Schadet "nachhaltige Mode" der Umwelt?

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Warum recycelte Kleidung den Planeten nicht rettet, sondern ihm schadet
20:00, 15.09.2025

Warum grüne Innovationen bei Textilien die Verschmutzung des Planeten verschlimmern könnten.



Die Idee der "Kreislaufwirtschaft" - reduzieren, wiederverwenden, recyceln - wird seit langem als Mittel zur Bekämpfung der Umweltkrise propagiert. In der Modebranche bedeutet dies nicht nur die Wiederverwendung von Dingen und die Reparatur von Kleidungsstücken, sondern auch die Einführung von Hightech-Lösungen: das Mieten von Kleidung, das Recycling von Fasern zu Fasern, der Einsatz von KI zum Sortieren von Stoffen und zur Reduzierung von Abfall.

Wie sich jedoch herausstellt, können diese Innovationen mehr schaden als nützen. Wie The Conversation berichtet, hat eine neue Studie herausgefunden, dass grüne Technologien in der Textilindustrie einen so genannten Rebound-Effekt auslösen können - einen Effekt, bei dem ein Anstieg der Produktion und des Verbrauchs von Kleidung die ökologischen Vorteile der Innovation zunichte macht.

Dieser Effekt tritt auf, wenn Effizienzverbesserungen die Produktionskosten senken und die Illusion von "Umweltfreundlichkeit" erzeugen, was die Verbraucher dazu anregt, mehr zu kaufen. Ein ähnliches Phänomen wurde bereits 1865 von dem Ökonomen William Jevons beschrieben: Damals führten Effizienzsteigerungen bei der Nutzung von Kohle nicht zu Einsparungen, sondern zu einem Anstieg des Gesamtverbrauchs.

Die Studie war die erste, die einen globalen rückwärtsgerichteten Koeffizienten für die Modeindustrie berechnet hat: Er beträgt 1,6. Das bedeutet, dass für jede Effizienzsteigerung von 1 Prozent durch grüne Technologien die Produktion neuer Stoffe um 0,6 Prozent zunimmt. Mit anderen Worten: Je mehr Innovation - desto mehr Kleidung und damit mehr Umweltverschmutzung und Abfall.

Zum Vergleich: Die Textilindustrie gilt als der Sektor mit der zweitgrößten Umweltverschmutzung nach dem Energiesektor. Sie verbraucht etwa 20% des Süßwassers auf der Erde, stößt jährlich 1,7 Milliarden Tonnen CO₂ aus und produziert 92 Millionen Tonnen Abfall, von denen weniger als 1% recycelt wird.

Warum also funktioniert "nachhaltige" Mode genau andersherum? Ganz einfach: Niedrigere Preise, ein ethisches Image und neue Technologien machen Kleidung erschwinglicher und regen so die Nachfrage an. Die Marken expandieren, die Verbraucher kaufen mehr - und der Nutzen für die Umwelt geht gegen Null.

Die Forscher schlagen vor, die Kreislaufwirtschaft nicht aufzugeben, sondern sie durch Kontrollmaßnahmen zu ergänzen. Eine Möglichkeit ist eine Produktionssteuer, um den umgekehrten Effekt zu kompensieren. Berechnungen zufolge könnte bei einer 10%igen Effizienzsteigerung eine Mindeststeuer von 1,25% das Produktionswachstum bremsen. Eine Steuer von 2,5% könnte den Effekt auf ein sicheres Maß reduzieren.

Andere Maßnahmen sind ebenfalls wichtig: Beschränkung der Produktion neuer Artikel, Förderung der langfristigen Nutzung von Kleidung und echte Verbrauchererziehung.

Beispiele dafür gibt es bereits: In Frankreich gibt es einen Fonds, der einen Teil der Kosten für die Reparatur von Kleidung erstattet, und in Großbritannien und Australien gibt es öffentlich-private Programme zur Verringerung der Verschwendung von Mode.

Maria Grynevych

Maria Grynevych, Projektmanagerin, Journalistin, Mitautorin des Reiseführers Heilige Berge der Dnjepr-Region, Vortragskurs: Kultische Topographie der mittleren Dnjepr-Region.

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