'Planet Neun': Warum Wissenschaftler immer noch an einen Riesen am Rande des Sonnensystems glauben
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Gibt es einen massiven, bisher unentdeckten Planeten am Rande des Sonnensystems?
Die Idee eines mysteriösen "Planeten X" beschäftigt die Wissenschaftler schon seit dem frühen zwanzigsten Jahrhundert, lange vor der Entdeckung des Pluto. Zunächst erklärte die Hypothese die Merkwürdigkeiten in der Umlaufbahn des Uranus, die von der erwarteten Flugbahn abwich. Die Wissenschaftler glaubten, dass die Umlaufbahn durch die Schwerkraft eines unbekannten Objekts beeinflusst wurde, das viel massereicher als die Erde war.
Später, in den 1990er Jahren, wurde dieses Rätsel durch eine Neuberechnung der Masse des Neptun gelöst. Doch damit war die Suche noch nicht beendet: 2016 stellten die Astronomen des California Institute of Technology Konstantin Batygin und Mike Brown eine neue Theorie über die Existenz des "Planeten Neun" auf. Dies berichtet die Zeitschrift The Conversation.
Das Geheimnis des Kuipergürtels
Die Theorie von Batygin und Brown bezieht sich auf den Kuipergürtel - eine riesige Region jenseits der Umlaufbahn des Neptun, die mit Zwergplaneten, Asteroiden und anderem eisigen "Müll" gefüllt ist. Unter diesen transneptunischen Objekten befinden sich Körper, deren Bahnen, wie die des Uranus, von den erwarteten Bahnen abweichen. Die Autoren der Theorie behaupten: Ein massereicher Planet muss die Bewegung dieser Objekte durch sein Gravitationsfeld verzerren.
In Analogie zum Mond: Er macht eine Umdrehung um die Sonne in 365,25 Tagen, bewegt sich aber unter dem Einfluss der Erdanziehung auf einer komplexen Spiralbahn. Auch die beobachteten Bahnen im Kuipergürtel deuten auf den Einfluss von etwas anderem als der Sonne hin.
Argumente für "Planet neun"
Die Skepsis unter den Wissenschaftlern wird allmählich durch Interesse ersetzt: Immer mehr Beobachtungsdaten bestätigen das anomale Verhalten der Bahnen entfernter Objekte. Mike Brown selbst stellte 2024 fest:
"Ich halte es für extrem unwahrscheinlich, dass Planet Neun nicht existiert. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine anderen Erklärungen für die Effekte, die wir sehen."
Im Jahr 2018 wurde beispielsweise ein neuer Kandidat für einen Zwergplaneten entdeckt - das Objekt 2017 OF201 mit einem Durchmesser von etwa 700 Kilometern und einer stark verlängerten Umlaufbahn. Diese Umlaufbahn kann entweder durch eine alte Kollision oder durch den Gravitationseinfluss des hypothetischen Planeten erklärt werden.
Probleme mit der Hypothese
Warum wurde der "Planet Neun" noch nicht gefunden? Einige Astronomen sind der Meinung, dass es noch nicht genügend Beobachtungen gibt, um endgültige Schlüsse zu ziehen: Vielleicht werden die seltsamen Umlaufbahnen nicht durch einen massiven Planeten erklärt, sondern zum Beispiel durch einen Ring aus Weltraummüll oder sogar durch die Existenz eines Miniaturschwarzen Lochs.
Ein weiteres Problem ist der Zeitpunkt der Beobachtungen. Die Umlaufzeiten von weit entfernten Objekten sind enorm: 2017 OF201 zum Beispiel vollendet einen Umlauf um die Sonne in 24.000 Jahren. Es ist schwierig, Gravitationseffekte in kurzer Zeit zu beobachten: Zehntausende von Jahren an Beobachtungen oder mehrere Umläufe sind erforderlich.
Auch die Entdeckung neuer Körper trägt zur Unsicherheit bei. Das jüngste Beispiel ist das Objekt 2023 KQ14, das mit dem Subaru-Teleskop auf Hawaii entdeckt wurde. Es gehört zu einer besonderen Klasse von "Sednoiden": Es verbringt fast die gesamte Zeit sehr weit von der Sonne entfernt, fast unbeeinflusst von Neptun. Der sonnennächste Punkt seiner Umlaufbahn liegt bei 71 Astronomischen Einheiten (AE), der sonnenfernste Punkt bei 433 AE. Zum Vergleich: Neptun ist 30 AE von der Sonne entfernt.
Interessanterweise ist die Umlaufbahn von 2023 KQ14 weniger langgestreckt und stabiler als die von 2017 OF201, was bedeutet, dass der Einfluss des hypothetischen "Planeten Neun", wenn er denn existiert, noch weiter entfernt zu spüren sein dürfte - vielleicht mehr als 500 AE entfernt.
Inzwischen sind vier Sednoiden bekannt, und alle haben stabile Umlaufbahnen. Dies deutet darauf hin, dass der potenzielle "Planet Neun", wenn es ihn gibt, sehr weit entfernt ist.
Die Zukunft der Suche
Es kann immer noch nicht ausgeschlossen werden, dass ein massereicher Planet die Bahnen der Objekte im Kuipergürtel beeinflusst. Allerdings sind die Möglichkeiten der modernen Wissenschaft begrenzt: Selbst die automatische Station New Horizons der NASA wird mit ihrer Geschwindigkeit solche Entfernungen in 118 Jahren erreichen.
Daher setzen die Wissenschaftler weiterhin Boden- und Weltraumteleskope ein, und mit dem Fortschritt der Technologie werden immer mehr weit entfernte Objekte entdeckt. Diese Entdeckungen werden nach und nach dazu beitragen, Licht in die Geheimnisse der Außenbezirke unseres Sonnensystems zu bringen. Es bleibt abzuwarten, ob die Suche nach Planet Neun in den kommenden Jahren erfolgreich sein wird.
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Mykola Potyka verfügt über ein breites Spektrum an Kenntnissen und Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen. Mykola schreibt auf interessante Weise über Dinge, die ihn interessieren.












