Neigen sogar Atheisten zum Glauben? Eine neue Studie hat Wissenschaftler überrascht
Eine neue internationale Studie hat ergeben, dass selbst Atheisten, die in Ländern mit einer sehr geringen Religiosität leben, unbewusst den religiösen Glauben dem Nicht-Glauben vorziehen.
Forscher mehrerer Universitäten, darunter die Brunel University und Royal Holloway (UK), führten ein Experiment mit Bewohnern von acht Ländern mit geringer Religiosität durch: Kanada, China, Tschechische Republik, Japan, Niederlande, Schweden, UK und Vietnam.
Details: Will M. Gervais et al, Belief in belief: Even atheists in secular countries show intuitive preferences favouring religious belief, Proceedings of the National Academy of Sciences (2025). DOI: 10.1073/pnas.2404720122
Die Studie machte sich ein psychologisches Phänomen zunutze, das als "Noba-Effekt" bekannt ist. Dieses Phänomen zeigt, dass Menschen dazu neigen, Handlungen als absichtlich zu betrachten, wenn ihre Folgen eher schädlich als nützlich sind. In diesem Fall untersuchten die Wissenschaftler, wie Menschen eine Situation bewerten, in der die Handlungen einer Person andere entweder zur Religiosität oder zum Atheismus führen.
Die Ergebnisse waren unerwartet: Die meisten Teilnehmer des Experiments glaubten, dass die Handlungen, die zur Abkehr von der Religion und zum Übergang zum Atheismus führten, absichtlich vorgenommen wurden. Dies deutet darauf hin, dass die Menschen Religiosität unbewusst als positives Phänomen und Atheismus als etwas Unerwünschtes wahrnehmen.
Besonders interessant war, dass solche intuitiven Einstellungen nicht nur für Gläubige charakteristisch waren, sondern auch für diejenigen, die sich selbst als Atheisten bezeichneten.
Der Leiter der Studie, Dr. Will Gervais, stellte fest, dass selbst in Gesellschaften, in denen die Religiosität abnimmt, die Überzeugung, dass der Glaube an etwas Übernatürliches an sich positiv ist, auf einer tiefen unterbewussten Ebene fortbesteht.
Professor Ryan Mackay fügte hinzu, dass diese Forschung verdeutlicht, wie stark religiöse Traditionen unser Unterbewusstsein beeinflussen, selbst wenn die Religion selbst offiziell ins Abseits gestellt wird. Menschen, auch überzeugte Atheisten, glauben innerlich immer noch, dass der Glaube an Gott oder eine höhere Macht "richtiger" ist als kein solcher Glaube.
Die Autoren der Studie glauben, dass diese Daten ein komplexeres Bild des Säkularisierungsprozesses zeigen, als gemeinhin angenommen wird. Selbst wenn Menschen nicht mehr in die Kirche gehen und sich offiziell als Nicht-Gläubige bezeichnen, empfinden viele Menschen unbewusst religiöse Überzeugungen weiterhin als natürlich und vorteilhaft.