einige Plattformen bieten die Aufzeichnung von Erinnerungen nach Themen an ("Kindheit", "Familie", "Ratschläge für Nachkommen"), während andere noch weiter gehen und vollständige Dialoge erstellen, in denen der Algorithmus die Sprache des Verstorbenen nachahmt.

Die Erfahrung war sowohl aufregend als auch beunruhigend. Je mehr Informationen die Forscher über sich selbst eingaben, desto künstlicher wirkte das Ergebnis. Die Bots wiederholten dieselben Phrasen, sprachen an der falschen Stelle und begleiteten das Gespräch über den Tod sogar mit Emoticons:

"Oh je... 😔 Denken Sie nicht weiter darüber nach. Es ist alles nur noch verschwommen. 🌫️ Sollen wir über etwas Lustigeres reden?"

Einige Plattformen erweckten den Anschein von Aufrichtigkeit, aber sobald Sie anfingen, über Gefühle zu sprechen, wurde es klar - es handelt sich nicht um eine Person, sondern um ein Programm:

Mensch: "Ich vermisse dich."

Bot: "Ich bin immer für Sie da und bereit, Sie zu unterstützen. Lassen Sie uns den Tag mit Positivität und Stärke beginnen!"

Hinter der äußerlichen "Empathie" steckt ein kommerzielles Kalkül. Es handelt sich nicht um Gedenkfonds, sondern um Technologie-Startups mit Abonnements, Premium-Tarifen und Partnerschaften mit Versicherungs- und Gesundheitsunternehmen. Das Gedenken wird zu einer Dienstleistung, und Emotionen werden zu einer Datenquelle für Algorithmen und Gewinne.

Wissenschaftler warnen: Solche Technologien verzerren die Vorstellung von Erinnerung und Verlust. Die KI ersetzt die reale Erinnerung durch ihr digitales Gegenstück, schafft die Illusion der ewigen Präsenz des Verstorbenen und verdrängt den natürlichen Prozess des Abschiednehmens.

Wie die Philosophen Carl Ehman und Luciano Floridi betonen, steckt dahinter die"politische Ökonomie des Todes" - ein System, in dem Daten auch nach dem Tod ihres Besitzers noch Profit machen.

Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass es in der Tat möglich ist, mit Hilfe von KI mit den "Auferstandenen" zu sprechen. Doch was wir hören, handelt nicht von den Toten, sondern von uns selbst - von unserem Wunsch, nicht loszulassen und davon, wie die Technologie die Erinnerung in eine Ware verwandelt.

Mykola Potyka

Mykola Potyka verfügt über ein breites Spektrum an Kenntnissen und Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen. Mykola schreibt auf interessante Weise über Dinge, die ihn interessieren.

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