Vitamin D und das Gedächtnis: Wissenschaftler konnten erst ab einer Dosis von 5.000 IE eine Wirkung feststellen

5.000 IE Vitamin D wurden mit besseren Ergebnissen bei einem Denktest in Verbindung gebracht

Wissenschaftler der Emory-Universität haben einen interessanten Zusammenhang zwischen der Vitamin-D-Dosis und den kognitiven Leistungswerten bei Menschen mit einem erhöhten Risiko für einen weiteren Rückgang der Gedächtnis- und Denkfähigkeit festgestellt. Nur diejenigen Teilnehmer erzielten höhere Testergebnisse, die angaben, täglich mindestens 5.000 IE Vitamin D einzunehmen. Bei geringeren Dosierungen konnten die Forscher keinen solchen Zusammenhang feststellen.

Es ist anzumerken, dass die Wissenschaftler den Teilnehmern keine Dosis von 5.000 IE verabreicht und auch nicht überprüft haben, ob sich das Gedächtnis danach verbessern würde. Es handelte sich um eine kleine, beobachtende Studie mit lediglich 54 Teilnehmern. Daher zeigt sie zwar einen Zusammenhang auf, beweist jedoch nicht, dass die hohe Vitamin-D-Dosis die Ursache für die besseren Ergebnisse war. Zudem überschreiten 5.000 IE die in den USA (wie auch in der Ukraine) festgelegte Obergrenze für die tägliche Zufuhr bei Erwachsenen von 4.000 IE.

An der Studie nahmen Personen mit zwei Risikofaktoren teil

In die Studie wurden 54 Erwachsene mit einer diagnostizierten oder vermuteten leichten kognitiven Beeinträchtigung – MCI – und Schlafstörungen einbezogen. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer betrug 67,2 Jahre.

Eine leichte kognitive Beeinträchtigung ist ein Zustand, bei dem das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit oder andere geistige Fähigkeiten bereits schlechter sind, als es für das jeweilige Alter zu erwarten wäre, wobei die betroffene Person im Alltag jedoch in der Regel noch selbstständig zurechtkommt. MCI ist mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Demenz verbunden, obwohl es bei weitem nicht bei jedem Betroffenen zu Alzheimer oder einer anderen Demenzerkrankung führt.

Schlafprobleme ermittelten die Forscher mithilfe von Standardfragebögen: dem Pittsburgh Sleep Quality Index und der Epworth Sleepiness Scale. Fast alle Teilnehmer erfüllten nach der ersten Skala die Kriterien für schlechten Schlaf.

Ein Ergebnis zeigte sich erst ab 5.000 IE

Die kognitiven Fähigkeiten wurden mithilfe des Montreal Cognitive Assessment (MoCA) bewertet. Dabei handelt es sich um einen weit verbreiteten 30-Punkte-Screening-Test, der Aufgaben zu Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache, Orientierung und anderen Funktionen umfasst.

Anschließend verglichen die Forscher die Ergebnisse mit der Menge an Vitamin D, die die Teilnehmer nach eigenen Angaben täglich einnahmen.

Nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Body-Mass-Index und der Form des Vitamin D wiesen die Teilnehmer aus der Gruppe mit einer täglichen Zufuhr von 5.000 IE und mehr einen um durchschnittlich etwa 3,78 Punkte höheren MoCA-Wert auf als Personen, die nicht täglich Vitamin D einnahmen. Der p-Wert betrug 0,039.

Bei niedrigeren Dosierungen konnten die Forscher keinen statistisch signifikanten Zusammenhang mit den MoCA-Ergebnissen feststellen. Auch zwischen Vitamin D₂ und D₃ gab es keinen nennenswerten Unterschied.

Allerdings kann dieser „Effekt“ bislang nicht als Wirkung des Vitamins selbst angesehen werden

Die wesentlichste Einschränkung der Studie ist ihr transversaler Beobachtungsansatz.

Die Forscher haben die Teilnehmer nicht nach dem Zufallsprinzip in Gruppen eingeteilt, einer Gruppe 5.000 IE Vitamin D und einer anderen ein Placebo verabreicht und auch nicht gemessen, wie sich ihre kognitiven Fähigkeiten im Laufe der Zeit verändert haben. Die Teilnehmer gaben lediglich Auskunft über ihre übliche Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, woraufhin die Wissenschaftler diese Angaben mit den Testergebnissen verglichen.

Daher sind andere Erklärungen möglich. Beispielsweise könnten Menschen mit besser erhaltenen kognitiven Funktionen die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln konsequenter einhalten, bewusster auf ihre Gesundheit achten oder sich durch andere Merkmale von den übrigen Teilnehmern unterscheiden, die in der Studie nicht vollständig berücksichtigt wurden.

Auch eine umgekehrte Kausalität lässt sich nicht ausschließen: Nicht das Vitamin D führte zu besseren Ergebnissen, sondern Menschen mit besseren kognitiven Fähigkeiten nahmen aus bestimmten Gründen häufiger hohe Dosen ein.

Die Autoren selbst bezeichnen die Studie als explorativ, also vorläufig, und weisen darauf hin, dass die Ergebnisse an größeren Stichproben überprüft werden müssen.

Eine Stichprobe von 54 Personen erfordert besondere Vorsicht

Eine weitere Einschränkung ist der Umfang der Studie.

Insgesamt 54 Teilnehmer sind selbst für eine allgemeine Analyse eine geringe Zahl. Nach der Einteilung der Personen nach Vitamin-D-Dosierungen werden die einzelnen Gruppen noch kleiner.

Zudem lag der statistische Zusammenhang bei einer Dosis von 5.000 IE nahe an der üblichen Signifikanzschwelle: p = 0,039. In der Zusammenfassung des Artikels bezeichnen die Autoren dieses Ergebnis als „marginally significant“, also als grenzwertig statistisch signifikant.

Interessanterweise wurden im selben Modell auch ein Hochschulabschluss und Übergewicht statistisch mit höheren MoCA-Werten in Verbindung gebracht. Dies verdeutlicht zusätzlich, wie vorsichtig ein einzelner, in einer kleinen Gruppe festgestellter Zusammenhang interpretiert werden sollte.

5.000 IE – keine Empfehlung zur Einnahme einer solchen Dosis

Dies ist besonders wichtig angesichts der potenziellen Anziehungskraft einer konkreten Zahl aus der Studie.

Eine Dosis von 5.000 IE überschreitet den in der Ukraine festgelegten zulässigen Höchstwert für die langfristige tägliche Vitamin-D-Zufuhr bei Erwachsenen – 4.000 IE. Das bedeutet nicht, dass 5.000 IE zwangsläufig toxisch sind: Bei einem nachgewiesenen Mangel kann ein Arzt vorübergehend auch höhere Dosen verschreiben. Eine solche Dosierung darf jedoch nicht als sichere vorbeugende Norm für die eigenständige Langzeitanwendung angesehen werden.

Umso mehr belegt die neue Studie nicht, dass gerade die Einnahme von 5.000 IE das Gedächtnis verbessert oder das Fortschreiten einer Demenz verlangsamt. Es wurde lediglich ein statistischer Zusammenhang zwischen dieser Dosis und besseren Ergebnissen bei kognitiven Tests bei einer kleinen Gruppe von Teilnehmern festgestellt.

Eine langfristige, übermäßige Einnahme von Vitamin D kann zu einem Anstieg des Kalziumspiegels im Blut und damit verbundenen Komplikationen führen, unter anderem im Bereich der Nieren. Daher darf das Ergebnis der Studie nicht als Empfehlung zur Einnahme von 5.000 IE zur Verbesserung des Gedächtnisses ausgelegt werden.

Andere Studien zeichnen ein uneinheitliches Bild

Die Idee eines möglichen Zusammenhangs zwischen Vitamin D und kognitiven Funktionen wird seit langem diskutiert. Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel im Blut wurde wiederholt mit kognitivem Verfall in Verbindung gebracht; dies bedeutet jedoch noch nicht, dass die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln diesen Prozess umkehren kann.

Eine systematische Übersicht über 20 randomisierte kontrollierte Studien ergab zuvor gemischte Ergebnisse und fand keine überzeugenden Belege dafür, dass Vitamin D insgesamt die kognitiven Fähigkeiten von Erwachsenen verbessert.

Es gibt jedoch auch einzelne positive Studienergebnisse. So zeigte beispielsweise eine randomisierte Studie mit 183 älteren Menschen mit MCI, dass die Gruppe, die ein Jahr lang täglich 800 IE Vitamin D erhielt, im Vergleich zur Placebo-Gruppe bei einigen kognitiven Parametern eine Verbesserung aufwies. Die Unterschiede zwischen den Studien hinsichtlich der Zusammensetzung der Teilnehmer, des Ausgangswerts des Vitamin-D-Spiegels, der Dosierungen und der verwendeten Tests lassen jedoch bislang keine einfache, allgemeingültige Schlussfolgerung zu.

Darüber hinaus konnte eine groß angelegte Beobachtungsstudie aus dem Jahr 2026 mit 5.065 älteren US-Amerikanern die Vorstellung nicht bestätigen, dass Vitamin-D-Präparate ein universelles Mittel zur Verlangsamung des kognitiven Abbaus darstellen. Insbesondere sahen die Autoren keinen Grund, diese Präparate Menschen mit einem normalen Ausgangs-Vitamin-D-Spiegel ausschließlich zur Vorbeugung einer Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten zu empfehlen.

Was Wissenschaftler als Nächstes untersuchen müssen

Das neue Ergebnis ist vor allem für eine sehr spezifische Gruppe von Interesse: Menschen, bei denen gleichzeitig Schlafstörungen und eine leichte kognitive Beeinträchtigung vorlagen.

Die Autoren vermuten, dass das frühe Stadium kognitiver Veränderungen eine Phase sein könnte, in der potenziell beeinflussbare Faktoren noch eine nennenswerte Rolle spielen können. Um jedoch speziell die Wirkung von Vitamin D zu überprüfen, wäre ein weitaus strengeres Experiment erforderlich.

Im Idealfall sollten Teilnehmer mit vergleichbaren Ausgangswerten des Vitamin-D-Spiegels nach dem Zufallsprinzip auf Gruppen mit unterschiedlichen Dosierungen und Placebo verteilt, die Vitamin-D-Konzentration im Blut gemessen und anschließend die Veränderungen der kognitiven Funktionen über einen längeren Zeitraum hinweg beobachtet werden.

Bis solche Daten vorliegen, fällt die Schlussfolgerung deutlich zurückhaltender aus: Bei einer kleinen Gruppe von Menschen mit Schlafstörungen und MCI war die Einnahme von 5.000 IE Vitamin D mit besseren Ergebnissen bei kognitiven Tests verbunden, doch die Studie konnte nicht nachweisen, dass genau Vitamin D diesen Unterschied verursacht hat.

Quelle

Die Forscher untersuchten 54 Personen mit diagnostizierter oder vermuteter leichter kognitiver Beeinträchtigung und Schlafstörungen. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer betrug 67,2 Jahre. Die Vitamin-D-Zufuhr wurde anhand von Selbstauskünften ermittelt, und die kognitiven Funktionen wurden mithilfe des Montreal Cognitive Assessment bewertet. Es handelte sich um eine Querschnittsstudie und nicht um eine randomisierte Studie zur Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln.

Studie:„Die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten ist bei Personen mit Schlafstörungen und leichter kognitiver Beeinträchtigung mit einer besseren kognitiven Leistungsfähigkeit verbunden“.

Autoren: Sirui Zhou, Sudeshna Paul, Lynn Marie Trotti, Donald Bliwise, Victoria Pak.

Zeitschrift: Sleep Medicine, Band 146, Artikel 108960. Online-Veröffentlichung: 10. April 2026, Druckausgabe: Oktober 2026.