Merkel: Trump sehnt sich nach Aufmerksamkeit und verfolgt eine Politik des Effekts, nicht des Ergebnisses

Alexandros Beltes über EPA

Die ehemalige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich hart über Donald Trump geäußert. Sie nannte ihn einen Politiker, der das Spektakel und die persönliche Aufmerksamkeit sucht.

Sie sagte dies bei der Präsentation der griechischen Übersetzung ihrer Memoiren "Freiheit" in Athen, berichtete Politico.

Bei einer von der Zeitung Kathimerini organisierten Veranstaltung erinnerte sich Merkel an den Moment, als sie Trump im März 2017 im Oval Office traf - als er sich weigerte, ihr die Hand zu schütteln, dies aber außerhalb des Büros tat, wo es keine Kameras gab.

"Ich habe den Fehler gemacht, zu sagen: 'Donald, wir sollten uns die Hand geben' - und er weigerte sich", verriet sie. - Er wollte Aufmerksamkeit erregen. Das ist es, was er will: Er will alle ablenken und im Mittelpunkt stehen. Das sieht man auch an der Art und Weise, wie er Pflichten auferlegt. Er tut es, um im Mittelpunkt zu stehen, nicht wegen des Ergebnisses."

Nach Merkels Ansicht handelte Trump nicht als Staatsmann, sondern als ehemaliger Geschäftsmann. In ihrem Buch stellt sie fest, dass er die Politik genauso schätzte wie Immobiliengeschäfte:

"Wenn er etwas nicht bekam - dann bekam es jemand anderes." Mit anderen Worten: "Er betrachtete den Erfolg eines Staates als die Niederlage eines anderen."

Merkel betonte: Diese Herangehensweise an die internationalen Beziehungen zerstört die Prinzipien der Zusammenarbeit und Solidarität, die für Europa besonders wichtig sind.

"Selbst Amerika kann nicht allein überleben", fügte sie hinzu.

Angesichts der neuen Herausforderungen rief Merkel die EU zur Entschlossenheit auf:

"Wenn Trump wieder Zölle verhängt - dürfen wir nicht darüber hinweggehen. Europa muss geeint sein und symmetrisch reagieren. Ich sage nicht, dass wir die Beziehungen zu den USA abbrechen sollten, aber wir haben die Pflicht, auf Augenhöhe zu verhandeln."

Merkels Bedenken wurden auch durch die jüngsten Äußerungen des US-Vizepräsidenten J.D. Vance genährt, der sagte, dass Verbündete nur unterstützt werden können, wenn sie "das amerikanische Verständnis von Freiheit" teilen.

"Das ist eine Bedrohung für die Demokratie", warnte die ehemalige Bundeskanzlerin.